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Article: Informations about Russland


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Russland

+0,2 % (2012)|BIP = 2011
World Economic Outlook Database, April 2012 des Internationalen WĂ€hrungsfonds

* 1.850 Milliarden USD ( 9.)
* 2.383 Milliarden USD ( 6.)
* 12.993 USD ( 53.)
* 16.736 USD ( 54.)|BIP-ERWEITERT =
* Total (nominal)
* Total ( KKP)
* BIP/Einw. (nominal)
* BIP/Einw. (KKP)|HDI = Russland ( , Transkription ; bzw. amtlich Russische Föderation oder seltener RusslĂ€ndische Föderation, russisch , /Transkription ) ist ein föderativer Staat im nordöstlichen Eurasien und flĂ€chenmĂ€ĂŸig der grĂ¶ĂŸte der Erde. Er zĂ€hlt mit seinen rund 143 Millionen Einwohnern zu den weltweit am dĂŒnnsten besiedelten FlĂ€chenstaaten. Die Hauptstadt des Landes ist Moskau. Als weiteres wichtiges Zentrum gilt Sankt Petersburg, das zwischen 1712 und 1917 Hauptstadt war und eine architektonische und kulturelle BrĂŒcke Russlands nach Westeuropa bildet.Das heutige Russland entwickelte sich aus dem GroßfĂŒrstentum Moskau, einem TeilfĂŒrstentum des frĂŒheren ostslawischen Reiches Kiewer Rus, zu einem ĂŒber einhundert indigene Ethnien (NationalitĂ€ten) zĂ€hlenden Vielvölkerstaat und Weltreich, wobei ethnische Russen mit heute ca. 81 Prozent der Bevölkerung traditionell den tragenden Teil des Staatsvolkes ausmachen. Seine geographische BrĂŒckenlage zwischen Europa und Asien wirkte sich fundamental auf die Entwicklung Russlands aus und wurde zu einem zentralen Thema in der Diskussion um das nationale SelbstverstĂ€ndnis.Die Russische Föderation ist „ Fortsetzerstaat“Nach h.M. ist der Inhalt dieses Begriffes synonym mit „ völkerrechtlicher IdentitĂ€t“ zu verstehen, womit sich dieser Begriff und die Bezeichnung „ Nachfolgestaat“ wechselseitig ausschließen; vgl. dazu Andreas Zimmermann, Staatennachfolge in völkerrechtliche VertrĂ€ge,
S. 91; weiterfĂŒhrend ders., a.a.O.,
S. 85–97 mzN. Schweisfurth hingegen meint, dass sich der Begriff „Fortsetzerstaat“ wie die Zirkularnote vom 13. Januar 1992 lediglich (Zit. in: Ders., Völkerrecht, Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2006,
S. 343 f.)
der Sowjetunion in internationalen Organisationen, Atommacht und stĂ€ndiges Mitglied des Weltsicherheitsrates. Nach der Erholung von der postkommunistischen Transformationskrise der 1990er Jahre gilt Russland heute als fĂŒnftgrĂ¶ĂŸte
World Bank: Gross domestic product 2012, PPP (PDF; 81 kB), abgerufen am 15. Juli 2013.
Volkswirtschaft der Welt nach KaufkraftparitĂ€t sowie wegen seines Reichtums an natĂŒrlichen Ressourcen als wichtige Industrienation und wurde deshalb als Mitglied in die wirtschaftspolitische G8 aufgenommen. Helmut Wagner, EinfĂŒhrung in die Weltwirtschaftspolitik. Globalisierung: Internationale Wirtschaftsbeziehungen – Internationale Organisationen – Internationale Politikkoordinierung, 6. Aufl., Oldenbourg, MĂŒnchen 2009, ISBN 978-3-486-59109-5,
S. 154.
Im August 2012 trat Russland der Welthandelsorganisation (WTO) bei.
Rösler begrĂŒĂŸt Russland als 156. WTO-Mitglied. EU-Handelskommissar Karel De Gucht sagte, das sei ein entscheidender Schritt zur weiteren Einbindung des Landes in die Weltwirtschaft. Mit dem Beitritt zur WTO verpflichtet sich Russland unter anderem, seine Zölle fĂŒr Einfuhren zu senken. Damit werden Produkte aus dem Ausland konkurrenzfĂ€higer auf dem russischen Markt.


Geographie

Auf dem Gebiet Russlands, das mit 17,075 Millionen Quadratkilometern das mit Abstand flĂ€chengrĂ¶ĂŸte Land der Erde ist, befinden sich einige der lĂ€ngsten FlĂŒsse sowie der Ă€lteste und tiefste Binnensee der Welt ( Baikalsee). Bis auf die Tropen sind alle Klimazonen vertreten. Russland umfasst elf Prozent der WeltlandflĂ€che, das entspricht in etwa der FlĂ€che Australiens und Europas zusammen. Von Westen nach Osten erstreckt sich Russland auf einer GesamtlĂ€nge von 9000 Kilometern, von 19° östlicher bis 169° westlicher LĂ€nge ĂŒber zwei Kontinente. Auf Asien entfallen 75 Prozent der LandflĂ€che, auf Europa 25 Prozent. Von Norden nach SĂŒden betrĂ€gt die Ausdehnung bis zu 4000 Kilometer, vom 48. bis zum 81. Grad nördlicher Breite.Wenn man die Reliefstruktur und die Flusssysteme Russlands miteinander vergleicht, so entsteht ein Gitternetz aus breitenparallel verlaufenden Wasserscheiden bzw. dem SteppengĂŒrtel im SĂŒden und den meridional ausgerichteten Stromwegen.

Lage und Grenzen

Rechts im Bild die Festung Iwangorod (Russland), links auf der anderen Seite der Narva die Hermannsfeste (Estland). Hier verlĂ€uft zugleich auch die Ostgrenze der EuropĂ€ischen Union.Russland hat neben der Volksrepublik China mit 14 die grĂ¶ĂŸte Anzahl Nachbarstaaten mit einer gemeinsamen Landgrenze.Die GesamtlĂ€nge der Landesgrenzen betrĂ€gt 20.017 Kilometer. Russland grenzt des Weiteren an fĂŒnf Meere, wobei die KĂŒstenlinie 37.653 Kilometer umfasst. Das russische Kernland grenzt an die Staaten Norwegen (196 Kilometer) und Finnland (1340 Kilometer), gefolgt von einem kurzen KĂŒstenstreifen zur Ostsee. Zudem teilt sich Russland eine Grenze mit den baltischen LĂ€ndern Estland (334 Kilometer) und Lettland (217 Kilometer), weiter sĂŒdlich gefolgt von Weißrussland (959 Kilometer) und der Ukraine (1576 Kilometer). Das Schwarze Meer trennt die europĂ€ischen Grenzen Russlands von den asiatischen. Im Kaukasus grenzen Georgien (723 Kilometer) und Aserbaidschan (284 Kilometer) an. Es folgt ein KĂŒstenstreifen am Kaspischen Meer und eine lange gemeinsame Grenze mit Kasachstan (6846 Kilometer). In Ostasien grenzt Russland erstmals an die Volksrepublik China (etwa 40 Kilometer) und dann an die Mongolei (3485 Kilometer). Danach trifft das russische Hoheitsgebiet zum zweiten Mal mit chinesischem zusammen (3605 Kilometer). Mit Nordkorea (19 Kilometer) besteht die letzte Landverbindung zu einem anderen Staat. Danach folgen die KĂŒstenlinien zum Japanischen Meer, dem Ochotskischen Meer, zum Pazifischen Ozean und schließlich zur Beringsee. Über die nur etwa 85 Kilometer schmale und 30 bis 50 Meter tiefe Beringstraße ist Russland im Ă€ußersten Osten von Alaska getrennt. Die inmitten der Beringstraße befindliche russische Große Diomedes-Insel liegt nur vier Kilometer von der US-amerikanischen Kleinen Diomedes-Insel entfernt. Der gesamte nördliche Teil des Landes grenzt an den Arktischen Ozean. Dort liegen verschiedene zu Russland gehörende Inseln, als nördlichste Franz-Josef-Land. Russland betrachtet zudem noch weitere Gebiete des Arktischen Ozeans und der EisflĂ€che als Teil seines Hoheitsgebietes.Neben dem Kernland besitzt Russland noch eine Exklave, den nördlichen Teil des ehemaligen Ostpreußens, die heutige Oblast Kaliningrad. Das Gebiet, ĂŒber welches 1945 die Sowjetunion die territoriale SouverĂ€nitĂ€t beanspruchte, grenzt an Litauen (227 Kilometer) und Polen (206 Kilometer) und ist damit vollstĂ€ndig von EU-LĂ€ndern umgeben.Russland ist in neun Zeitzonen eingeteilt (von UTC+3 bis UTC+12), wobei mit der Abschaffung der Zeitumstellung im Jahr 2011 ĂŒberall ganzjĂ€hrig die Sommerzeit gilt.

Großlandschaften und Relief

RiedsĂŒmpfe u. flutende WasserpflanzenGroße Teile des Landes sind vom Kontinentalklima mit heißen Sommern und sehr kalten Wintern geprĂ€gt. Je weiter man in Richtung Osten des Landes reist, desto deutlicher spĂŒrt man die prĂ€genden Temperaturen zu den verschiedenen Jahreszeiten, das heißt, der Sommer ist extrem heiß und die Temperaturen in den Wintermonaten mitunter eisig kalt. Kaum ein anderes Land bietet solche Temperaturunterschiede wie Russland. Die sĂŒdliche HĂ€lfte des Fernen Ostens hat Monsunklima. Die durchschnittlichen Januartemperaturen liegen mit Ausnahme der SchwarzmeerkĂŒste ĂŒberall unter dem Gefrierpunkt. In Ostsibirien sinken sie bis auf −35 bis −60 Â°C ab, sind aufgrund der meist sehr niedrigen Luftfeuchtigkeit jedoch leichter auszuhalten. Die Sommertemperaturen sind sehr unterschiedlich. Die Durchschnittstemperaturen im hohen Norden liegen bei +1 bis +2 Â°C, in den Halbsteppen und Steppengebieten des SĂŒdens hingegen bei +24 bis +25 Â°C.Die Klima-, Vegetations- und Ökozonen verlaufen in Russland weitgehend breitenkreisparallel, so dass eine Nord-SĂŒd-Abfolge entsteht:Im Nördlichen Eismeer herrscht die lebensfeindliche KĂ€ltewĂŒste. Dies betrifft unter anderen den nördlichen Teil der Taimyrhalbinsel und weitere dort befindliche Inseln. Es herrscht ein ausgeprĂ€gtes Eisklima, in dem es kaum Pflanzen gibt. In dieser Zone gibt es nur wenige stĂ€ndige Siedlungen. Die Durchschnittstemperaturen steigen nur fĂŒr drei Monate knapp ĂŒber den Gefrierpunkt und in den kĂ€ltesten Monaten Januar und Februar erreichen sie bis −30 Â°C. Die jĂ€hrlichen Niederschlagsmengen in Form von Schnee steigen selten ĂŒber 250 Millimeter.Beginnend vom nördlichsten Eurasischen Festland schließt sich ein baumloser und durch Permafrost gekennzeichneter LandschaftsgĂŒrtel an, der eine Nord-SĂŒd-Ausdehnung zwischen 200 und 800 Kilometer aufweist und sich etwa bis zum Polarkreis, im Mittelsibirischen Bergland bis 70° nördlicher Breite erstreckt. Die KĂŒstenlandschaft im Norden ist mit Ausnahme der Bucht um das Weiße Meer von der Tundra geprĂ€gt. Die Sommer sind dort zu kurz und zu kĂŒhl, als dass sich Wald ausbilden könnte. Die Durchschnittstemperaturen liegen nur vier bis fĂŒnf Monate im Jahr ĂŒber dem Gefrierpunkt, wobei die wĂ€rmsten Monate in den Randgebieten ein Mittel ĂŒber 10 Â°C aufweisen. Daher taut auch der Boden nur an der OberflĂ€che auf, sodass sich die reichlichen NiederschlĂ€ge auf dem gefrorenen Unterboden stauen und die Tundra im Sommer in ein Meer von SĂŒmpfen und Mooren mit einer Vegetation aus Flechten, GrĂ€sern und ZwergstrĂ€uchern verwandeln. Landwirtschaft ist nicht möglich, nur die indigenen Rentiernomaden finden dort ihr Auskommen. Daher gibt es nur wenige menschliche Siedlungen. Weiter sĂŒdwĂ€rts der KĂ€ltesteppe beginnen Fichten zunĂ€chst einzeln zu wachsen, um dann zusammen mit Moor-Birken und Espen von SĂŒmpfen durchsetzte Waldtundra zu bilden. An ihrer SĂŒdgrenze geht die Waldtundra dann fließend in die Waldzone ĂŒber. Taiga bei KrasnojarskDiese 1000 bis 2000 Kilometer breite Zone verlĂ€uft nördlich entlang der Linie St. Petersburg–Ufa– Irkutsk– Sachalin und bildet die boreale Zone bzw. die Taiga. Die Waldzone durchzieht ganz Nordeurasien. Wegen dieser gewaltigen Ausdehnung gliedert sie sich in mehrere breitenparallele Unterzonen: In den der FlĂ€che nach bei weitem dominierenden NadelwaldgĂŒrtel (eigentliche Taiga) im Norden, in Mittelsibirien weiter in die Sub-Taiga als Übergangszone zur Steppe sowie in einen MischwaldgĂŒrtel, der sich jedoch lediglich im europĂ€ischen Russland sĂŒdlich anschließt. Die Taiga ihrerseits bildet drei breitenparallel hintereinander geschaltete Unterzonen:
* Westlich des Urals besteht die nördliche Taiga aus niedrigen FichtenwÀldern mit vereinzelten Birken. Nur in Karelien herrscht die Kiefer vor.
* Die mittlere Taiga bildet dunkle FichtenwĂ€lder mit EinschlĂŒssen von Birken, nach SĂŒden hin zunehmend auch Kiefern, sowie ersten Vorboten von Laubhölzern wie der Winterlinde. Geringe Fruchtbarkeit des Bodens und Artenarmut der Vegetation macht diese Landschaft fĂŒr eine Landwirtschaft ungeeignet.
* Die sĂŒdliche Taiga zeichnet sich durch einen hohen Anteil von Laubhölzern am Unterwuchs aus, bedingt durch ergiebigere Böden. Die Taiga Sibiriens ist durch lichte WĂ€lder, bestehend aus Sibirischen LĂ€rchen, Fichten und Zirbelkiefern gekennzeichnet.Die Waldzone ist durch kontinentales Klima mit einem starken TemperaturgefĂ€lle zwischen heißen Sommern und kalten Wintern geprĂ€gt. Die mittlere Jahrestemperatur nimmt vom Westen nach Osten deutlich ab. In Pskow betrĂ€gt sie noch 5,1 Â°C, sinkt aber bis zum Ural auf 2,3 Â°C ab und erreicht im westsibirischen Tomsk nur noch 0,1 Â°C. Im ostsibirischen Jakutsk liegt sie dann bei −10 Â°C. Die niedrigen Jahresmittel sind auf den langen und sehr kalten Winter in Sibirien zurĂŒckzufĂŒhren. Dagegen entsprechen die durchschnittlichen Sommertemperaturen dem mitteleuropĂ€ischen Mittel. Iwan Schischkins GemĂ€lde Der Roggen zeigt die Waldsteppe in der zentralen Schwarzerde-Region subtropischen Hartlaubwaldzone]]In den von kĂŒhlgemĂ€ĂŸigten Klimaten beherrschten Gebieten, die sich der Taiga sĂŒdlich anschließen, wĂ€chst sommergrĂŒner Laub- und Mischwald. Diese Zone verlĂ€uft im europĂ€ischen Russland innerhalb des Dreiecks St. Petersburg– Odessa–Ufa, in Westsibirien in einem Streifen von Tscheljabinsk bis Krasnojarsk sowie im Amur-Gebiet. Die Mischwaldzone verlĂ€uft damit in einem nach Osten hin sich verjĂŒngenden Dreieck von den mittleren Karpaten und von der baltischen KĂŒste bis an den SĂŒdural. Die Vegetation besteht primĂ€r aus Fichten, Kiefern und Eichen, ehe sie weiter sĂŒdwĂ€rts in reinen Laubwald ĂŒbergeht. Leithölzer bilden dort die Eiche sowie in der Westukraine Buche und Hainbuche. Kiefern wachsen, wie auch im Mischwaldbereich, am besten in sandigen Senken wie im Pripjetbecken. Östlich des Urals gibt es aus klimatischen GrĂŒnden keinen Mischwald. Stattdessen leiten in Westsibirien Birkenhaine unmittelbar von der Taiga in die Waldsteppe ĂŒber. Der Mischwald tritt dann wieder im Fernen Osten auf. Die Mischwaldzone bietet fĂŒr die Landwirtschaft im Allgemeinen akzeptable, die Laubwaldzone gute Existenzbedingungen.Weiter sĂŒdlich folgt ein SteppengĂŒrtel, der am Unterlauf von Don und Wolga, Nordkaukasus, Kaspische Senke und Tuwa verlĂ€uft. Der SteppengĂŒrtel untergliedert sich im Norden in die Waldsteppe und im SĂŒden in die eigentliche Steppe. Der Wald löst sich von Norden nach SĂŒden in Inseln auf und verschwindet schließlich fast ganz. Das hĂ€ngt mit dem nach SĂŒdosten abnehmenden Niederschlag bei gleichzeitig wachsender VerdunstungsintensitĂ€t zusammen. Außer in FlusstĂ€lern (als Auwald) oder in Senken mit gĂŒnstigen GrundwasserverhĂ€ltnissen reicht das im Lössboden gespeicherte Wasser nicht aus, um den FlĂŒssigkeitsbedarf von Laubhölzern zu decken. Daher bilden in der Waldsteppe Wiesen-, in der eigentlichen Steppe Federgrasformationen die Pflanzendecke. Der SteppengĂŒrtel ist aufgrund der fruchtbaren Schwarzerdeschicht ideal fĂŒr den Getreideanbau.An der SchwarzmeerkĂŒste zwischen Noworossijsk und Sotschi folgt eine Hartlaubwaldzone. An der SchwarzmeerkĂŒste herrschen im Durchschnitt um die 20 Grad Celsius. Dieser subtropische Teil Russlands ist geprĂ€gt von dichten WĂ€ldern.Russland beherbergt nach Kanada die grĂ¶ĂŸten noch verbliebenen nordischen regionen. Nach Global Forest Watch sind rund 26 Prozent der WĂ€lder noch intakte UrwĂ€lder. Sie liegen zum allergrĂ¶ĂŸten Teil in Sibirien. Im europĂ€ischen Teil haben immerhin noch 9 Prozent der WĂ€lder diesen Status.
Global Forest Watch (PDF; 1,1 MB)


Fauna

Ein junger Amurtiger im Schnee. Der Wildbestand belĂ€uft sich heute auf weniger als 500 Tiere.Das polare Klima an der NordkĂŒste Russlands ist Lebensraum fĂŒr PolarbĂ€ren, Robben, Walrosse und Seevögel. In der sich sĂŒdwĂ€rts anschließenden Tundra leben PolarfĂŒchse, Eulen, Schneehasen und Lemminge. Im Sommer wandern große Herden von Rentieren und Wölfen in die Tundra ein. Diese Tiere sind an die lebensunfreundlichen UmstĂ€nde dieser Zone perfekt angepasst. In den WĂ€ldern von Russland nimmt die Artenvielfalt in der Tierwelt zu. So leben in der Taiga und den borealen NadelwĂ€ldern Russlands Elche, Rentiere, Wölfe, BĂ€ren, Zobel, Eichhörnchen, FĂŒchse und der Vielfraß. Weiter sĂŒdlich haben sich e, Nerze und Hirsche ausgebreitet. Vereinzelt gibt es auch Sibirische Tiger. Die Steppenzone Russlands ist der Lebensraum fĂŒr Hamster, Ziesel sowie fĂŒr den Iltis und den Steppenfuchs.

Bevölkerung

Die Bevölkerungsdichte Russlands nach RegionenDie Bevölkerung Russlands ist sehr ungleichmĂ€ĂŸig verteilt. 85 Prozent der Einwohner leben im europĂ€ischen Teil, der dabei lediglich 23 Prozent des russischen Territoriums umfasst. Dementsprechend leben nur 15 Prozent im flĂ€chenmĂ€ĂŸig weit grĂ¶ĂŸeren asiatischen Teil, der 77 Prozent der GesamtflĂ€che ausmacht. Die Bevölkerungsdichte variiert von 362 Einwohner/kmÂČ in der Hauptstadt und ihrer Umgebung (Gebiet Moskau) und unter 1 Einwohner/kmÂČ im Nordosten und im russischen Fernen Osten. Im Schnitt betrĂ€gt sie 8,3 Einwohner/kmÂČ. Da in vielen FĂ€llen ein betrĂ€chtlicher Bevölkerungsanteil im jeweiligen Gebietshauptort lebt, liegt die Bevölkerungsdichte im lĂ€ndlichen Raum auch in den relativ dicht besiedelten zentralrussischen Verwaltungsgebieten selten höher als 40 bis 50 Einwohner/kmÂČ.

Demografische Entwicklung

BevölkerungsentwicklungRusslands Bevölkerungszahl sank von 147,0 Millionen bei der VolkszĂ€hlung im Januar 1989 bis 2007 auf 142,2 Mio. Seither verlangsamte sich der BevölkerungsrĂŒckgang, so dass die Einwohnerzahl 2010 bei 141,9 Mio. lag.
Russlands Bevölkerungszahl auf knapp 142 Millionen geschrumpft, RIA Novosti vom 18. Juni 2010.
Durch die Ergebnisse der VolkszĂ€hlung 2010 wurde die Bevölkerungszahl korrigiert. Diese liegt fĂŒr 2011 bei 142,9 Mio. Der BevölkerungsrĂŒckgang begrĂŒndet sich in den chaotischen 1990er Jahren, die zur Senkung der Geburtenrate und einem drastischen Anstieg der Sterberate der MĂ€nner fĂŒhrten. Die FertilitĂ€tsrate sank zwischen 1988 und 1999 von zwei auf 1,16 Geburten pro Frau. Gleichzeitig verdoppelte sich bei den MĂ€nnern die Sterblichkeitsrate von 9,4 (1970) auf 18,7 pro 1000 Einwohner (2005). Die Durchschnittslebenserwartung der MĂ€nner sank von 63,9 Jahren 1986 auf 57,5 Jahre (1994). Bis 2004 stieg sie wieder leicht auf 58,9 Jahre an; 2011 lag sie bei 64,3 Jahren. Die hohe Sterberate fĂŒhrt zu deutlichen FrauenĂŒberschĂŒssen. Laut Angaben der VolkszĂ€hlung von 2010 gibt es in Russland 10,7 Millionen mehr Frauen als MĂ€nner. Als Hauptursache fĂŒr diese niedrige Lebenserwartung gilt die relativ hohe Sterblichkeit infolge der ungesunden Lebensweise sowie vermeidbarer Ursachen wie Alkoholvergiftungen, Tabakrauchen, VerkehrsunfĂ€lle, Suizid und Mord. Als hĂ€ufigste Todesursache gelten mit 56,7 Prozent diverse Herzkrankheiten,
RIA Novosti, 14. Februar 2007, abgerufen am 5. April 2008.
sehr hĂ€ufig sind auch Krebserkrankungen. Auch die Zahlen von TodesfĂ€llen infolge Drogenkonsums, Tuberkulose und HIV sind seit dem Ende der Sowjetunion merklich gestiegen.Um den demografischen Problemen zu begegnen, hat die russische Regierung in jĂŒngster Zeit mehrere nationale Programme eingeleitet, die helfen sollen, die Geburtenrate zu steigern. So erhalten seit 2007 Eltern ab ihrem zweiten neugeborenen Kind eine einmalige staatliche Beihilfe ( Mutterschaftskapital) in Höhe von aktuell fast 10.000 Euro (2012).
Rossijskaja Gaseta, abgerufen am 5. April 2008.
Seitdem haben sich die Geburtenzahlen in Russland von 1,48 Mio. (2006) auf 1,9 Mio. (2012) erhöht.
Statistische Daten von Rosstat, dem Russischen Föderalen Statistikdienst
Entwicklung der Geburten- und Sterberate in RusslandDie Bevölkerungsdichte sank zwischen 1989 und 2009 von 8,6 auf 8,3 Einwohner pro Quadratkilometer. Der Anteil der Stadtbevölkerung lag in diesem Zeitraum konstant bei 73 Prozent.
Bevölkerungsentwicklung Russlands beim Föderalen Dienst för staatliche Statistik Russlands (englisch; Berechnungen fĂŒr den 1. Januar des jeweiligen Jahres, wenn nicht anders angegeben)
Zur Auswanderung neigen besonders höher Gebildete, teilweise wegen der herrschenden Rechtsunsicherheit.
Die russische Tragödie, FAZ vom 10. Juli 2011, abgerufen am 12. Juli 2011.
In den letzten Jahren und auch infolge der demografiepolitischen Anstrengungen der Regierung verlangsamte sich dieser Trend jedoch stark.
RIA Novosti: Russlands Bevölkerung stirbt langsamer aus – Statistik und Prognose, 22. November 2007.
Zugleich ist Russland das zweitwichtigste Einwanderungsland der Welt. Herkunftsregionen sind hierbei vor allem die Ă€rmeren, sĂŒdlichen ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens und des Kaukasus, aber in zunehmender Zahl auch Afrika und SĂŒdostasien. Die Mehrheit der Einwanderer stellen bisher jedoch die Nachkommen von Russen, die im Kaiserreich und der Sowjetzeit in anderen Teilrepubliken angesiedelt wurden und nun meist mit ihren Familien gemeinsam nach Russland zurĂŒckkehren.Aufgrund der demografischen UmbrĂŒche in den chaotischen 1990er Jahren wird die Bevölkerung Russlands Ă€hnlich wie in vielen anderen LĂ€ndern Europas (u. a. Deutschland) in den nĂ€chsten Jahrzehnten voraussichtlich weiter abnehmen. In den letzten Jahren stabilisierte sich die Lage jedoch, die Einwohnerzahl stieg in jĂŒngerer Zeit sogar leicht an und liegt mittlerweile bei etwa 143,5 Millionen.
Demoscope Weekly – Einwohnerzahl Russlands
Die Zahl der Geburten und SterbefĂ€lle glich sich bis zum Jahr 2012 schon beinahe wieder aus. Es wird jedoch fĂŒr die Zeit nach 2015 wieder eine Verschlechterung der demografischen Situation erwartet, da anstelle der geburtenstarken JahrgĂ€nge der Sowjetzeit die geburtenschwachen JahrgĂ€nge der 1990er Jahre ins Elternalter kommen werden.

StÀdte

Moskau, die Hauptstadt Russlands und grĂ¶ĂŸte Stadt Europas Das Zentrum von Sankt-PetersburgSchon in der zweiten HĂ€lfte des ersten Jahrtausends nach Christus war das ostslawische Gebiet offenbar von vielen stĂ€dteĂ€hnlichen Siedlungen gekennzeichnet, weshalb die skandinavischen WarĂ€ger es Gardarike („Reich der StĂ€dte“) nannten. Zu den Ă€ltesten erhaltenen StĂ€dten auf dem Gebiet der Russischen Föderation zĂ€hlen Nowgorod, Smolensk, Pskow, Rostow, Murom und Beloosero, die alle noch im ersten Jahrtausend nach Christus gegrĂŒndet wurden. Im 11. und 12. Jahrhundert wurden weitere StĂ€dte im Zentrum Russlands von slawischen Siedlern gegrĂŒndet. In dieser Zeit entstanden Moskau, Jaroslawl, Twer, Wladimir, Wologda, Kirow, Tula, Kursk, Kostroma, Rjasan und etwas spĂ€ter Nischni Nowgorod.Aufgrund der LandesgrĂ¶ĂŸe war eine Vielzahl großer StĂ€dte als StĂŒtzpunkte notwendig. Mit der Eroberung Kasans und Astrachans zur Mitte des 16. Jahrhunderts folgte durch die Russische Kolonisation die GrĂŒndung weiterer StĂ€dte im Osten, SĂŒdosten und SĂŒden. Zahlreiche StĂ€dte wurden zunĂ€chst als Grenzfestungen gegrĂŒndet. Im SĂŒden waren dies StĂŒtzpunkte der Verhaulinie gegen die Krimtataren, wie Orjol (1566) und das heutige Woronesch (1586). Weiter östlich, an der Wolga entstanden in dieser Zeit weitere StĂ€dte wie Samara (1586), Zarizyn (1589) und Saratow (1590). In Sibirien entstanden nach dessen Eroberung zahlreiche Kosakenforts, sogenannte Ostrogs. Aus ihnen wuchsen spĂ€ter StĂ€dte wie Tobolsk, Irkutsk, Bratsk, Tomsk und Jakutsk heran. StĂ€dte im Ural- und Altai-Gebirge wie Perm (1723), Jekaterinburg (1723) oder Barnaul (1730) entstanden in der Epoche Peters des Großen im Zusammenhang mit den dort vorhandenen Erzen und kostbaren Mineralen. Mit dem Niedergang der Krimtataren und dem weiteren Vorstoßen Russlands in den Kaukasus entstanden im 18. Jahrhundert neue Festungen und StĂ€dte. 1784 wurden Stawropol und Wladikawkas gegrĂŒndet, 1793 Krasnodar, 1805 Nowotscherkassk, 1818 Grosny, 1844 Port Petrowsk. Die Innenstadt von Jekaterinburg Stadtzentrum und das „Goldene Horn“ (Solotoi Rog), die Hafenbucht von Wladiwostok an der PazifikkĂŒsteTrotz der GrĂŒndungen behielten große TeilrĂ€ume ihren lĂ€ndlichen Charakter. Der Bauer gehörte einem Mir (Bauerngemeinde) an. StĂ€dte stellten außerhalb der Agglomerationen isolierte Erscheinungen dar und bildeten ein nur weitmaschiges Netz. Bis 1712 fungierte Moskau als Hauptstadt und wurde dann nach dem Willen Peters I. vom 1703 neugegrĂŒndeten Sankt Petersburg abgelöst, um 1918 wieder offiziell den Status der Hauptstadt anzunehmen. Im 19. Jahrhundert war sogar hĂ€ufig von den beiden HauptstĂ€dten die Rede. Die Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts brachte in allen Landesteilen einen bedeutenden Impuls fĂŒr die nachfolgende Urbanisierung. Sie fĂŒhrte zur Entstehung zahlreicher neuer StĂ€dte und zum raschen Wachstum alter StĂ€dte. Viele russische StĂ€dte entstanden als Folge einer administrativen Umstrukturierung mehrerer benachbarter Dorfsiedlungen zu einer Stadtsiedlung. NeugrĂŒndungen von StĂ€dten und Stadterhebungen sind bis heute ein Charakteristikum der russischen Urbanisierung.Mehr als die HĂ€lfte aller russischen StĂ€dte sind erst in den letzten 90 Jahren, besonders in den 1960ern gegrĂŒndet worden. Deshalb gibt es unter den 160 russischen GroßstĂ€dten, in denen die HĂ€lfte der russischen Bevölkerung lebt, viele neue StĂ€dte (etwa ein Viertel). Die russischen GroßstĂ€dte sind in erster Linie Industrie- und Verwaltungszentren, besitzen aber auch andere hochrangige Funktionen. Beispiele neuer GroßstĂ€dte sind Magnitogorsk, Nowokusnezk oder Bratsk, zu den gewachsenen zĂ€hlen unter anderem Samara und Tambow.Zu Zeiten der Sowjetunion wurde die stĂ€dtische Entwicklung zentral geplant und gesteuert. Es herrschte der Typus der Sozialistischen Stadt vor. Dazu zĂ€hlt beispielsweise die Herausbildung neuer Stadttypen, etwa der HauptstĂ€dte kleiner nationaler Republiken (u. a. Tscheboksary, Naltschik) oder der WissenschaftsstĂ€dte (z. B. Dubna). Die in der Sowjetzeit betriebene massive VerstĂ€dterungspolitik fĂŒhrte dazu, dass heute 73 Prozent der Bevölkerung in stĂ€dtischen Siedlungen leben. Aus den politischen und wirtschaftlichen UmbrĂŒchen in Russland der 1990er Jahre gingen die StĂ€dte als eigenstĂ€ndige und selbstverantwortliche kommunale Einheiten hervor. Dazu erhielten sie lokale und regionale Steuerungsinstanzen. Mit den neuen Staatsgrenzen brachen aber auch stark arbeitsteilig organisierte, spezialisierte Produktions- und DistributionsablĂ€ufe zusammen. Viele StĂ€dte waren plötzlich von den bisherigen Netzwerken abgeschnitten. Ehemals zentral gelegene StĂ€dte stellten plötzlich GrenzstĂ€dte dar und waren geopolitisch peripher gelegen. Dadurch verĂ€nderten sich grundlegend die funktionale Struktur und die wirtschaftliche Entwicklungsbasis der russischen StĂ€dte und fĂŒhrte zu Verschiebungen im StĂ€dtesystem Russlands, mit Auf- und Absteigern. Zu den Gewinnern der Transformation gehören bisher vor allem die Metropolen, allen voran Moskau. Weil Kapital zur Gewinnung und zum Transport von Rohstoffen unter extremen Bedingungen fehlte, gerieten viele BergbaustĂ€dte des Nordens in eine Überlebenskrise.Die zehn grĂ¶ĂŸten StĂ€dte Russlands (ehemalige Namen aus sowjetischer Zeit in Klammern):# Moskau – Zentralrussland (11,50 Mio. Einwohner)# Sankt Petersburg (Leningrad) – Nordwestrussland (4,87 Mio. Einwohner)# Nowosibirsk – Sibirien (1,47 Mio. Einwohner)# Jekaterinburg (Swerdlowsk) – Ural (1,35 Mio. Einwohner)# Nischni Nowgorod (Gorki) – Wolga (1,25 Mio. Einwohner)# Samara (Kuibyschew) – Wolga (1,16 Mio. Einwohner)# Omsk – Sibirien (1,15 Mio. Einwohner)# Kasan – Wolga (1,14 Mio. Einwohner)# Tscheljabinsk – Ural (1,13 Mio. Einwohner)# Rostow am Don – SĂŒdrussland (1,09 Mio. Einwohner)FĂŒr weitere StĂ€dte siehe Liste der StĂ€dte in Russland.

Völker und Sprachen

Russische Kinder in Nordrussland, 1909Streng genommen wĂŒrde Rossijskaja Federazija wörtlich ĂŒbersetzt „RusslĂ€ndische Föderation“ (von Rossija „Russland“ und nicht „Russische Föderation“ heißen. Man hat bewusst nicht Russkaja Federazija („Russische Föderation“) als Staatsbezeichnung gewĂ€hlt, um auch die nichtrussischen NationalitĂ€ten mit einzubeziehen. Ist von dem russischen Volk oder der russischsprachigen Kultur die Rede, spricht man daher im Russischen von (russisch). Ist dagegen von Russland als Staat die Rede, verwendet man das Adjektiv ( russlĂ€ndisch). Trotzdem wird im Deutschen in beiden FĂ€llen zumeist das Adjektiv „russisch“ verwendet. Der Gebrauch des Wortes „russlĂ€ndisch“ beschrĂ€nkt sich weitgehend auf Fachpublikationen. Auch die amtliche Übersetzung der Staatsverfassung verwendet diese Variante.Die Russische Föderation begreift sich auch heute noch als Vielvölkerstaat. Die grĂ¶ĂŸte Gruppe sind die Russen, die mit 79,8 Prozent die Mehrheit der Bevölkerung stellen, doch leben nahezu 100 weitere Völker auf dem Gebiet des Landes. Trotz der HeterogenitĂ€t ist die russische Bevölkerung in allen stĂ€dtischen und industriell geprĂ€gten RĂ€umen landesweit dominant und die Titularnationen bilden auch in ihren „eigenen“ Territorien hĂ€ufig die Minderheit.Vgl. auch: Russland unter Putin, in: Der BĂŒrger im Staat, 51. Jahrgang, Heft 2/3, 2001, hrsg. von der Landeszentrale fĂŒr politische Bildung Baden-WĂŒrttemberg, S. 114. So zĂ€hlen nur 23 Völker bzw. Titularnationen mehr als 400.000 Personen. Der Grad der ethnischen Identifikation variiert.GrĂ¶ĂŸere Minderheiten sind die Tataren (4,0 Prozent), die Ukrainer (2,2 Prozent), die Armenier (1,9 Prozent), die Tschuwaschen (1,5 Prozent), die Baschkiren (1,4 Prozent), die Deutschen (0,8 Prozent) und andere. Zu den kleineren Minderheiten zĂ€hlen beispielsweise die Mescheten und verschiedene Minderheiten jĂŒdischen Glaubens. Die nichtrussischen Minderheiten sprechen ĂŒberwiegend Sprachen aus dem Kreis der Turksprachen, kaukasische Sprachen, uralische Sprachen ( samojedische Sprachen), altaische oder palĂ€osibirische Sprachen. FĂŒr viele nichtrussische Völker wurden Republiken mit weitgehender Autonomie errichtet. WĂ€hrend manche Minderheiten, wie etwa Armenier, Koreaner und Deutsche, auf die verschiedensten Regionen Russlands verteilt sind, gibt es auch auf europĂ€ischem Boden, also zwischen dem traditionellen russischen Siedlungsgebiet und dem Ural, mehrere indigene Völker. Groß ist die Zahl der NationalitĂ€ten im Kaukasusgebiet, das erst im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts zu Russland kam. Russisch ist die einzige ĂŒberall geltende Amtssprache, parallel dazu wird in den einzelnen autonomen Republiken jedoch hĂ€ufig die jeweilige Volkssprache als zweite Amtssprache verwendet. Die Verwendung dieser Sprachen wird im Unterricht, in den Massenmedien und in der Kulturpolitik gefördert. Die Regierungen und Parlamente der Republiken betrachten dies als unabdingbare Voraussetzung, um ein Aussterben von Volksgruppen zu verhindern. Allerdings nimmt die Beherrschung der indigenen Muttersprache unter den betroffenen Volksgruppen ab.Das kyrillische Alphabet ist die mit der Ausnahme Tatarstans einzige offizielle Schrift, und es besteht die Richtlinie, dass alle jeweiligen Sprachen kyrillisch zu schreiben sind. Tatarisch wurde als einzige Ausnahme ab 2001 gegen den Widerstand der in Tatarstan ansĂ€ssigen russischsprachigen Bevölkerung ausschließlich in lateinischer Schrift geschrieben. Diese Praxis verbot das russische Verfassungsgericht jedoch im November 2004 mit der BegrĂŒndung, dass fĂŒr die Einigkeit Russlands eine einheitliche Schrift notwendig sei.
Russland-Aktuell: Tataren mĂŒssen Kyrillisch schreiben, 16. November 2004.


Religionen

Nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem damit verbundenen Verschwinden der atheistischen Staatsideologie des Marxismus-Leninismus fand eine RĂŒckbesinnung auf religiöse Werte statt. Die in Russland am weitesten verbreiteten Religionen sind das Christentum – vor allem der russisch-orthodoxe Glaube – sowie der Islam (→  Islam in Russland). Vertreten sind darĂŒber hinaus zahlreiche andere Konfessionen wie der römisch-katholische Glauben, der Protestantismus, das Judentum, der Buddhismus sowie traditionelle Glaubensrichtungen einiger Volksgruppen. Etwa ein Drittel der Bevölkerung bezeichnet sich als Atheisten oder Konfessionslose.Laut Fischer Weltalmanachsind 50 von 143,8 bzw. 142,1 Millionen konfessionslos (ebenso die Ausgaben 2008, 2009 und 2010), das sind etwa 35 Prozent. Der Spiegel Almanach von 2002 (S. 328) gab 33 Prozent Atheisten an. Der zusammen mit der Encyclopaedia Britannia herausgebrachte Time Almanac 2010 (S. 404 f.) unterschied zwischen 25,8 Prozent Religionslosen und 5 Prozent Atheisten.Was die Zugehörigkeit zu einzelnen Religionsgruppen angeht, gibt es keine zuverlĂ€ssigen Zahlen, da die Mitglieder von Kirchen und Gemeinden in Russland nicht registriert werden und keine Kirchensteuer erhoben wird. Umfragen weichen oft erheblich voneinander ab. So hat die Stiftung fĂŒr öffentliche Meinung (FOM) 2012 nur noch 41 Prozent Orthodoxe festgestellt, gegenĂŒber 13 Prozent Atheisten und nur 6,5 Prozent Muslimen. Weitere 25 Prozent aber bezeichneten sich als Agnostiker bzw. gaben an, an eine höhere gottĂ€hnliche Macht zu glauben.RIA Novosti:
Studie: Immer weniger Orthodoxe in Russland, 19. Dezember 2012.
Das Gesamtrussische Zentrum fĂŒr Meinungsforschung (VCIOM) ging hingegen 2010 von 75 Prozent Orthodoxen und nur 8 Prozent Atheisten aus, seine Zahlen werden auch von der Russischen Botschaft in Deutschland zitiert.Botschaft der Russischen Föderation:
Religion
.
Abweichend von den genannten Umfragen wird der Anteil der Orthodoxen meist zwischen 51dtv/ Spiegel-Jahrbuch 2005, S. 466 f. gab zwischen 40 und 50 % an.Time Almanac 2010 und 72Im Gegensatz zu frĂŒheren Ausgaben gibt der Fischer Weltalmanach die Zahl der Orthodoxen 2011 und 2012 mit 70 % an.Eidgenössisches Department fĂŒr auswĂ€rtige Angelegenheiten:
Eckdaten Russische Föderation
International Religious Freedom Report:
Russia (2011)
Prozent angegeben, die der anderen Christen mit zusammen kaum 2 Prozent, die der Buddhisten mit knapp 1 Prozent und die der Juden mit etwa 0,35 Prozent. RUFO:
Russlands grĂ¶ĂŸter Reichtum sind seine Menschen, 27. April 2007.
Der Fischer Weltalmanach und der Religious Freedom Report des US-Außenministeriums geben 14 Prozent Muslime an. Fischer Weltalmanach 2008 (S. 394 u. 617) bis 2012 (S. 399)Das CIA World Factbook ging 2006 von folgenden groben SchĂ€tzungen fĂŒr praktizierende GlĂ€ubige aus, also von solchen, die ihren Glauben aktiv ausĂŒben: 15 bis 20 Prozent Russisch-Orthodoxe, 10 bis 15 Prozent Muslime, 2 Prozent andere christliche Konfessionen.

Russisch-Orthodoxe Kirche
In den oft prĂ€chtig ausgestatteten orthodoxen Kirchen finden meist tĂ€glich Gottesdienste statt. Die Liturgie hat bei einer orthodoxen Messe eine wesentlich grĂ¶ĂŸere Bedeutung als etwa in einem protestantischen Gottesdienst.Der russisch-orthodoxe Glaube reicht beinahe so weit zurĂŒck wie die Geschichte des Russischen Staatstums selbst. Bereits im 10. Jahrhundert wurde die ansĂ€ssige Bevölkerung der Ostslawen zum griechisch-orthodoxen Glauben bekehrt. Die engen Kontakte zu dieser Glaubensrichtung resultierten aus dem hauptsĂ€chlich auf Konstantinopel ausgerichteten Handel und den damit engen Kontakten mit Byzanz. Die FĂŒrstin Olga (893–924) ließ sich als erste Herrscherin aus der rurikidischen Dynastie taufen, konnte den christlichen Glauben im Reich aber nicht durchsetzten. Erst unter ihrem Enkel, Wladimir dem Heiligen, wurde das Christentum 988/989 zur Staatsreligion erhoben und die Kiewer Bevölkerung in Massentaufen bekehrt. In 35 Jahren, bis 1015, war das gesamte, bis dahin heidnische Russland bekehrt. Die Annahme des byzantinischen Christentums verschloss Russland zugleich eine kulturelle Beziehung zum römischen Christentum. Denn Byzanz betrieb zu dieser Zeit seine Kirchenpolitik im bewussten Gegensatz zu Rom und vermittelte den Ostslawen bei ihrer Bekehrung antirömische Tendenzen.Vgl. Antonia von Reiche: Der Weg des russischen Zarentums zur Anerkennung in der Zeit von 1547 bis 1722: Eine völkerrechtlich-historische Studie, 2001, S. 17. Die Kirche Kiews wurde als Teilkirche des Patriarchates von Konstantinopel zunĂ€chst von Exarchen verwaltet, was keine Auswirkungen auf die politische SelbstĂ€ndigkeit der Kiewer GroßfĂŒrsten hatte. Die Orthodoxe Kirche und ihre Werte bildete zukĂŒnftig eine tragende gesellschaftliche SĂ€ule des russischen Reiches.Nach der Vernichtung der Kiewer Rus durch die Mongolen ĂŒbersiedelte der Kiewer Metropolit im 14. Jahrhundert zunĂ€chst nach Wladimir, dann 1328 nach Moskau. Im 15. Jahrhundert löste sich die Russisch-Orthodoxe Kirche endgĂŒltig vom griechisch-orthodoxen Patriarchat in Konstantinopel, nachdem sich dieses infolge des politischen Niedergangs von Byzanz zu ZugestĂ€ndnissen an den Papst bereit erklĂ€rte. Die Konzeption von Moskau als Drittem Rom, das als einziges den „wahren christlichen Glauben“ aufrecht erhalte, war geboren. 1589 wurde ein eigenes Patriarchat gegrĂŒndet. Peter I. hob dieses auf und setzte 1721 stattdessen den Heiligen Synod an die Spitze der Kirche, erst 1917 stellten die Sowjets das Patriarchat wieder her.Im Russland vor 1917 gab es strenge Vorschriften fĂŒr die AnhĂ€nger der Russisch-Orthodoxen Kirche. Sie durften beispielsweise nicht zu einer anderen Konfession, auch wenn sie christlich war, ĂŒbertreten und durften keine „Nichtchristen“ heiraten. Dieser Kirche war es als einziger Religion erlaubt, zu missionieren. Erst mit der Revolution von 1905 wurden die Gesetze gelockert. Nach der HerrschaftsĂŒbernahme der Kommunisten wurden hauptsĂ€chlich Mitglieder dieser Kirche unterdrĂŒckt, da sie als Symbol der Autokratie galt. Zwischen 1918 und 1939 wurden ca. 40.000 orthodoxe Geistliche hingerichtet. WĂ€hrend es 1917 noch 77.800 Gemeinden gab, wurden 1941 nur noch etwa 3100 gezĂ€hlt.Heute erlebt die Russisch-Orthodoxe Kirche eine Wiederbelebung, insbesondere in lĂ€ndlichen Gebieten. Viele Klöster wurden gegrĂŒndet oder wiedererrichtet. Die Kirche zĂ€hlt gegenwĂ€rtig etwa 100 Millionen Mitglieder, von denen jedoch nur fĂŒnf bis zehn Prozent regelmĂ€ĂŸige Gottesdienstbesucher sind. Religionsunterricht an Schulen wurde 2006 wieder eingefĂŒhrt. Die Russisch-Orthodoxe Kirche sieht sich als Vertreter der Interessen des Volkes ohne im Gegensatz zur Regierung zu stehen. Der Staat selbst hingegen sieht die Kirche als Garant fĂŒr den Zusammenhalt der Gesellschaft. Die Mehrheit der Bevölkerung vertraut der Kirche und sieht in ihr eine Institution, die Werte vermittelt und den inneren Zusammenhalt in der Gesellschaft stĂ€rkt.
Russlandanalysen 165 (PDF; 370 kB), abgerufen am 31. MĂ€rz 2012.
Eine Kreuzprozession der AltglĂ€ubigen-Gemeinde in der [[Oblast Moskau]]Daneben haben sich im Verlauf der Geschichte Abspaltungen vom orthodoxen Glauben vollzogen. Die Ă€lteste Abspaltung sind die Altorthodoxen oder AltglĂ€ubigen. Weitere aus der Orthodoxie hervorgegangene Glaubensrichtungen sind die Molokanen. Aus ihnen gingen wiederum die Duchoborzen hervor. Beide Religionsgemeinschaften lehnen Reichtum ab, versuchen ein Leben in Bescheidenheit zu fĂŒhren und suchen nach einer wahrhaft biblischen Gemeinschaft. Von einigen Leibeigenen wurde die Gemeinschaft der Subbotniki gegrĂŒndet. Diese berufen sich in erster Linie auf das Alte Testament. Viele dieser Sekten oder Gruppierungen waren im Zarenreich willkĂŒrlichen Verfolgungen ausgesetzt.

Andere christliche Konfessionen
In Russland gibt es neben der russisch-orthodoxen Ausrichtung weitere christliche Konfessionen:
* Die Römisch-katholische Kirche in Russland war durch die byzantinischen EinflĂŒsse unbeliebt. So dauerte es bis 1705, bis Peter I. erstmals den Bau einer römisch-katholischen Kirche erlaubte. Die Katholiken waren sehr strengen staatlichen Kontrollen unterstellt. KĂŒmmerten sich die Bolschewiki in erster Linie nach der Oktoberrevolution um die Kontrolle der orthodoxen Kirche, wurden die Katholiken spĂ€ter wieder stĂ€rker beobachtet. Bis 1930 waren alle Strukturen der Kirche aufgelöst. Nach 1945 gab es im russischen Teil der Sowjetunion nur 20 Gemeinden, denen es allerdings untersagt war, Verbindungen untereinander aufzubauen. Heute existieren ungefĂ€hr 200 katholische Gemeinden mit etwa 400.000–800.000 Mitgliedern in Russland. Die Kathedrale der Unbefleckten EmpfĂ€ngnis (Moskau) wurde restauriert und wieder ihrer Bestimmung zugefĂŒhrt. Seit 2010 gibt es wieder einen Apostolischen Nuntius in Moskau.
* Die evangelische Kirche in Russland war frĂŒher fast nur unter den Russlanddeutschen und in ihren Kolonien verbreitet. Erst nach der Revolution von 1905 wurden auch fĂŒr Russen und Ukrainer andere Konfessionen legalisiert. Jedoch gab es auch durch die russlanddeutschen Adventisten und Baptisten erfolgreiche Missionierungsversuche unter der einheimischen Bevölkerung vor der Lockerung der Religionsgesetze. Der Protestantismus erlebte in den 1920er Jahren trotz des Atheismus der Regierung der Sowjetunion eine BlĂŒtezeit (insbesondere die Baptisten, Siebenten-Tags-Adventisten und die Pfingstler). Jedoch wurden die Baptisten, Evangeliumschristen und die Pfingstler zu zentralistischen Ordnungen gezwungen, um sie besser kontrollieren zu können. Mit den Siebenten-Tags-Adventisten und den Mennoniten geschah dasselbe im Jahr 1963. In der Zeit des Stalinismus wurden viele evangelische Christen aller Strömungen hingerichtet und verfolgt.
* Wie den meisten Konfessionen war es auch der Neuapostolischen Kirche (NAK) unmöglich vor dem Fall der Berliner Mauer (1989) und des eisernen Vorhangs in Russland zu missionieren. Seitdem wÀchst die Zahl der neuapostolischen Christen in Russland stetig. WÀhrend es um die Jahrtausendwende 23.500 waren, zÀhlt die Neuapostolische Kirche heute beinahe 40.000 GlÀubige. Auch ist sie seit Beginn der 1990er Jahre staatlich anerkannt.
NAK-Mitteldeutschland; Mission

NAK-Berlin-Brandenburg; Auslandsgemeinden

* Derzeit gibt es etwa 150.000 aktive Zeugen Jehovas in Russland. Erste AktivitĂ€ten der Gemeinschaft sind fĂŒr das spĂ€te 19. Jahrhundert nachgewiesen. In der Sowjetunion, insbesondere der Stalinzeit, wurde die Glaubensgemeinschaft verfolgt. Vom Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bis 1965 wurden viele Zeugen Jehovas inhaftiert und nach Sibirien deportiert. Danach entspannte sich die Situation fĂŒr die GlĂ€ubigen. Im MĂ€rz 1991 erfolgte die gesetzliche Anerkennung.

Islam, Judentum, Buddhismus und Schamanismus
Verbreitung des Islam in RusslandDer Islam in Russland ist im Nordkaukasus schon seit dem 7. Jahrhundert verbreitet und damit auf dem heutigen russischen Staatsgebiet Ă€lter als die erste russische StaatsgrĂŒndung und die Christianisierung des Landes. Im Jahr 922 traten auch die Wolgabulgaren zum Islam ĂŒber und gaben ihn im 13. Jahrhundert an die Tataren weiter. Die einheimischen Völker des Kaukasus und die Turkvölker sind zumeist sunnitische GlĂ€ubige. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts waren im Russischen Reich 11,1 Prozent der Gesamtbevölkerung muslimischer Herkunft. Im heutigen Russland ist der Anteil der Muslime mit rund 14 Prozent etwa ebenso groß wie er einst in der Sowjetunion war. Seit 1990 existiert in Russland eine islamische Partei, die sich „Wiedergeburt“ nennt. Sie gibt es auch in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Seitdem sind zahlreiche weitere Organisationen und Abspaltungen entstanden. Zentren des Islam in Russland sind heute neben Kasan und Moskau auch Ufa und Dagestan.Die Geschichte der Juden in Russland lĂ€sst sich seit dem 4. Jahrhundert nachweisen, als Juden aus Armenien und von der Krim sich auch in Tmutarakan niederließen. Im spĂ€ten 8. oder frĂŒhen 9. Jahrhundert konvertierte ein Großteil der Chasaren zum Judentum. Nach der Vernichtung des Chasaren-Reiches durch Swjatoslaw I. (969) beschrĂ€nkte sich das Judentum im Wesentlichen auf Kiew, die Krim und den Kaukasus. Im GroßfĂŒrstentum Moskau wurden Juden 1471 das erste Mal erwĂ€hnt. Bis zur Zeit Iwan des Schrecklichen (1533–84) wurden Juden bis auf einige gegen sie gerichtete Gesetze toleriert. Ab 1721 wurden sie aus dem Russischen Kaiserreich ausgewiesen, bis dies durch die Eingliederung der östlichen Teile Polens (1793 und 1795) unmöglich wurde. Die Juden mussten jedoch weiterhin innerhalb des Ansiedlungsrayons leben, die sich auf dem heutigen Gebiet der Ukraine, Weißrusslands und des Baltikums befand. Synagoge in [[Sankt Petersburg]]Im 19. Jahrhundert unterstĂŒtzten Beamte antisemitische Strömungen in der Bevölkerung. So kam es im sĂŒdlichen Russland 1881 zu vielen Pogromen, nachdem den Juden fĂ€lschlich der Anschlag auf Alexander II. unterstellt wurde. Die Gesetzgebung vertrieb die Juden selbst im Ansiedlungsrayon aus den lĂ€ndlichen Gebieten; mit Quoten begrenzte man die Anzahl der Juden, die zu höherer Bildung zugelassen wurden, auf drei bis zehn Prozent. Zwischen 1880 und 1920 flohen mehr als zwei Millionen Juden aus Russland, besonders nach Amerika. 1903 brachen neue Pogrome aus, die sich in der Russischen Revolution nochmals verstĂ€rkten und zu zwischen 70.000 und 250.000 Opfern in der jĂŒdischen Zivilbevölkerung fĂŒhrten. WĂ€hrend des Stalinismus wurde die JĂŒdische Autonome Oblast in Russisch-Fernost gegrĂŒndet, wo sich allerdings nur wenige Juden ansiedelten, da dort bis in die 1920er Jahre kein Jude gelebt hatte. Im Vergleich zu den Jahrzehnten davor, gibt es heute nur noch wenige Juden, da viele von ihnen nach Deutschland oder nach Amerika, die meisten aber nach Israel ausgewandert sind. Heute gibt es in Russland 87 Synagogen, die meisten davon in Sankt Petersburg und in Moskau, darunter die Moskauer Gedenksynagoge. Fast alle in Russland lebenden Juden sind Aschkenasim, aber es gibt auch noch einige wenige Bergjuden und Bucharische Juden. Buddhismus in RusslandIn Russland ist auch die tibetische Form des Buddhismus verbreitet, wobei er sich ursprĂŒnglich auf die asiatischen Völker ( KalmĂŒcken, Tuwiner) beschrĂ€nkte. Ebenso wie Geistliche und AnhĂ€nger praktisch aller anderen Religionen wurden in der Sowjetunion wĂ€hrend der kommunistischen Herrschaft auch buddhistische Mönche verfolgt und unterdrĂŒckt. Seit der politischen Wende in Russland und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion verzeichnen die buddhistischen Gemeinschaften hingegen wieder Mitgliederzuwachs unter den Angehörigen der traditionell buddhistischen Völker, aber auch seitens der Russen und anderen NationalitĂ€ten.Der Schamanismus ist unter der indigenen Bevölkerung in Sibirien wieder weit verbreitet. In vielen Gebieten und autonomen Republiken werden die schamanistischen Feiertage von vielen Menschen begangen. Zwar sind heute die meisten Bewohner Sibiriens Christen, dennoch sehen sie es nicht als Widerspruch die Rituale ihrer Vorfahren zu praktizieren.

Gesellschaft und MentalitÀt

alt=„Verstehen kann man Russland nicht, und auch nicht messen mit Verstand. Es hat sein eigenes Gesicht. Nur glauben kann man an das Land.“
Bekannt gewordenes Bonmot von 1866 von Fjodor Iwanowitsch Tjuttschew, das den Nationalcharakter des russischen Volkes beschreibt.
Russland ist ein Vielvölkerstaat, in dem sich viele unterschiedliche MentalitĂ€ten treffen. Durch die Verschmelzung dieser Völker und Konfessionen und die EinflĂŒsse sowohl westlicher wie östlicher PrĂ€gungen entwickelten sich aber markante Eigenarten bzw. Stereotype, die in den Begriff der russischen Seele mĂŒndeten. Dieser Begriff hat bis heute eine sehr breite Rezeption erhalten; im westlichen Ausland diente der Begriff Russophilen und Kritikern der westlichen Lebensweise als Projektion zu der als gefĂŒhlskalt empfundenen eigenen Zivilisation.Thede Kahl, Elisabeth Vyslonzil, Alois Woldan: Herausforderung Osteuropa: Die Offenlegung stereotyper Bilder, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, MĂŒnchen 2004, S. 151. Die „russische Seele“ wird als ein Zustand der permanenten BipolaritĂ€t, also ein Hang zu extremen GegensĂ€tzen beschrieben, der sich durch die Aufnahme von extremen GegensĂ€tzen in die russische Volkskultur ergeben hat. Diese Extreme Ă€ußern sich z. B. in dem Streben nach dem absolut Äußersten, mit der Bereitschaft, sich entweder nach der einen oder plötzlich und ganz spontan in die entgegengesetzte Richtung zu wenden.Annette Baumgart, Bianca JĂ€necke: Rußlandknigge, 3. Aufl., Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2005, ISBN 3-486-57730-1, S. 66 ff. Weitere Eigenschaften und Stereotype, die dem Begriff der Russischen Seele zugeordnet werden, sind eine ausgeprĂ€gte Schicksalsergebenheit, der Hang zur Geduld, die Neigung zum Aberglauben, die FĂ€higkeit und die Bereitschaft Leid zu ertragen, oder auch eine sehr starke Heimatverbundenheit. Dazu kommt die bereits erwĂ€hnte Alles-oder-nichts-MentalitĂ€t, die keinen Kompromiss oder goldene Mitte kennt. Eine weitere bekannte Eigenschaft ist es GefĂŒhle, positive wie negative, offen und direkt zu zeigen, was AuslĂ€nder oft irritiert. Insgesamt spielen fĂŒr viele Russen GefĂŒhle eine grĂ¶ĂŸere Rolle als RationalitĂ€t, was bisweilen als Gegensatz zu eher individualistischen, rational handelnden und denkenden Westlern aufgefasst werden kann. Bestandteil des Begriffs der russischen Seele ist weiterhin ein starkes SolidaritĂ€ts- und GemeinschaftsgefĂŒhl.Die russische Gesellschaft ist traditionell kollektivistisch geprĂ€gt, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe sehr wichtig. Dieses Wertesystem stammt nicht erst aus den Zeiten des Kommunismus, sondern reicht weiter zurĂŒck in die Lebensweise der bĂ€uerlichen Dorfgemeinschaft, dem Mir. Da auch Grund und Boden lange Zeit Gemeingut waren, hat sich bei den Russen verinnerlicht, dass die Interessen des Einzelnen vor den Interessen der Gruppe zurĂŒckzustehen haben. Man definiert sich ĂŒber die Gemeinschaft und achtet auf die Stimmigkeit von eigenem Verhalten und eigener MeinungsĂ€ußerung mit denen des Kollektivs. So erklĂ€rt sich etwa, weshalb der Prozess gegen Michail Chodorkowski in Russland wesentlich weniger Aufsehen erregte, als in Europa.Die Familie ist fĂŒr viele Russen eine wichtige Bezugsgruppe, besonders auf dem Land lebt man in jeder Beziehung eng zusammen. Dort wohnen oft mehrere Generationen in einer Wohnung oder in einem Haus. Die traditionelle Familie unterstĂŒtzt sich finanziell und hilft einander bei der Kinderbetreuung und Seniorenpflege. Die Kollektivorientierung zeigt sich bisweilen auch heute noch im Berufsalltag. Das Kollegium wird als Gemeinschaft erlebt und es ist sehr wichtig, diese Gruppenorientierung zu stĂ€rken. Ein mit dieser Einstellung oft einhergehender Aspekt ist die Vetternwirtschaft ( Nepotismus), die bei der Stellen- oder Auftragsvergabe hĂ€ufig vorkommt.In den letzten zwanzig Jahren hat sich die gesellschaftliche Orientierung aber in Folge des wirtschaftlichen Umbruchs und der damit einhergehenden Reisefreiheit besonders in den bildungsnahen Schichten der großstĂ€dtischen Bevölkerung radikal von kollektivistischen zu individualistischen Einstellungen hin verĂ€ndert, was inzwischen ein massives innergesellschaftliches SpannungsverhĂ€ltnis zur Folge hat und zu einem zentralen Thema in zeitgenössischer Literatur und Filmschaffen geworden ist.

Geschichte

Russland erreichte im 19. Jahrhundert seine grĂ¶ĂŸte territoriale Ausdehnung.Russlands Geschichte erlebte seit ihrem Beginn im 9. Jahrhundert vielfĂ€ltige BrĂŒche. So ist die russische Geschichte eine Eigenentwicklung, die sich von der Entwicklung seiner Nachbarn in Europa deutlich unterscheidet. UrsĂ€chlich dafĂŒr ist ein stĂ€ndiges In- und Gegeneinanderspiel typisch russischer Merkmale aus sozialen Begebenheiten und geographischen EinflĂŒssen, die seine Geschichte auf weiten Strecken begleiteten. So gab die erdrĂ€umliche Lage Russland eine BrĂŒckenstellung zwischen Europa und Asien, die je nach KrĂ€ftelage die Aggression fremder MĂ€chte (grĂ¶ĂŸere EinfĂ€lle u. a. 1240, 1242, 1609, 1709, 1812, 1917, 1941) oder die eigene Expansion begĂŒnstigte. Dazu trug das Fehlen von natĂŒrlichen Grenzen bei, was Russland im Wechselspiel mit der Erfahrung fremder EinfĂ€lle dazu veranlasste, die Grenzen so weit auszudehnen, bis natĂŒrliche Grenzen einen wirksamen Schutz bilden konnten (vgl.  Russische Kolonisation).Vgl. Carsten Goehrke, Manfred Hellmann, Richard Lorenz, Peter Scheibert: Russland (Weltbild Weltgeschichte – Russland, Bd. 31). Weltbild-Verlag, Augsburg 1998, ISBN 3-89350-989-5, S. 10–12. Dieses starke, aus historischen EinfĂ€llen resultierende SicherheitsbedĂŒrfnis Russlands setzt sich bis heute fort.Die Spannung zwischen wirtschaftlichen Notwendigkeiten und der BewĂ€ltigung bzw. NichtbewĂ€ltigung durch die jeweils herrschenden Gruppen gehört ebenso zu den Konstanten der russischen Geschichte. Beispielhaft zu nennen sind die NichtbewĂ€ltigung der sozialen Unruhen im Zuge des Industriezeitalters mit ihren Höhepunkten in der Revolution 1905, der Februar- und der Oktoberrevolution 1917 oder die BewĂ€ltigung der wirtschaftlichen UmbrĂŒche im Zuge der Übernahme der Marktwirtschaft der 1990er Jahre.Die aus der byzantinischen Orthodoxie ĂŒbernommenen Denkweisen fĂŒhrten zu Spannungen mit modernistischen Tendenzen und begrĂŒndeten das markante SpannungsverhĂ€ltnis zwischen Beharrung und Fortschritt, das sich z. B. bei der Kirchenspaltung 1666/1667 oder den Petrinischen Reformen 1700–1720 deutlich zeigte. Aufgrund der fehlenden römischen Rechtstradition fehlte lange Zeit ein Widerstandsrecht gegen herrscherliche Übergriffe, so dass die Beziehung zwischen Staatsgewalt und der wirtschaftlichen und politischen Freiheit des Einzelnen belastet blieb. Dies zeigte sich besonders im 19. Jahrhundert, als liberale Ideen in Russland vermehrt AnhĂ€nger fanden und sich in mehreren Attentaten gegen den russischen Selbstherrscher Ă€ußerten (z. B. Dekabristenaufstand).Die bis zum Ende der Sowjetunion ausgeprĂ€gte Verbindung von genossenschaftlichen mit herrschaftlichen Elementen liegt ursprĂŒnglich in der orthodoxen Kirche begrĂŒndet, wo die Gemeinschaft der GlĂ€ubigen eine viel grĂ¶ĂŸere Rolle spielte als das Gott gegenĂŒber verantwortliche Individuum. An diese Vorstellungen des Kollektivs knĂŒpften im 19. und 20. Jahrhundert Marxisten und Sozialisten an und setzte diese in der Sowjetunion fort. Der Ausgleich zwischen zentralistischer und dezentraler Herrschaft war in der Geschichte Russlands ein konstantes Problem. Insbesondere in Übergangszeiten (z. B. zwischen 1240 und 1480, nach 1917 und nach 1994) nahmen zentrifugale Strömungen an den RĂ€ndern des Landes zu.

Altrussland, Mongolensturm und Aufstieg Moskaus

Dmitri Donskoi und der in der [[Schlacht auf dem Schnepfenfeld besiegte Emir der Goldenen Horde Mamai – Szene des Nationaldenkmals Tausend Jahre Russland (1862)]]Der alte ostslawische Name fĂŒr das Gebiet des von Slawen bewohnten Teils des europĂ€ischen Russlands, Weißrusslands und der Ukraine war Rus (siehe Kiewer Rus), auf Griechisch Rossia. Auf diese Form geht der heutige russische Landesname Rossija zurĂŒck. Die frĂŒheste Geschichte des europĂ€ischen Russlands (zur Geschichte des asiatischen Teils siehe Geschichte Sibiriens) ist im Norden geprĂ€gt von finno-ugrischen Völkern und Balten, im SĂŒden von den indogermanischen Steppenvölkern des Kurganvolks, der Kimmerer, Skythen, Sarmaten und Alanen; spĂ€ter kamen hier noch Griechen, Goten, Hunnen und Awaren hinzu. In die Mitte, zwischen Dnepr und Bug, kamen die slawischen Völker, die sich ab dem 6. Jahrhundert auch nach Norden und Osten auszudehnen begannen.Ab dem 8. Jahrhundert befuhren skandinavische Wikinger die osteuropĂ€ischen FlĂŒsse und vermischten sich spĂ€ter mit der slawischen Mehrheitsbevölkerung. Diese auch WarĂ€ger oder Rus genannten Kriegerkaufleute waren maßgeblich an der GrĂŒndung des ersten ostslawischen Staates, der Kiewer Rus mit Zentren in Kiew und Nowgorod, beteiligt. Im sĂŒdlichen Steppengebiet und an der Wolga waren hingegen Reiche der aus Asien eingeströmten Turkvölker der Chasaren und Wolgabulgaren entstanden, mit denen die Rus Handel trieben, aber auch Kriege fĂŒhrten. Intensive Kontakte mit dem Byzantinischen Reich fĂŒhrten schließlich 988 zur orthodoxen Christianisierung der Kiewer Rus.Aufgrund des ungĂŒnstigen Senioratsprinzips bei der Regelung der Erbfolge begann die Kiewer Rus im 12. Jahrhundert zu zerfallen, was es den ab 1223 einfallenden Mongolen erleichterte, die zerstrittenen russischen FĂŒrstentĂŒmer zu unterwerfen. Mit der Aufrichtung der Mongolenherrschaft tritt Osteuropa von 1240 bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts in eine Übergangsphase ein, die als „dunkles“ Zeitalter bezeichnet wird.Carsten Goehrke u. a.: Russland, S. 76. Die russische Nationalhistoriographie bewertet diese Zeit negativ. Die mongolische Fremdherrschaft fĂŒhrte demnach fĂŒr zwei Jahrhunderte zu einem Abbruch der Beziehungen zum Westen und förderte die Abkapselung des orthodoxen Russlands.Hans-Joachim Torke: EinfĂŒhrung in die Geschichte Russlands, C.H. Beck, MĂŒnchen, S. 47. Diese Abkapselung verursachte in den Folgejahrhunderten eine Phasenverschiebung im Vergleich zur westeuropĂ€ischen Entwicklung. Die russischen FĂŒrstentĂŒmer lagen im Machtbereich der Goldenen Horde, konnten jedoch eine gewisse innere Autonomie bewahren. Derweil mussten die russischen FĂŒrstentĂŒmer im Norden und Westen Angriffe von Schweden, Ordensrittern und Litauern abwehren. Unter den zersplitterten und verfeindeten russischen FĂŒrstentĂŒmern erwies sich das kleine und unbedeutende FĂŒrstentum Moskau als das durchsetzungsstĂ€rkste. Unter Dmitri Donskoi, der verschiedene russische FĂŒrstentĂŒmer einen konnte, wurde im Jahre 1380 ein wichtiger Sieg ĂŒber die Goldene Horde in der Schlacht auf dem Schnepfenfeld erzielt.Der Moskauer GroßfĂŒrst Iwan der Große löste die Mongolenherrschaft und wurde de facto zum BegrĂŒnder eines zentralisierten russischen Staates, indem er Schritt fĂŒr Schritt die umliegenden russischen LĂ€nder „einsammelte“, darunter die Republik Nowgorod. Sein Titel „Herrscher der ganzen Rus“ drĂŒckte auch den Anspruch auf den vom GroßfĂŒrstentum Litauen im 14. Jahrhundert beherrschten westlichen Teil der Rus aus. Dies fĂŒhrte zu langanhaltenden Kriegen im 16. und 17. Jahrhundert mit Polen und Litauen (vgl. Russisch-Litauische Kriege). Unter Iwan dem Großen wurde die russische Gesetzgebung reformiert und der Großteil des heutigen Moskauer Kremls erbaut. Sein Enkel Iwan IV. ließ sich 1547 zum ersten Zaren krönen. Unter der Herrschaft Iwans IV. begann nach der Einnahme der Tatarenhauptstadt Kasan auch die Eroberung Sibiriens, die russische Kosaken erstmals im 17. Jahrhundert bis an den Pazifik brachte.

Öffnung Russlands unter Peter dem Großen und Aufstieg zur Weltmacht

Peter I., der Große, BegrĂŒnder des erneuerten Russischen Kaiserreichs]]An der Wende zum 18. Jahrhundert öffnete Zar Peter der Große das in den alten Strukturen erstarrte Zarentum Russland westeuropĂ€ischen EinflĂŒssen und förderte Wissenschaft und Kultur. 1703 grĂŒndet er die Stadt Sankt Petersburg, die – seit 1712 als neue Hauptstadt – das Symbol fĂŒr den russischen Fortschritt werden sollte. Mit dem Sieg gegen Schweden im ĂŒber 20 Jahre wĂ€hrenden Großen Nordischen Krieg erlangte Russland nach mehr als 150 Jahren der Auseinandersetzung mit Schweden die Vormachtstellung im Ostseeraum (vgl. Nordische Kriege). Russland ĂŒbernahm die Position Schwedens als nordische Großmacht in Europa. Zur Unterstreichung des neuen Status im diplomatischen RanggefĂŒge Europas ließ Zar Peter das Russische Zarentum in „Russisches Kaiserreich“ umbenennen und Ă€nderte den Monarchentitel offiziell von „Zar“ in „Kaiser“ (, Imperator). Katharina die Große ging Peters Weg weiter und betrieb Expansionspolitik. Sie eroberte das Krimkhanat ( Neurussland) und beteiligte sich an den drei Teilungen Polens. 1812 fielen Napoleons Truppen in Russland ein und eroberten Moskau, wurden schließlich jedoch vernichtend geschlagen. Bald darauf zog Alexander I. als „Retter Europas“ in Paris ein. Nach der Niederlage Napoleons erreichte Russland die Vorherrschaft auf dem europĂ€ischen Festland, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts andauerte. Aufgrund der festgefahrenen gesellschaftlichen Strukturen wie der Autokratie und der Leibeigenschaft konnte das agrarisch geprĂ€gte Reich jedoch mit den sich rasant entwickelnden Industriestaaten immer weniger Schritt halten, bis schließlich der Krimkrieg die Diskrepanz offenlegte und eine Phase der inneren Reformen anschob. Die Reformen beschleunigten Russlands wirtschaftliche Entwicklung, doch das Land wurde immer wieder von inneren Unruhen destabilisiert, da die politischen VerĂ€nderungen nicht weitreichend genug waren und große Teile der Bevölkerung ausgeklammert wurden.In den großen StĂ€dten entstand um die Jahrhundertwende ein Industrieproletariat, aber sehr rasch auch eine bĂŒrgerliche Mittelschicht. Diese forderte ihren Anteil an der VerfĂŒgung ĂŒber die Staatseinnahmen und die Mitverantwortung fĂŒr die öffentlichen Angelegenheiten. Die Angehörigen der Mittelschicht besaßen aber kein gemeinsames politisches Bewusstsein. Sie verstanden unter politischer Freiheit kein moralisches Ziel, sondern meinten damit die Freiheit der materiellen Entfaltung und gerechte Besteuerung.Carsten Goehrke, Manfred Hellmann, Richard Lorenz, Peter Scheibert: Russland (Weltbild Weltgeschichte – Russland, Bd. 31). Weltbild-Verlag, Augsburg 1998, ISBN 3-89350-989-5, S. 246–248. So ließ sich die Mittelschicht auch nicht auf Dauer von den utopischen EntwĂŒrfen der Intelligenzija leiten. Eine Anpassung der Verfassungswirklichkeit des Staates, der die Mittelschicht nĂ€her eingebunden hĂ€tte, fand aber nicht statt. Stattdessen flammte der Terror wieder auf. Die Niederlage im Russisch-Japanischen Krieg fĂŒhrte letztlich zur Russischen Revolution von 1905. Allerdings war Zar Nikolaus II. nicht bereit, grundlegende Reformen einzuleiten. So ließ er ein weitgehend funktionsloses Parlament, die Duma, das er notgedrungen genehmigt hatte, nur kurze Zeit spĂ€ter wieder auflösen.

Russische Revolution und GrĂŒndung der Sowjetunion

Boris Kustodijew: Der Bolschewik (1920)]]Als im Jahre 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, erfasste Russland eine patriotische Welle. Die anfĂ€nglichen Erfolge, vor allem gegen Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich, wurden bald abgelöst von einem Stellungskrieg, bis 1917 die Moral der russischen Soldaten nachgab und die Front zusammenbrach. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung und die trostlose Versorgungslage fĂŒhrten in der Hauptstadt Petrograd zu Demonstrationen der Arbeiter und Bauern. Nach blutiger Niederschlagung der Demonstranten stĂŒrmten diese den Winterpalast und der Kaiser wurde zum Abdanken gezwungen. Eine Doppelregierung von provisorischer bĂŒrgerlicher Regierung und den Arbeiter sowjets kam an die Macht. Dieser republikanischen Herrschaft machte kurz darauf die von Lenin, Leo Trotzki und den Bolschewiki initiierte Oktoberrevolution ein Ende.Aus dem der Oktoberrevolution folgenden BĂŒrgerkrieg zwischen „Roten“ und „Weißen“ gingen die Kommunisten als Sieger hervor. Die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen, wie auch Finnland, errangen dagegen durch Abwehr der Roten Armee bzw. durch lĂ€ngere BĂŒrgerkriege ihre UnabhĂ€ngigkeit von Russland. Im Laufe des BĂŒrgerkriegs sowie des darauf folgenden polnisch-russischen Kriegs, verlor Russland 1920 Teile Weißrusslands und der Ukraine („ Ostpolen“) an Polen. 1921 wurde dann die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) ausgerufen, die den wichtigsten Teil der spĂ€teren Sowjetunion darstellte. Siegesparade auf dem Roten Platz 1945Am 30. Dezember 1922 wurde der Zusammenschluss der sowjetischen Sozialistischen Republiken zur Sowjetunion beschlossen und eine staatlich kontrollierte Wirtschaftspolitik ausgerufen. Die Sowjets wurden als EigentĂŒmer von Boden und Produktionsmitteln erklĂ€rt. Lenins Tod am 21. Januar 1924 fĂŒhrte zu einem erbitterten Nachfolgekampf, in dem sich Josef Stalin gegen Leo Trotzki durchsetzte. Stalin festigte seine Macht durch gezielten Terror. Seit 1928 wurde die staatliche Wirtschaft FĂŒnfjahresplĂ€nen unterworfen, die Industrialisierung und Infrastruktur, speziell im asiatischen Teil des Landes, vorangetrieben und die Landwirtschaft kollektiviert.Im August 1939 schloss die Sowjetunion einen Nichtangriffspakt mit Deutschland, wodurch Adolf Hitler den geplanten Angriffskrieg beginnen konnte. Im Winterkrieg ĂŒberfiel die Sowjetunion Finnland und gewann kleinere Teile des Landes. 1940 besetzte die Sowjetunion Litauen, Lettland und Estland, 1941 wurde sie selbst vom Deutschen Reich ĂŒberfallen (→  Deutsch-Sowjetischer Krieg). Dadurch trat die Sowjetunion seit dem 22. Juni 1941 an der Seite der Alliierten in den Krieg ein (in der Sowjetunion Großer VaterlĂ€ndischer Krieg genannt).In den ersten Kriegsmonaten verlor die Rote Armee Millionen von Soldaten, große Teile der westlichen Landesteile wurden verwĂŒstet. Sie konnte aber im Kriegsverlauf den deutschen Truppen schwere Niederlagen zufĂŒgen und eroberte im Mai 1945 die Reichshauptstadt Berlin. Nach dem Krieg, aus dem die Sowjetunion als Siegermacht hervorging, traten die Spannungen zwischen Stalin und den Alliierten zunehmend hervor. Im Laufe der Friedensverhandlungen sicherte sich die Sowjetunion großen Einfluss auf die angrenzenden LĂ€nder Polen, Tschechoslowakei, Ungarn und RumĂ€nien sowie auf Bulgarien und die DDR, zeitweise auch auf Albanien. In diesen LĂ€ndern blieben Hunderttausende sowjetische Soldaten stationiert. Der Kalte Krieg dominierte bis 1989 die Weltpolitik.Nach der „ Perestroika“, dem vom sowjetischen PrĂ€sidenten Michail Gorbatschow eingeleiteten Prozess zum Umbau des politischen und wirtschaftlichen Systems in der Sowjetunion 1987, und „ Glasnost“, der ebenfalls von Gorbatschow eingefĂŒhrten Politik einer grĂ¶ĂŸeren Transparenz und Offenheit der StaatsfĂŒhrung gegenĂŒber der Bevölkerung 1985, entwickelten sich UnabhĂ€ngigkeitsbestrebungen in den einzelnen Unionsrepubliken. Kurz vor der bevorstehenden Unterzeichnung eines neuen Unionsvertrages putschten konservative Kommunisten im Augustputsch in Moskau 1991 gegen Gorbatschow, um die Unterzeichnung des Unionsvertrages sowie weitere Reformen zu verhindern. Nach dem misslungenen Putschversuch beschlossen der russische PrĂ€sident Boris Jelzin und Vertreter der Sowjetrepubliken die Auflösung der UdSSR zum 31. Dezember 1991.

Russische Föderation seit 1992

Die Russische Föderation ĂŒbt seit 1992 als grĂ¶ĂŸte ehemalige Sowjetrepublik ( Russische SFSR) die völkerrechtlichen Rechte und Pflichten der UdSSR aus.Andreas Zimmermann: Staatennachfolge in völkerrechtliche VertrĂ€ge,
S. 91 ff.
Es folgten in den ersten Jahren innenpolitische Konflikte ĂŒber den weiteren Kurs. In der russischen Verfassungskrise 1993 löste Jelzin per Ukas den Volksdeputiertenkongress sowie den Obersten Sowjet Russlands auf, die sich seinen BemĂŒhungen widersetzt hatten, unpopulĂ€re neoliberale Reformen durchzusetzen. Jelzin ordnete eine gewaltsame StĂŒrmung des ParlamentsgebĂ€udes ( Weißes Haus) an, in dem sich etwa 100 Parlamentarier und weitere AnhĂ€nger verbarrikadiert hatten. Bei der gewaltsamen Niederschlagung eines weiteren Aufstandes gegen ihn am 3. und 4. Oktober gab es in Moskau 190 Tote. Im Dezember billigte die russische Bevölkerung per Volksabstimmung die neue Verfassung der Russischen Föderation ( Zweikammersystem, PrĂ€sidialverwaltung). Boris Jelzin und [[Bill Clinton 1995]]Unter Jelzin wurden in Russland mit UnterstĂŒtzung westlicher Berater Teile der Wirtschaft privatisiertJulia Smirnova:
Milliardenprozess lĂŒftet Geheimnisee der Oligarchen, Welt Online vom 31. August 2012, abgerufen am 1. September 2012.
und demokratische Reformen durchgefĂŒhrt. Beide verfehlten jedoch ihr Ziel und fĂŒhrten zum Zusammenbruch der Industrie, der hohen Inflation, der Verarmung breiter Bevölkerungsmassen und der Herausbildung einer dĂŒnnen Schicht von einflussreichen Superreichen, die auch Oligarchen genannt wurden. Bis 1998 rutschte das Land in die ZahlungsunfĂ€higkeit mit der Folge allgemeiner politischer Destabilisierung (vgl. Russlandkrise). Insbesondere in der Übergangszeit nahmen aufgrund des Erstarkens regionaler Autonomien nach dem Ende der stark zentralistischen Sowjetzeit zentrifugale Strömungen an den RĂ€ndern des Landes zu. So sah sich seit Mitte der 1990er Jahre die russische Regierung mit UnabhĂ€ngigkeitsbewegungen und MachtkĂ€mpfen in zahlreichen Teilrepubliken konfrontiert, insbesondere in Tschetschenien. Von FrĂŒhherbst 1999 bis Anfang 2000 brachten russische Truppen aber den Großteil Tschetscheniens wieder unter ihre Kontrolle (vgl. Zweiter Tschetschenienkrieg).Die chaotischen Jahre unter Jelzin sowie die weggebrochenen Wertevorstellungen und Lebensweisen durch den Zusammenbruch der Sowjetunion fĂŒhrten zu einer völligen Verunsicherung der Menschen, was sich auch in der rapiden Verschlechterung vieler demografischer und sozialer Kennzahlen (Geburtenzahlen, Sterberate, KriminalitĂ€t, Alkoholismus etc.) niederschlug. Den Tiefpunkt bildeten eine Reihe von Katastrophen und markanten Ereignissen um die Jahrtausendwende. Der Untergang der Kursk im August 2000, das als Stolz der russischen Nordflotte galt, der Brand des Moskauer Fernsehturms Ostankino, einem Wahrzeichen der Stadt, der erst nach mehreren Tagen gelöscht werden konnte und schließlich das Ende der Mir, die im MĂ€rz 2001 im Pazifik versenkt wurde und Russlands Traum von der Vorreiterrolle im Weltraum beendete, fĂŒhrten bei vielen Russen in dieser Zeit zu einem demĂŒtigenden GefĂŒhl von der Rolle einer Supermacht auf die eines Schwellenlands zurĂŒckgefallen zu sein.Katrin Liska: Reisegast in Russland, MĂŒnchen 2006, S. 90. In der Endphase von Jelzins Herrschaft bestand die russische Außenpolitik fast nur noch aus leeren Drohungen und Reaktionen. Dies betraf z. B. die NATO-Osterweiterung (entgegen frĂŒheren vertraglichen Vereinbarungen) und den Kosovokrieg. Wladimir Putin wĂ€hrend seiner Rede auf der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz 2007, in der er Kritik am amerikanischen Streben nach einer monopolaren Welt ĂŒbteDieser Niedergang endete mit der allmĂ€hlichen Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage des Landes nach dem Amtsantritt Wladimir Putins. Die hohen Rohstoffpreise (Öl, Gas, Stahl), Steuerreform und KapitalrĂŒckfluss förderten diese Entwicklung. Als Reaktion auf die Geiselnahme in Beslan durch tschetschenische Terroristen im September 2004 leitete Putin einen grundlegenden Umbau des Staatswesens ein, der Macht und Kontrolle in noch stĂ€rkerem Maß als bisher in den HĂ€nden des PrĂ€sidenten konzentrierte. Dieses Ziel, so Margareta Mommsen, sei jedoch in jeder Hinsicht unvereinbar mit Vorstellungen einer eigenstĂ€ndigen Rolle des Parlaments, von wechselnden parlamentarischen Mehrheiten sowie vom freien Wettbewerb politischer Parteien.Margareta Mommsen:
Verfassungsordnung versus politische RealitĂ€t, 14. Juni 2012, hrsg. von der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung. Abgerufen am 23. Juni 2013.
Selbst die höchsten politischen AmtstrĂ€ger verfĂŒgten ĂŒber kein klares VerfassungsverstĂ€ndnis; mit diesem Ansatz könne weder eine VerfassungslegitimitĂ€t noch eine Verfassungskultur entstehen. FĂŒr die innere Entwicklung einer Zivilgesellschaft und den Ausbau und die Festigung der Demokratie, die in der russischen Verfassung allerdings schon deklariert ist, wird es aber noch Zeit brauchen.M. Alexander, G. Stökl: Russische Geschichte. Von den AnfĂ€ngen bis zur Gegenwart. 7. Aufl., Stuttgart 2009, S. 820.

Staat und Politik

Dmitri Medwedew die Hand auf die Verfassung.]]Mit dem Untergang der Sowjetunion Ende 1991 kam die Chance fĂŒr demokratische und liberale Reformen. Diese wurden durch den kommunistisch dominierten Volksdeputiertenkongress blockiert. PrĂ€sidenten Boris Jelzin griff deswegen zu harten und verfassungswidrigen Mitteln und löste den Volkdeputiertenkongress im Herbst 1993 durch den Einsatz des MilitĂ€rs auf. Es wurde eine Verfassung geschaffen, die den PrĂ€sident weitgehend der Kontrolle von Volk und Parlament entzog. Die gĂŒltige Verfassung der Russischen Föderation wurde am 12. Dezember 1993 durch eine Volksabstimmung angenommen und trat am 25. Dezember 1993 in Kraft. Sie stellt einen Bruch mit der sowjetischen Vergangenheit dar. Im Mittelpunkt dieser Verfassung steht der Mensch: Menschenrechte und Freiheitsrechte wie Rede-, die Presse- und die Reisefreiheit sind die höchsten Werte.Die Bilanz der Ära Jelzin fĂ€llt gespalten aus: Zwar konnten in Russland demokratische und liberale Reformen eingefĂŒhrt werden. Doch wurden Liberalisierung und Privatisierung in einem derartigen Ausmaß betrieben, dass die Verbraucherpreise in die Höhe schnellten und eine neue Oberschicht von Oligarchen entstand, die aktiv politische Macht ausĂŒbten.Hans-Henning Schröder:
Russland in der Ära Jelzin (1992–1999), Webseite der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung/bpb, 4. Mai 2011.
In der Bevölkerung wurde diese Demokratisierungs- und Liberalisierungsphase jedoch eher als Auflösung einer gesicherten und berechenbaren staatlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung empfunden. Erst etwa ab der Jahrtausendwende stabilisierten sich die politischen VerhÀltnisse nach und nach, nicht zuletzt aufgrund der fortschreitenden Konzentration der Staatsmacht auf einen starken PrÀsidenten, die allerdings auch zu Lasten von Pluralismus und demokratischen Freiheiten ging.

Politisches System

MinisterprĂ€sident Wladimir Putin spricht vor der Staatsduma (8. Mai 2008) Politisches System RusslandsRussland wurde als „demokratischer föderativer Rechtsstaat mit republikanischer Regierungsform“ proklamiert.Art. 1 Abs. 1 Verf. RF; vgl. hierzu
Politisches System, Webseite der Botschaft der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland.
Nach der russischen Verfassung vom 12. Dezember 1993 besitzt Russland ein parlamentarisches Regierungssystem mit PrĂ€sidialdominanz. So ist das Staatsoberhaupt der PrĂ€sident Russlands, der vom Volk fĂŒr jeweils sechs Jahre direkt gewĂ€hlt wird. Der PrĂ€sident gehört unmittelbar keiner der drei Staatsgewalten an, sichert aber ihr Funktionieren und Zusammenwirken. Die Haupteinwirkungsform des PrĂ€sidenten ist das Dekret, mit dem er jeden Sachverhalt mit unmittelbarer Rechtswirkung regeln kann. Der PrĂ€sident bestimmt die Hauptrichtungen der Außenpolitik und kann internationale VertrĂ€ge unterzeichnen. Er ist der Oberste Befehlshaber der StreitkrĂ€fte Russlands, ernennt und entlĂ€sst das Oberkommando der StreitkrĂ€fte.
* Die Legislative wird durch die Föderationsversammlung ausgeĂŒbt, die aus zwei Kammern besteht. Der Föderationsrat ist das Oberhaus und der Vertreter der Föderationssubjekte. Alle von der Staatsduma verabschiedeten Gesetze mĂŒssen dem Föderationsrat vorgelegt werden, dem es frei steht, sie innerhalb von zwei Wochen zu behandeln oder nicht, was als Zustimmung gilt. Die Staatsduma ist das Unterhaus und besteht aus 450 Abgeordneten, die fĂŒr fĂŒnf Jahre nach Parteilisten gewĂ€hlt werden. Um im Parlament einzug zu halten muss eine Partei bei der Wahl mindestens 7 Prozent der Stimmen erhalten. Die Hauptaufgabe der Staatsduma ist die Verabschiedung von Gesetzen.
* Die exekutive Gewalt liegt bei der Regierung der Russischen Föderation, deren Ministerien aber teilweise direkt dem PrĂ€sidenten und nicht dem Parlament unterstellt sind. Das bedeutet, dass die Regierungszusammensetzung nicht die politischen KrĂ€fteverhĂ€ltnisse der Staatsduma widerspiegeln muss. Deshalb ist sie im Allgemeinen keine politische Regierung, sondern ein Technokratenkabinett, das hauptsĂ€chlich fĂŒr Wirtschafts- und Finanzfragen und fĂŒr Verwaltungsaufgaben zustĂ€ndig ist. Das Kabinett tagt wöchentlich öffentlich. Der PrĂ€sident hat das Recht des Kabinettsvorsitzes, das er aber nicht immer wahrnimmt. Der MinisterprĂ€sident von Russland, auch als Premierminister bezeichnet, wird vom PrĂ€sidenten vorgeschlagen und muss von der Duma bestĂ€tigt werden. Die Regierung ist nicht an die Legislaturperiode des Parlaments, sondern an die Amtszeit des PrĂ€sidenten gebunden, denn bei einem neu gewĂ€hlten PrĂ€sidenten legt die Regierung ihre Vollmachten nieder. Die Staatsduma kann der Regierung mit der Mehrheit aller Abgeordneten das Misstrauen aussprechen oder die Vertrauensfrage der Regierung abschlĂ€gig bescheiden. Die Regierung hat die Budgethoheit und gewĂ€hrleistet eine einheitliche Finanz-, Kredit- und Geldpolitik. Die weiteren Politikfelder sind Kultur-, Wissenschafts-, Bildungs-, Gesundheits-, soziale Sicherheits- und Ökologiepolitik.
* Die judikative Gewalt bildet das oberste Verfassungsschutzorgan, das Verfassungsgericht der Russischen Föderation, an dem sich staatliche Organe und auch BĂŒrger wenden können (vgl. Recht Russlands). HĂ€ufig wird vom Verfassungsgericht zugunsten des BĂŒrgers entschieden.Unter PrĂ€sident Putin (2000 bis 2008 und erneut seit 2012) wurde die Macht des Staatsoberhaupts ausgebaut. Der PrĂ€sident Russlands schlug von Ende 2004 bis Mai 2012 die Gouverneure vor – die Regionalparlamente konnten diese nur noch bestĂ€tigen. Die Gouverneure wiederum ernennen (seit 2002) die Vertreter fĂŒr den Föderationsrat. Durch eine GesetzesĂ€nderung infolge der Proteste im Zuge der Parlamentswahlen im Dezember 2011 folgte die WiedereinfĂŒhrung von Wahlen der Gouverneure in Russland ab Oktober 2012.

Politische Parteien

Seit dem Verzicht der KPdSU auf ihre verfassungsmĂ€ĂŸige FĂŒhrungsrolle 1990 vollzog sich ein Wandel von einem totalitĂ€ren Einparteienstaat zu einer Mehrparteiendemokratie. Es bildeten sich Hunderte von politischen Gruppierungen, Splittergruppen, Bewegungen und Parteien, die ein breites politisches Spektrum von Monarchisten bis hin zu Kommunisten abdecken. Die russischen Parteien sind eher schwach und verfĂŒgen selten ĂŒber eine stabile IdentitĂ€t. Erst ab der Jahrtausendwende kristallisierten sich einige wenige Parteien als weitgehend stabil heraus. Diese stellen inzwischen gesellschaftliche Netzwerke dar, die spezifische WĂ€hlergruppen mobilisieren können. Das gegenwĂ€rtige russische Parteiensystem ist das Ergebnis umfassender Reformen unter Putin (vgl. Gelenkte Demokratie). Er erhöhte die Zahl der Mindestmitgliederschaft fĂŒr eine Registrierung, wodurch sich die Anzahl der erlaubten Parteien bis 2011 auf sieben reduzierte. GegenwĂ€rtig wird die Politik Russlands von einer einzigen Partei, Einiges Russland, dominiert. Einiges Russland entstand 2001 aus den Parteien Einheit (Jedinstwo) und Vaterland – ganz Russland (Otetschestwo – wsja Rossija), die sich wiederum zum Teil aus der untergegangenen Partei Unser Haus Russland rekrutierten (der Partei von Putins VorgĂ€nger Boris Jelzin). Neben dieser großen Partei existieren weitere und Splitterparteien. Zu ihnen zĂ€hlen die Kommunistische Partei der Russischen Föderation, die Liberal-Demokratische Partei Russlands und die sozialdemokratische Partei Gerechtes Russland. Daneben gibt es noch außerhalb der Duma die Partei Jabloko, die Patrioten Russlands und Rechte Sache. Im Zuge der Demonstrationen zur Parlamentswahl im Dezember 2011 wurde ein neues Parteiengesetz verabschiedet, das die Zulassung neuer Parteien ab einer Mitgliederzahl von 500 Personen vorsieht (bisher 40.000). Diese Erleichterungen der Auflagen zieht das Aufkommen vieler neuer Parteien nach sich.

WĂ€hrung und Staatshaushalt

Rubel- und KopekenmĂŒnzenDie russische WĂ€hrung ist der russische Rubel (; KĂŒrzel RUB) zu 100 Kopeken (). Ein Euro entspricht gegenwĂ€rtig  Rubel. Nach starker Inflation in den 1990er Jahren wurde im Jahr 1998 eine WĂ€hrungsreform durchgefĂŒhrt, bei der 1000 alte Rubel (RUR) durch je einen neuen Rubel (RUB) ersetzt wurden. Seitdem war der Rubel bis 2008 gegenĂŒber US-Dollar und Euro im Wesentlichen stabil, die Inflation betrug 2006 8,2 Prozent. Dazu hat bisher vor allem die Wechselkurspolitik der russischen Zentralbank beigetragen. Um eine rasche Aufwertung des Rubels mit einer Verschlechterung der preislichen WettbewerbsfĂ€higkeit russischer Produzenten zu verhindern, intervenierte sie am Devisenmarkt. Sie kaufte die Russland mit den hohen LeistungsbilanzĂŒberschĂŒssen zufließenden Devisen gegen Rubel auf. Die umlaufende Rubelgeldmenge stieg stark. Das Inflationspotential wuchs. Im Zuge der Internationalen Wirtschaftskrise verlor der Rubel im zweiten Halbjahr 2008 rund 20 Prozent seines Wertes gegenĂŒber dem Euro,
Handelsblatt: Der Rubel rutscht
stabilisierte sich aber seither.Neben dem Rubel finden im Alltag auch US-Dollar Verwendung. Durch die DollarschwĂ€che ĂŒbernimmt aber zunehmend der Euro dessen Bedeutung. Bis zum Januar 2007 wurden Preise auch oft in Verrechnungseinheiten angegeben, die je einem US-Dollar entsprachen. Da die Verwendung von DrittwĂ€hrung in Russland nicht erlaubt ist, wurde dennoch in Rubel gezahlt. Diese Praxis ist aber seit Januar 2007 verboten. Wegen hĂ€ufiger Bankeninsolvenzen und Finanzkrisen sind viele Russen dazu ĂŒbergegangen, ihre Ersparnisse als Bargeld in Euro- und Dollar-Scheinen oder in Immobilien anzulegen.Der Staatshaushalt umfasste 2011 Ausgaben von umgerechnet 267,5 Mrd. Euro, dem standen Einnahmen von umgerechnet 277,8 Mrd. Euro gegenĂŒber. Nach einem Haushaltsdefizit in Höhe von 5,9 Prozent des BIP im Jahr 2009,
CIA: The World Factbook
steht so nach zwei defizitĂ€ren Jahren im Staatshaushalt 2011 wieder ein Überschuss von 10,3 Milliarden Euro gegenĂŒber. Der Abschluss der Duma- und PrĂ€sidentenwahl gibt ab Mitte 2012 Anlass zu neuen umfangreichen Modernisierungsausgaben zugunsten der Infrastruktur, Wirtschaft und der Landesverteidigung. AngekĂŒndigt ist auch eine weitere Steigerung der Sozialausgaben. Somit werden die Ausgaben tendenziell weiter steigen, was aufgrund einer geringen Verschuldungsquote kein Problem ist. Die Staatsverschuldung betrug 2009 77,6 Mrd. US-Dollar oder 6,3 Prozent des BIP.2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben vom BIP folgender Bereiche:
* Gesundheit:Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen, Daten, Fakten. Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4. 5,3 Prozent
* : 3,8 Prozent (2005)
* MilitÀr: 3,9 Prozent (2005)

Außenpolitik

Russland ist stĂ€ndiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates, aller UN-Unterorganisationen, der OSZE und des Europarates und zudem Mitglied der G8, der EBRD sowie des IWF und der Weltbank. Bis zum Amtsantritt Putins im Jahr 2000 ĂŒberwog die teils freiwillige, teils alternativlose Bereitschaft, sich durch Anpassungsleistungen, Kooperation und teilweisem Autonomieverzicht in die US-dominierten Weltstrukturen einzufĂŒgen. Nach den ernĂŒchternden Erfahrungen des Euroatlantismus in den 1990er Jahren strebt Russland wieder verstĂ€rkt danach, das internationale Umfeld an eigene BedĂŒrfnisse anzupassen. Im außenpolitischen Konzept sieht sich Russland als Großmacht, die als eines der einflussreichsten Zentren der modernen Welt seine nationalen Interessen verfolgen will. Hilfreich fĂŒr diesen Kurs ist, dass Russland als eines der wenigen ĂŒbriggebliebenen LĂ€nder ĂŒber eine strategische Denkweise, strategisches Potenzial und die FĂ€higkeit, Macht anzuwenden, verfĂŒgt. Seine außenpolitische Schlagkraft erhĂ€lt Russland ĂŒber die atomare Abschreckung, die konventionellen StreitkrĂ€fte, russische MilitĂ€rbasen in den GUS-Staaten, RĂŒstungsexporte, das Vetorecht im UN-Sicherheitsrat und die Stellung als bedeutender Energielieferant.
jaeger.uni-koeln.de (PDF; 378 kB), abgerufen am 1. April 2012.
Faktisch jedoch entspricht Russlands Großmachtsanspruch eher dem Wunschdenkens seiner Eliten. Die Nuklearwaffen haben nur Abschreckungscharakter und können sich nur bedingt in politische Macht umsetzen lassen. Die konventionellen StreitkrĂ€fte sind reformbedĂŒrftig und haben den Sprung von einer Mobilisierungsarmee zur modernen Einsatzarmee noch nicht geschafft. Die Möglichkeit, militĂ€rische Macht in politische umzuwandeln ist auf Russlands unmittelbare Umgebung beschrĂ€nkt. Es fehlt ihnen an verlĂ€sslichen VerbĂŒndeten, wie die Nicht-Anerkennung Abchasiens und SĂŒdossetiens durch die restlichen GUS-Staaten zeigt. Auch in der restlichen Welt hat Russland massiv an Einfluss verloren. Denn anders als die Sowjetunion besitzt Russland kein attraktives Herrschafts- und Kultursystem.Margarete Klein:
Russland: eine Großmacht in der internationalen Politik? – Großmachtanspruch und -ressourcen. Auf: bpb.de am 9. Mai 2011
Im Mittelpunkt des Interesses stehen regionale Konflikte, von denen einige potenziell zu globalen Konflikten werden können. Russland konzentriert sich vor allem auf die Ukraine, Zentralasien und den Kaukasus. Strategische StabilitĂ€t gegenĂŒber den USA ist ein weiteres Element des russischen Selbstbildes und ein Eckpfeiler der russischen globalen Sicherheitspolitik.
Russlandanalysen 189 (PDF; 639 kB), abgerufen am 1. April 2012.
Aufgrund der verĂ€nderten Welt sieht Russland die strategische StabilitĂ€t durch eine multipolare Weltordnung am besten gesichert. Eine Weltordnung unter machtpolitischer und ökonomischer Dominanz der USA wird von der russischen Regierung als Bedrohung der eigenen Sicherheit und als Destabilisierung des internationalen Systems abgelehnt. Die politische FĂŒhrung in Moskau drĂ€ngt auf die PrĂ€rogative des UN-Sicherheitsrats. Ein Beispiel hierfĂŒr ist die Forderung, dass die NATO nur mit Zustimmung des UN-Sicherheitsrats tĂ€tig werden kann. Selbst besteht die FĂŒhrung Russlands aber auf das Recht, unilateral handeln zu dĂŒrfen, was das Verhalten im Georgienkrieg belegt. Um seinem Ziel nĂ€her zu kommen, sieht sich Russland nach Gegenpolen zu den USA um. Besonders Asien gewinnt dabei eine stetig wachsende Bedeutung. Die BRICS werden im außenpolitischen Konzept als strategische Partner betrachtet. WĂ€hrend Russland und Indien traditionell gute Beziehungen pflegen und diese weiter ausgebaut haben, hat sich das russisch-chinesische VerhĂ€ltnis durch die Lösung alter Spannungen stetig verbessert. Abgesehen vom gemeinsamen Ziel, die weltpolitische Dominanz der USA zu brechen, stehen vor allem Wirtschafts- und RĂŒstungsprojekte sowie russische Rohstofflieferungen im Vordergrund der Kooperation.

Beziehung zum „Nahen Ausland“
Treffen der GUS-StaatsoberhĂ€upter 2008 in BischkekDie Auflösung der Sowjetunion stellte Russland zunĂ€chst vor die Aufgabe, das VerhĂ€ltnis zu den aus Russlands Sicht oft als „ Nahes Ausland“ (Đ±Đ»ĐžĐ¶ĐœĐ”Đ” Đ·Đ°Ń€ŃƒĐ±Đ”Đ¶ŃŒĐ”) bezeichneten Nachfolgerepubliken neu zu gestalten. Die aus der Sowjetzeit geerbten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den einzelnen Republiken erforderten eine neue rechtliche Form der Kooperation und der Integration. Zugleich waren fĂŒr Russland zahlreiche Objekte von strategischem Interesse, die nun außerhalb der Russischen Föderation lagen: der Weltraumbahnhof Baikonur, der StĂŒtzpunkt der Schwarzmeerflotte in Sewastopol, militĂ€rstrategische Einrichtungen in Aserbaidschan, Weißrussland u. a. Zur Nachfolgeorganisation wurde die Gemeinschaft UnabhĂ€ngiger Staaten (GUS), der zunĂ€chst 12 der 15 ehemaligen Sowjetrepubliken beitraten. Dieser eher lockere Staatenbund hat jedoch bis zur heutigen Zeit seine Bedeutung weitgehend eingebĂŒĂŸt.Mit Weißrussland hat sich Russland in der Russisch-Weißrussischen Union zusammengeschlossen, auf die sich Boris Jelzin mit Aljaksandr Lukaschenka (weißrussischer StaatsprĂ€sident seit 1994) verstĂ€ndigte. Nach EinschĂ€tzung von Politologen hing ihre Entwicklung jedoch stark mit persönlichen Ambitionen Lukaschenkas zusammen, der Nachfolger Jelzins in einem kĂŒnftigen Unionsstaat zu werden. Als nach Jelzin 1999 Wladimir Putin russischer PrĂ€sident wurde, kĂŒhlte sich das VerhĂ€ltnis zu Weißrussland ab, dem Putin einen Beitritt zur Russischen Föderation vorschlug. Bis 2011 verlief die weitere Integration sehr schleppend, viele Projekte wie die gemeinsame WĂ€hrung wurden nicht umgesetzt. Die Beziehungen waren vielmehr von Energiekonflikten ĂŒberschattet. 2011 trat Weißrussland jedoch der gemeinsamen Zollunion mit Russland und Kasachstan bei, die bereits seit 2000 im Rahmen der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft in Planung war. Zu den weiteren Zielen dieser Gemeinschaft zĂ€hlt ein gemeinsamer Wirtschaftsraum und die Schaffung einer politischen Union, die fĂŒr weitere Staaten des postsowjetischen Raumes offensteht.Ein ambivalentes VerhĂ€ltnis hat Russland mit der Ukraine. Trotz sehr enger historischer und kultureller Verbindungen und einer fortbestehenden wechselseitigen AbhĂ€ngigkeit, vor allem in den Energiefragen, haben diverse geschichtsbezogene Meinungsverschiedenheiten sowie der erklĂ€rte Westkurs der Ukraine das VerhĂ€ltnis immer wieder getrĂŒbt. Vor allem nach der Orangefarbenen Revolution hatte unter PrĂ€sidenten Juschtschenko das VerhĂ€ltnis seinen Tiefpunkt erreicht, was mitunter in spektakulĂ€ren „ Gaskriegen“ mĂŒndete. Viele neu entflammte Reizthemen wie der potenzielle NATO-Beitritt der Ukraine, der Verbleib der russischen Schwarzmeerflotte, die Huldigung des NationalistenfĂŒhrers Stepan Bandera und Gaspreisdispute haben nach der Abwahl Juschtschenkos 2010 jedoch wieder an SchĂ€rfe verloren. Dennoch zögert die Ukraine weiterhin, an russischen Integrationsprojekten teilzunehmen.Ein wichtiges Instrument Russlands im Umgang mit Konflikten in der direkten Nachbarschaft war der Ausbau von sicherheitspolitischen Regionalorganisationen. Unter Putin gewannen zwei Sicherheitsorganisationen besonderes Gewicht – die Organisation des Vertrages ĂŒber Kollektive Sicherheit (OVKS) und die Shanghai Organisation fĂŒr Zusammenarbeit (SOZ):
* Die Organisation des Vertrags ĂŒber kollektive Sicherheit zielt auf eine engere Zusammenarbeit in Sicherheits- und Verteidigungsfragen, wie auch auf eine gemeinsame Verteidigung im Falle eines Angriffes (Artikel 4 des Vertrags) ab. UrsprĂŒnglich eine sicherheitspolitische Institution der GUS, wurde die OVKS 2002 zu einer eigenstĂ€ndigen sicherheitspolitischen Organisation mit dem Fokus auf Zentralasien aufgewertet. MitgliedslĂ€nder neben Russland sind: Weißrussland, Armenien, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan. Auf russische Initiative wurde 2009 im Rahmen der OVKS eine schnelle Eingreiftruppe geschaffen, die in Krisensituationen eingesetzt werden kann.
* Hauptziel der Shanghaier Organisation fĂŒr Zusammenarbeit, zu der auch China gehört, ist die StĂ€rkung des gegenseitigen Vertrauens und guter nachbarschaftlicher Beziehungen zwischen den Mitgliedsstaaten. Neben dem Ausbalancieren der sicherheitspolitischen Interessen Russlands und Chinas in Zentralasien soll sie auch der Durchsetzung gemeinsamer Sicherheitsinteressen in der Region dienen. UrsprĂŒngliches Ziel Russlands und Chinas war es, durch sicherheitspolitische Kooperation die USA aus der Region herauszuhalten.
Russlandanalysen 216 (PDF; 984 kB), abgerufen am 31. MĂ€rz 2012.


Russlands Westpolitik
Monument chapel near church Alexander Nevsky Ust-Izhora (Fragment bw).jpg|KĂ€mpfte gegen die Expansion der schwedischen und deutschen Kreuzritter: Alexander Newski
Peter der-Grosse 1838.jpg|FĂŒhrte Russland auf einen konsequenten Modernisierungs- und Verwestlichungskurs: Peter der Große
Trotz der geografischen Lage am Rande der christlich-europĂ€ischen Zivilisation war das Kiewer Russland im 11. Jahrhundert durch viele dynastische, kulturelle und hĂ€ndlerische Beziehungen mit anderen europĂ€ischen LĂ€ndern verbunden, wenngleich es seit 988 das Christentum östlicher Tradition pflegte. Die beinahe 240-jĂ€hrige Mongolenherrschaft hat diese Beziehungen jĂ€h unterbrochen und die sich entwickelnden Kultur, Handwerk, Handel sowie den Urbanisierungsprozess Russlands weit zurĂŒckgeworfen. Dennoch empfanden die Russen seit der Zeit von Alexander Newski die kriegerisch expandierende westlich-katholische Welt als eine grĂ¶ĂŸere Gefahr fĂŒr die eigene nationale IdentitĂ€t und Autonomie, als die asiatischen Reiternomaden. Der jahrhundertelange Kampf gegen das nach Osten drĂ€ngende Polen-Litauen zementierte diesen Argwohn und vertiefte die Orientierung. Andererseits hatte man schon frĂŒh ein Interesse an westlichen technischen und organisatorischen Errungenschaften.Vor allem Zar Peter der Große sah in einem forcierten Kraftakt der Verwestlichung den einzigen Weg, die Interessen Russlands auf der internationalen BĂŒhne effektiv verteidigen zu können. Seit seiner Regierungszeit an der Wende zum 18. Jahrhundert hielt die westliche Kultur breiten Einzug in Russland. Im 19. Jahrhundert Ă€nderte sich diese Stimmung zugunsten eines Disputs zwischen sogenannten Westlern und Slawophilen innerhalb der russischen Gesellschaft. Die in Europa im Zusammenhang mit der militĂ€rischen Übermacht Russlands und der reaktionĂ€ren Politik der russischen Kaiser aufkeimende Russophobie sowie eine imperialistische Einstellung der WesteuropĂ€er gegenĂŒber kleineren slawischen Völkern, fĂŒhrte in Russland zur Verbreitung des romantischen Nationalismus und zur Popularisierung der Panslawismus-Ideen, was sich auch in zeitgenössischer Kunst und Kultur widerspiegelte. WĂ€hrend bis zum Russisch-Osmanischen Krieg 1877–1878 vor allem England und Frankreich als Feinde Russlands betrachtet wurden, nahmen spĂ€ter Deutschland und Österreich-Ungarn ihren Platz ein. Dennoch war Russland in dieser Zeit sowie im 20. Jahrhundert untrennbar mit dem Westen verbunden und nahm viele seiner EinflĂŒsse auf, unter anderem den Marxismus und linksrevolutionĂ€re Ideen.Nach der Oktoberrevolution war das VerhĂ€ltnis der Russen zum Westen unter dem Einfluss der Bolschewiki einerseits durch den kommunistischen Kosmopolitismus, andererseits durch die Ablehnung der „bourgeoisen“ westlichen Lebensweise geprĂ€gt. Unter Stalin verschwand die erste Komponente weitgehend, der Fokus wurde, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, auf das Nationalrussische gelegt, das als Gegenpol zu den „verdorbenen“ westlichen Gesellschaften verstanden wurde. Diese verbreitete Haltung wich ab der spĂ€ten Breschnew-Ära und vor allem in der Perestroika-Zeit einer ĂŒberschwĂ€nglichen Westbegeisterung, die sich aus der Sehnsucht nach dem westlichen Wohlstandsniveau und den politischen Freiheiten speiste. Jedoch scheiterten die BemĂŒhungen um Integration in die westliche HemisphĂ€re an der EU, die Russlands Bereitschaft in die NATO einzutreten ignorierte, und an der US-amerikanischen Regierung, die nach Beendigung des Kalten Krieges kein Interesse an einem BĂŒndnis mit der Russischen Föderation hatte. Die Erkenntnis darĂŒber fĂŒhrte zu einer starken Kritik an forcierten West-Integration, was mit der gemeinsamen Forderung von nationalistischen, kommunistischen und liberalen KrĂ€fte nach „Schutz der nationalen Interessen Russlands“ zum Ausdruck gebracht wurde. Dimitrij Trenin, Die Entwicklung der russischen „Westpolitik“ und ihre Lehren in Heiko Pleines / Hans-Henning Schröder (Hrsg.) LĂ€nderbericht RusslandAuch das VerhĂ€ltnis zu den USA hat sich seit 2004 abgekĂŒhlt: Die russische Regierung wirft der amerikanischen vor, Farbenrevolutionen im postsowjetischen Raum zu fördern, dauerhaft in Zentralasien Fuß fassen zu wollen und sich ĂŒber anmaßende Demokratiepostulate massiv in die inneren Angelegenheiten Russlands einzumischen. Putin kritisierte in seiner MĂŒnchner Rede, dass Politiker zwar angebliche MenschenrechtsverstĂ¶ĂŸe anklagen, die eigenen MissstĂ€nde, z. B. in den USA, jedoch nicht in gleichem Maße thematisiert werden.

Deutsch-russische Beziehungen
Medwedew und Merkel beim Petersburger Dialog Zeugnis deutsch-russischer Beziehungen: das rekonstruierte Bernsteinzimmer. Im Jahr 1716 wurde das Original vom preußischen König Friedrich Wilhelm I. an den russischen Zaren Peter den Großen verschenkt und verschwand 1945.Die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschen und Russen waren besonders eng unter Peter dem Großen. Russische Deutsche haben einen großen Beitrag zur Entwicklung der russischen Kultur geleistet, allen voran Kaiserin Katharina II., Admiral Adam Johann von Krusenstern, der MilitĂ€ringenieur Graf Eduard Iwanowitsch Totleben, der Musiker Swjatoslaw Teofilowitsch Richter und viele andere. Der historische Beitrag Deutschlands wird daher bis heute in Russland anerkannt und geschĂ€tzt. Auch politisch blickten Deutschland und Russland bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auf lange BĂŒndnistraditionen zurĂŒck. WĂ€hrend der Napoleonischen Kriege kĂ€mpften Russen und Deutsche gemeinsam gegen die französische Fremdherrschaft. So waren russische Soldaten maßgeblich an der Befreiung Deutschlands beteiligt. Die „Allianz der drei Schwarzen Adler“ – Russland, Österreich und Preußen –, die bereits in der ersten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts bestanden hatte, setzte sich in der Folge nach dem Wiener Kongress als Heilige Allianz fort. Dem folgten schwere kriegerische Auseinandersetzungen im 20. Jahrhundert, die in den Köpfen vieler Menschen nachwirken. Die rechtliche Grundlage der Beziehungen des wiedervereinigten Deutschlands und der Russischen Föderation bilden der Vertrag ĂŒber gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit vom 9. November 1990 und die Gemeinsame ErklĂ€rung des PrĂ€sidenten der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik und des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland vom 21. November 1991. Weiterhin von grundlegender Bedeutung ist der Vertrag ĂŒber die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland vom 12. September 1990. Seit 1990 entwickelten sich Beziehungen besonderer Art zwischen beiden LĂ€ndern. Zum einen war die deutsche Seite dankbar fĂŒr die friedliche Wiedervereinigung und die problemlose Abwicklung der Folgeauswirkungen, zum anderen fĂŒhlte sich Deutschland als Impulsgeber und Motor fĂŒr eine stĂ€rkere Integration Russlands in europĂ€ische Strukturen und warb fĂŒr Kredite und Investitionen in Russland.M. Alexander, G. Stökl: Russische Geschichte. Von den AnfĂ€ngen bis zur Gegenwart. 7. Aufl., Stuttgart 2009, S. 819. Seit der Kanzlerschaft Gerhard Schröders und dem Wirtschaftsaufschwung in Russland unter Wladimir Putin sind die deutsch-russischen Beziehungen insbesondere im Bereich der Wirtschaft, aber auch beim politischen Dialog so intensiv wie noch nie. Seit 1998 finden jĂ€hrlich bilaterale Regierungskonsultationen auf höchster Ebene unter Beteiligung beider Regierungen statt.Russland sieht in Deutschland einen strategischen Partner; auf EU-Ebene ist Deutschland das wichtigste Land aus russischer Perspektive.So gibt es in Russland inzwischen mehr als 6000 Unternehmen mit deutscher Beteiligung, einschließlich mehr als 1350 russisch-deutscher Joint Ventures. Die zukĂŒnftige Zusammenarbeit bei Investitionen konzentriert sich auf die Automobilbranche, die holzverarbeitende Industrie, Luftfahrt, Metallurgie, Elektrotechnik, Transport- und Energietechnik und die Baustoffindustrie. Die deutsche Wirtschaft sieht in der Beteiligung an den russischen nationalen Projekten großes Potenzial. Dies betrifft den Wohnungsbau, die Modernisierung des Gesundheitswesens und der Verkehrsinfrastruktur sowie die Vorbereitungen fĂŒr die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi ( Volkswagen ist Partner der Winterspiele).Zwischen Deutschland und Russland hat sich ein enger kultureller und bildungspolitischer Austausch entwickelt. 2003 wurde ein Regierungsabkommen zur Förderung des gegenseitigen Erlernens der Partnersprache abgeschlossen. Rund 12.000 junge russische StaatsbĂŒrger studieren inzwischen an deutschen Hochschulen. Im April 2005 wurde eine gemeinsame ErklĂ€rung fĂŒr eine strategische Partnerschaft auf dem Gebiet der Bildung, Forschung und Innovation unterzeichnet. Seit 2006 gibt es KoordinierungsbĂŒros in Hamburg und Moskau fĂŒr den bilateralen SchĂŒler- und Jugendaustausch. Das Goethe-Institut ist an vielen Orten in Russland prĂ€sent, in Moskau, St. Petersburg und seit FrĂŒhjahr 2009 in Nowosibirsk. Daneben sind zahlreiche weitere deutsche Kulturmittler in Russland vertreten.Obwohl die Tendenz steigt, haben 2011 trotz starker Wirtschaftsbeziehungen und einem bedeutenden Austausch zwischen den Zivilgesellschaften nur ein Drittel der Deutschen Russland als Partnerland vertraut. Dies lĂ€sst sich auf die Rolle der Medien zurĂŒckfĂŒhren, die einen entscheidenden Einfluss bei der Wahrnehmung Russlands haben (vgl. Russlandberichterstattung in Deutschland). Bis zum Amtsantritt Wladimir Putins herrschte in den deutschen Medien das Bild eines „armen“ und „unberechenbaren“ Russlands vor. Durch die wirtschaftliche Stabilisierung nach der Jahrtausendwende und hoher Einkommen aus den Ölvorkommen, verschwand dieses Bild allmĂ€hlich. An seiner Stelle rĂŒckte die Angst vor Putins Energie-Imperium und der AbhĂ€ngigkeit von ihm. Außerdem gibt es einen Verlust an Differenziertheit bei der Berichterstattung der politischen Situation in Russland, was zu einer RealitĂ€tsverzerrung fĂŒhrt. Beschreibungen wie „liberal“ oder „autoritĂ€r“ liefern beispielsweise fertige Urteile ĂŒber „schlechte“ oder „gute“ KrĂ€fte. Juri Galperin:
Das Russlandbild deutscher Medien. Erschienen bei der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung (bpb), 25. MĂ€rz 2011.


Rolle im syrischen BĂŒrgerkrieg
Der Syrienkonflikt ist einer der wenigen internationalen Konflikte, in denen die russische Regierung eine zentrale Rolle spielt. Dabei brachte ihre Verweigerungshaltung gegenĂŒber jeglichen Versuchen, im Rahmen des UN-Sicherheitsrats internationalen Druck auf das Regime Assad auszuĂŒben, der russischen Regierung scharfe Kritik westlicher und regionaler Akteure ein und beschĂ€digte das Ansehen Russlands in der arabischen Welt. Russland nahm von Anfang die klare Haltung ein, dass die KĂ€mpfe zwischen Regime und Opposition nur inner-syrisch zu lösen sei. Dies sei erstens durch ergebnisoffene Verhandlungen zwischen beiden Seiten zu erreichen und sollte zweitens ohne externe Einmischung geschehen, sei es durch Waffenlieferung an die Rebellen oder durch militĂ€rische Intervention. Dementsprechend blockierte Russland nicht nur ResolutionsentwĂŒrfe im UN-Sicherheitsrat, die Sanktionen vorgesehen hĂ€tten (Oktober 2011, Juli 2012), sondern auch solche, die lediglich die Gewaltanwendung durch das syrische Regime verurteilt hĂ€tten, ohne dass zugleich die Regimegegner ebenfalls verurteilt und zum Gewaltverzicht aufgerufen wĂŒrden (Februar 2012).Margarete Klein:
Analyse Russlands Syrienpolitik – Interessen, (Miss)erfolge, Chancen fĂŒr eine gemeinsame Konfliktlösung, Seite 1. Auf: bpb.de am 25. MĂ€rz 2013
Die FĂŒhrung Russlands gibt vor, damit eine neutrale Haltung einzunehmen. Mehrmals betonten PrĂ€sident Putin, Außenminister Lawrow und MinisterprĂ€sident Medwedew, dass ihr Land – im Gegensatz zu den westlichen Staaten oder den Golfmonarchien – nicht einseitig Partei ergreife.Jedoch unterstĂŒtzt die russische Regierung das Regime Assads auf vielfĂ€ltige Weise. Erstens stĂŒtzt man auf internationaler BĂŒhne die Legitimationsstrategie der syrischen FĂŒhrung. Durch eine Darstellung der Opposition primĂ€r als einer Gruppe von „Fanatikern“, Islamisten oder Terroristen wird die Schuld am Gewaltausbruch implizit ihr zugewiesen. Zweitens liefert Russland weiterhin Waffen an die syrische Regierung, darunter Luftabwehrsysteme (Buk-M2 [Nato-Code: SA-17 Grizzly] und Panzir-S1 [Nato-Code: SA-22 Greyhound]) und Helikopter. Russland verweist darauf, dass die Exporte nach internationalem Recht zulĂ€ssig seien. Schließlich hat der UN-Sicherheitsrat – aufgrund russischer und chinesischer Weigerung – bislang kein Waffenembargo verhĂ€ngen können. Als verlĂ€sslicher Exporteur – so die russische Rechtfertigung – sei die russische Regierung daher verpflichtet, bestehende VertrĂ€ge zu erfĂŒllen. „Neue Lieferungen“ seien aber suspendiert worden, erklĂ€rte Wjatscheslaw Dsirkaln vom Föderalen Dienst fĂŒr MilitĂ€rtechnische Zusammenarbeit im Juli 2012. Drittens hilft die russische Regierung dem Regime Assad auch beim wirtschaftlichen Überleben, indem es Banknoten fĂŒr die syrische Regierung druckt.Die Motive der russischen Syrienpolitik gehen ĂŒber materielle Interessen hinaus. Sie betreffen grundlegende Fragen der internationalen Ordnung und regionalen Machtbalance, aber auch konkrete sicherheitspolitische Risiken fĂŒr Russland selbst. Der „arabische FrĂŒhling“ warf fĂŒr die internationale Gemeinschaft erneut die Frage auf, wie mit dem SpannungsverhĂ€ltnis zwischen staatlicher SouverĂ€nitĂ€t und Schutzverantwortung („responsibility to protect“ – „R2P“) umzugehen ist. Es geht um kontrĂ€re Ansichten zur Ausgestaltung der internationalen Ordnung und den Anspruch Russlands, diese mitzubestimmen. Die russische Regierung lehnt die „R2P“ nicht prinzipiell ab, will diese aber an enge Grenzen gebunden wissen, nĂ€mlich beschrĂ€nkt auf den Schutz der Zivilbevölkerung und ohne das Ziel eines „Regime Change“ von außen. Dahinter steht eine traditionelle Interpretation staatlicher SouverĂ€nitĂ€t. Diese hat auch eine innenpolitische BegrĂŒndung. Schließlich stellt eine Aufweichung des Nichteinmischungsgebots fĂŒr die autoritĂ€re FĂŒhrung in Moskau auch aus GrĂŒnden des eigenen Machterhalts ein Gefahrenszenario dar.Margarete Klein:
Analyse Russlands Syrienpolitik – Interessen, (Miss)erfolge, Chancen fĂŒr eine gemeinsame Konfliktlösung, Seite 2. Auf: bpb.de am 25. MĂ€rz 2013
Nach den Giftgas-Angriffen von Ghuta und der Drohung der US-amerikanischen Regierung mit einem MilitĂ€rschlag, gelang es Russland allerdings zwischen der US-amerikanischen und der syrischen Regierung zu vermitteln. Am 14. September 2013 wurde vereinbart, dass die syrische Regierung zunĂ€chst binnen einer Woche das gesamte Giftgasarsenal offenlegen muss und den UN-Inspektoren ungeschrĂ€nkten Zugang zu den LagerstĂ€tten gewĂ€hren. Mitte November sollen die UN-Inspekteure die Arbeit aufnehmen. Die Chemiewaffen sollen außerhalb von Syrien vernichtet werden.www.zeit.de/politik/ausland/2013-09/usa-russland-syrien-genf Am 16. September sprach sich Russland erneut gegen eine UN-Resolution aus, die eine Drohung im Falle einer Nicht-ErfĂŒllung der Vereinbarung gegen die syrische Regierung vorsah. www.zeit.de/politik/ausland/2013-09/russland-syrien-un-resolution-sanktionenRussland gewĂ€hrte dem US-amerikanischer Whistleblower Edward Snowden politisches Asyl.

Nichtregierungsorganisationen

Bis zum Amtsantritt des neuen PrĂ€sidenten Wladimir Putin hatten sich die russischen NGOs weitgehend frei von staatlichen EinflĂŒssen entwickeln können. Wahrscheinlich war ihr Einfluss auf den Staat grĂ¶ĂŸer als umgekehrt. Das sollte sich schnell Ă€ndern. Putin ging sofort daran, die bis dahin zwar nicht autonom agierenden, aber von unterschiedlichen Machtzentren kontrollierten Bereiche des russischen politischen Offentlichkeit systematisch der Regierung zu unterwerfen. Er nannte das, die „Machtvertikale stĂ€rken“ und eine „Diktatur des Rechts“ aufbauen. Hinter diesem Vorgehen steckt die Überzeugung, dass der russische Staat in den 1990er Jahren kurz vor dem Zerfall gestanden habe und dass das ursĂ€chlich mit der SchwĂ€che der Zentralmacht zusammengehangen habe.Der erste Versuch, die NGOs einzubinden, war die Initiative zu einer großen BĂŒrgerversammlung 2001 im Kreml. Bei dieser Versammlung wurden ausgewĂ€hlte Themen diskutiert. Allerdings wurden aus Regierungssicht nicht konstruktive NGOs, die sich nicht einfach unterordnen wollten, ausgeschlossen. Dies sollte eine Art „Burgfrieden“ zwischen NGOs und der russischen Regierung darstellen. Jedoch wurde Anfang 2002, trotz Proteste und Verhandlungen, die steuerliche Gleichsetzung von „kommerziellen“ und „nicht-kommerziellen“ Unternehmen verabschiedet. EndgĂŒltig brach der „Frieden“ als Michail Chodorkowskij verhaftet wurde. Dieser hatte mit seiner Stiftung „Offenes Russland“ begonnen, in großem Maße Projekte von NGOs zu finanzieren und war somit die letzte Hoffnung auf langfristige und nachhaltige Finanzierung von NGOs im Inland gewesen. Der zweite Bruch war die „Rosenrevolution“ in Georgien, die als Misserfolg der russischen Politik wurde und in der Wahrnehmung der russischen Regierung ein Werk der vom Westen finanzierten NGOs. Dies wurde auch beim Machtwechsel in der Ukraine vermutet.Putin drĂŒckte das am 26. Mai 2004 in seiner alljĂ€hrlichen Ansprache vor beiden Parlamentskammern so aus:"Es gibt Tausende konstruktiv arbeitende zivilgesellschaftliche Vereinigungen in unserem Land. Aber lĂ€ngst nicht alle orientieren sich daran, die wirklichen Interessen der Menschen zu verteidigen. FĂŒr einen Teil dieser Organisationen ist es zu vorrangigen Aufgabe geworden, Finanzierung von einflussreichen auslĂ€ndischen Stiftungen zu bekommen, fĂŒr andere, zweifelhafte Gruppen und kommerzielle Interessen zu bedienen. Gleichzeitig interessieren sie die dringensten Probleme des Landes und seiner BĂŒrger nicht".Letztlich blieb das VerhĂ€ltnis zwischen Regierung und NGOs ambivalent in Putins erster Amtszeit, was aus der Tatsache resultiert, dass marktwirtschaftliche Systeme ein gewisses Maß an Freiheit erfordern. Das Taktieren der Regierung mit den NGOs ist Ausdruck dessen, das man verhindern möchte, dass diese Freiheit ins Politisch-Gesellschaftliche ĂŒbergreift.Die zweite Amtszeit war im Bezug auf die NGOs in erster Linie geprĂ€gt durch das NGO-Gesetz mit dem der russischen Regierung weitreichende Kontroll- und Sanktionsinstrumente in die Hand gegeben wurde. Die Rosregistracija ĂŒberwacht nun die TĂ€tigkeiten der NGOs. Sich dagegen zu beschweren, ist in einer hoch korrupten Gesellschaft, wie der russischen, in der Beschwerde- und Berufungsinstanzen insbesondere gegen staatliches Handeln, etwa Gerichte, nur sehr eingeschrĂ€nkt funktionieren mit hohem administrativen Aufwand verbunden. Heiko Pleines / Hans-Henning Schröder (Hrsg) LĂ€nderbericht Russland: Jens Siegert, Zivilgesellschaft in Russland S.185Die Registrierungsbehörden setzen verstĂ€rkt auf Bestimmungen des Arbeitsrecht, Steuerrechts, Arbeitsschutzes oder Brandschutzes um staatliches Vorgehen gegen die NGOs zumindest teilweise zu kaschieren. Heiko Pleines / Hans-Henning Schröder (Hrsg) LĂ€nderbericht Russland: Jens Siegert, Zivilgesellschaft in Russland

Verteidigung und MilitÀr

Das Typschiff der Stereguschtschi-Klasse, 2009 Ka-50 „Black Shark“ der russischen LuftstreitkrĂ€fte]]Der russische Staat besitzt den 1949 noch als Sowjetunion erlangten Status einer Atommacht und verfĂŒgt heute mit 5200 StĂŒck ĂŒber die weltweit grĂ¶ĂŸte Anzahl an nuklearen Sprengköpfen, vor den Vereinigten Staaten mit 4100 Atomsprengköpfen.Vgl. Le monde diplomatique – Atlas der Globalisierung, 2. Aufl. 2010, S. 29.In Russland gilt eine allgemeine Wehrpflicht von 12 Monaten fĂŒr wehrfĂ€hige MĂ€nner ab 18 bis maximal 27 Jahren. 2007 wurde sie von 24 auf 18, 2008 dann auf 12 Monate verkĂŒrzt. Da die wehrpflichtigen Soldaten frĂŒher auch in Krisengebieten wie Tschetschenien eingesetzt wurden und es im Rahmen der Dedowschtschina nicht selten zu Misshandlungen von jungen Rekruten durch Vorgesetzte kommt, gibt es in der Bevölkerung, besonders durch die MĂŒtter Wehrpflichtiger, immer wieder Kritik an der Wehrpflicht.Insgesamt hat sich die Lage in den StreitkrĂ€ften stabilisiert. Die Probleme aus den 1990er Jahren wurden bereinigt. Es werden seit 2000 wieder hĂ€ufiger Manöver und Übungen durchgefĂŒhrt. Auch viele soziale Probleme wie der Wohnungsmangel fĂŒr Offiziere werden nach und nach gelöst. Die RĂŒstungsindustrie ist wieder im Stande, hochmoderne Waffen, Kampfflugzeuge, Schiffe, U-Boote oder strategische Atomraketen, wie die durch Raketenabwehrsysteme schwer zu bekĂ€mpfende Topol-M, zu produzieren.Die StĂ€rke der StreitkrĂ€fte betrug 2001 1.183.000 Mann, davon 321.000 LandstreitkrĂ€fte, 171.500 Marine, 184.600 LuftstreitkrĂ€fte und 149.600 AtomstreitkrĂ€fte. 40.000 dienen in Staaten der GUS als Friedenstruppen und 316.900 werden als „sonstige MilitĂ€rs“ gefĂŒhrt.Russland gibt heute (2011) 71,9 Mrd. US-Dollar, d. h. etwa 3,6 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP), fĂŒr das MilitĂ€r aus – weit weniger als die USA.
Russia 3rd Largest Military Spender Worldwide – Analysts, RIA Novosti, 17. April 2012, abgerufen am 2. Juni 2012.
Mittels einer grundlegenden Reform wird versucht, die russische Armee den Erfordernissen einer modernen KriegfĂŒhrung und den finanziellen Möglichkeiten des Landes anzupassen. Elemente dieser MilitĂ€rreform sind: Vorrang der konventionellen vor der nuklearstrategischen RĂŒstung, personelle Verkleinerung der Armee auf 835.000 Soldaten, schrittweiser Übergang zur Berufsarmee, Vereinfachung der Kommandostrukturen sowie Erhöhung des Verteidigungsbudgets, das je zur HĂ€lfte fĂŒr den Unterhalt der StreitkrĂ€fte und fĂŒr Forschung, Entwicklung sowie Beschaffung neuer Waffen ausgegeben werden soll. Vorgesehen ist, fĂŒr die Modernisierung der Armee und die Instandsetzung von Waffen und MilitĂ€rtechnik bis 2015 insgesamt ungefĂ€hr 144 Mrd. Euro bereitzustellen.Es gibt in Russland eine Reihe von Spezialeinheiten ( SpezNas), welche dem Innenministerium ( MWD) unterstellt sind. Die StreitkrĂ€fte des MWD umfassten im Jahre 2007 insgesamt 170.000 Mann. Ihr Oberbefehlshaber, ein Armeegeneral, ist gleichzeitig Stellvertreter des Innenministers. Die Inneren Truppen gliederten sich 2007 in fĂŒnf Divisionen ( ODON), zehn Brigaden ( OBRON) und eine Anzahl selbstĂ€ndiger Einheiten. Sie sind mit SchĂŒtzenpanzern und eigene Artillerie ausgerĂŒstet. Dem MWD unterstehen mit der Polizija (ĐżĐŸĐ»ĐžŃ†ĐžŃ) außerdem die regulĂ€ren PolizeikrĂ€fte, welche bis MĂ€rz 2011 als Miliz bezeichnet wurden. Diese sind z. B. fĂŒr die Aufsicht ĂŒber die Staatsstraßen zustĂ€ndig. Daneben gibt es die rund 20.000 Mann der Polizei-Spezialeinheit OMON (ОМОН), die fĂŒr NotfĂ€lle, Großlagen und den Schutz des Nukleararsenals zustĂ€ndig sind. Dem MWD untersteht schließlich auch der russische Inlandsgeheimdienst, FSB. Dem Föderalen Sicherheitsdienst FSB wurden unter PrĂ€sident Putin die von Jelzin geschaffenen selbststĂ€ndigen Sicherheitsdienste – die Grenztruppen Russlands – untergeordnet, die etwa 160.000 Mann ausmachen.
Österreichisches Bundesheer, abgerufen am 2. Juni 2012.


Föderale Gliederung

Der russische Föderalismus ist sehr asymmetrisch geprĂ€gt, da das föderale System eine Kombination aus ethnoföderalen Republiken und territorial-föderalen Gebieten darstellt. Die Einteilung des Landes wurde im Wesentlichen aus der Sowjetzeit ĂŒbernommen, sieht man von der Statusanhebung der meisten Autonomen Gebiete zu Republiken und der Aufteilung der vormaligen Tschetscheno-Inguschetischen ASSR in zwei Republiken ab. Russland gliedert sich laut Artikel 65 der russischen Verfassung in 83 Föderationssubjekte. Dazu zĂ€hlen 21 Republiken, 9 Regionen ( Krai), 46 Gebiete ( Oblast), 2 StĂ€dte föderalen Ranges (Moskau und Sankt Petersburg), 1 Autonomes Gebiet und 4 Autonome Kreise. Die Republiken wurden nach den jeweils dominierenden nichtrussischen Volksgruppen definiert, wenngleich ihre Grenzen nicht immer mit den ethnischen ĂŒbereinstimmen, wĂ€hrend die Gebiete in den ĂŒbrigen, mehrheitlich von Russen bewohnten Teilen des Landes nach rein administrativen Gesichtspunkten gebildet wurden. Territorien, in denen kleinere nichtrussische Minderheiten leben, erhalten den niedrigeren Rang eines Autonomen Gebietes, beziehungsweise Autonomen Kreises. Bezogen auf Bevölkerung, FlĂ€che und relativen Wohlstand unterscheiden sich die Föderationssubjekte mitunter erheblich.Obwohl alle Föderationsobjekte formal gleichgestellt sind, sind nur die Republiken berechtigt, eine eigene Verfassung zu erlassen. Sie können zudem internationale VertrĂ€ge unterzeichnen, solange sich diese an die russische Verfassung halten. Besonderheiten der Republiken bestehen zudem in der traditionellen Namensgebung, der Anzahl der Abgeordneten in Regionalparlamenten und spezifischen Gesetzgebungskompetenzen.Die Oblaste und Kraje sind im Unterschied zu den Republiken keine Staaten. Sie verfĂŒgen nur ĂŒber Statuten anstelle von Verfassungen. An der Spitze der Republiken steht meist ein PrĂ€sident. Die ĂŒbrigen Föderationssubjekte werden von dem Leiter der Administration gefĂŒhrt, dem Gouverneur. Die gesetzgebenden Körperschaften in den Republiken sind sowohl Einkammer- als auch Zweikammersysteme. In den Gebieten besteht die parlamentarische Vertretung nur aus einer Kammer.Seit 2005 werden die RepublikprĂ€sidenten und Gouverneure nicht mehr von der Bevölkerung, sondern vom regionalen Parlament gewĂ€hlt. Die Kandidaten schlĂ€gt der PrĂ€sident vor.Im Jahr 2000 schuf PrĂ€sident Putin per Dekret sieben Föderationskreise, welche jeweils mehrere Föderationssubjekte zu einer grĂ¶ĂŸeren Einheit zusammenfassen. Ziel dieser Reform war die StĂ€rkung der vertikalen Machtverteilung und eine VerschĂ€rfung der Kontrolle ĂŒber die regionalen Machthaber. Die Einwohnerzahlen in der folgenden Tabelle beziehen sich auf die VolkszĂ€hlung vom 9. Oktober 2002. Im Jahr 2010 wurde zudem der Föderationskreis Nordkaukasus, durch Ausgliederung aus dem Föderationskreis SĂŒdrussland, als achter Föderationskreis geschaffen.Neben den genannten zwei hierarchischen föderalen Ebenen (1. Föderationskreis, 2. Föderationssubjekt) gibt es noch eine dritte eigenstĂ€ndige Verwaltungsebene, die der kommunalen Selbstverwaltung ( Rajon). Deren administrative Leiter werden von der Bevölkerung direkt gewĂ€hlt. Die Regionen sind gegenĂŒber den kommunalen Selbstverwaltungsorganen administrativ höherstehend und weisungsberechtigt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Russland ist ein entwickeltes Industrie- und Agrarland. Die fĂŒhrenden Industriebranchen sind Maschinenbau sowie die Eisen- und Nichteisenmetallverarbeitung. Gut entwickelt sind auch die chemische und petrolchemische Industrie sowie die Holz-, Leicht- und Nahrungsmittelindustrie.Der Wert des russischen Bruttoinlandsprodukts betrug 2011 ca. 1.884 Mrd. US-Dollar, was einem BIP pro Kopf in Höhe von 13.236 US-Dollar entspricht. Bei BerĂŒcksichtigung der KaufkraftparitĂ€t ist der BIP-Wert jedoch um gut ein Drittel höher.
World Economic Outlook Database, September 2011 des Internationalen WĂ€hrungsfonds.
Der Dienstleistungssektor steuert 62,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Auf den industriellen SekundÀrsektor entfallen rund 32,7 Prozent, auf den Agrarsektor (Bauwirtschaft und Landwirtschaft) 4,7 Prozent.
BayernLB (PDF; 48 kB), abgerufen am 14. Januar 2012.
Die Weltbank schÀtzte, dass rund ein Viertel der gesamtwirtschaftlichen Produktion von der Rohstoffproduktion gestellt wird.Die Gesamtzahl der BeschÀftigten betrÀgt 73,5 Millionen (2006). 30 Prozent der ErwerbstÀtigen arbeiteten 2005 in der Industrie. In der Landwirtschaft waren 10 Prozent, im Dienstleistungsbereich 22 Prozent und im öffentlichen Sektor nochmals 22 Prozent aller ErwerbstÀtigen beschÀftigt.

Wirtschaftliche Entwicklung I: Überwindung der Transformationskrise

Die jĂŒngste Entwicklung des BIP Russlands (KaufkraftparitĂ€t)Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Russlands nach der Auflösung der Sowjetunion war zunĂ€chst von einem drastischen Einbruch der Produktion geprĂ€gt. Dazu trug der Wegfall eingespielter Handelsbeziehungen im Verbund der Sowjetunion bei. Der Übergang von der Planwirtschaft zu einer marktwirtschaftlichen Ordnung war schwierig und gelang nur in Teilbereichen. Insgesamt verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt um gut 40 Prozent. Als sich 1997/98 eine Erholung andeutete, brachen die Erdölpreise ein. Russland musste die Bedienung seiner Staatsschulden einstellen und die Dollarbindung des Rubel aufgeben. Als Putin vor zwölf Jahren Jelzin ablöste, stabilisierte er Russlands Wirtschaft nach einer Ära des Bankrotts in den neunziger Jahren. Die „Politik des Minimalstaates“ unter Jelzin fĂŒhrte dazu, dass die föderale Regierung nicht imstande war, Steuern einzutreiben und fĂŒr Rechtssicherheit zu sorgen. Dies Ă€nderte sich unter der PrĂ€sidentschaft von Wladimir Putin. Um die politische Kontrolle im Staat wieder zu erlangen, stĂ€rkte er den Staatsapparat auf Kosten des Einflusses der Oligarchen.Das Modell, das sich unter Putin bis 2008 in Russland entwickelte, trug ZĂŒge einer korporatistischen Wirtschaft unter FĂŒhrung des Staates. In den ersten vier Jahren von Putins PrĂ€sidentschaft folgte die EinfĂŒhrung einer Flatrate bei der Einkommensteuer (vgl. Steuerrecht (Russland)), eines Drei-Jahres-Budgets und der vollen KonvertibilitĂ€t des Rubels. Um von den Einnahmen des Energiesektors zu profitieren, war die russische Politik darauf ausgerichtet, die staatliche Kontrolle ĂŒber die Energiewirtschaft Russlands zu verstĂ€rken und private Unternehmen aus diesem Bereich zurĂŒckzudrĂ€ngen. Das wurde durch die Zerschlagung des Erdölkonzerns Yukos und die Übernahme des Ölkonzerns Sibneft durch die halbstaatliche Erdgasgesellschaft Gazprom erreicht. Auch außerhalb des Energiesektors baute der Staat seinen Einfluss aus. Die Regierung förderte die Bildung staatlicher Großkonzerne, die strategische Branchen dominieren sollen. So wurden beispielsweise im Bereich des Maschinen- und Automobilbaus private Unternehmen von Staatsbetrieben ĂŒbernommen und durch Subventionen gestĂŒtzt, um diesen fĂŒr Russland wichtigen Branchen Zeit fĂŒr eine Modernisierung zu geben. Industrie in der Oblast WolgogradNoch zu Zeiten der UdSSR waren große ProduktionskapazitĂ€ten vorhanden, die allerdings nicht ausgelastet waren, so dass sich die russische Regierung daran orientierte, durch eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik mittels expansiver, wachstumsorientierter Geldpolitik diese KapazitĂ€ten wieder voll auszulasten. Dies brachte aber auch eine zweistellige Inflationsrate mit sich. Das vom damaligen PrĂ€sidenten Putin gesetzte Ziel, das Bruttoinlandsprodukt in einem Zeitraum von zehn Jahren zu verdoppeln, sollte mittels staatlichen Ausgabenprogramm gefördert werden. DafĂŒr wurden die Ausgaben fĂŒr GehĂ€lter im öffentlichen Dienst, Renten und sonstige Sozialleistungen wie dem HĂ€userbau erhöht. Möglich wurde das Sozialprogramm aber erst durch den Ölboom, der dem Staat hohe Mehreinnahmen bescherte. Durch die Mehreinnahmen konnte Putin die Auslandsverschuldung zurĂŒckfahren, die 2000 noch 166 Mrd. Dollar betrug. Ein Teil der Öleinnahmen floss seit 2004 in einen nationalen Stabilisierungsfonds, der die Auswirkungen schwankender Rohstoffpreise auf Wirtschaft und Staatshaushalt mindern sollte und mögliche inflationĂ€re Tendenzen auf Grund hereinströmender Petro-Gelder abschwĂ€chen sollte. Der 2004 gegrĂŒndete Stabilisierungsfonds wurde 2008 in den Reservefonds (zur Abfederung evtl. rĂŒcklĂ€ufiger Einnahmen) und in den Wohlstandsfonds (zur Rentensicherung) aufgegliedert. Der Wohlstandsfonds betrug 2011 68,4 Mrd. Euro, der Reservefonds 19,9 Mrd. Euro. Zusammen mit einer vorsichtigen Haushaltspolitik war neben den steigenden Rohwarenpreisen der sparsame Umgang mit dem Erdölreichtum ein Grundstein fĂŒr den wirtschaftlichen Erfolg Russlands in den vergangenen Jahren.Die russische Wirtschaft hat sich vom Produktionseinbruch im Zuge der Finanzkrise des Jahres 1998 rasch erholt, da die 1998 eingetretene deutliche Abwertung des Rubels der russischen Wirtschaft Auftrieb verschaffte. Durch die Abwertung wurden auslĂ€ndische GĂŒter verteuert. In Russland hergestellte Produkte wurden auf dem Inlandsmarkt wettbewerbsfĂ€higer. Die gesamtwirtschaftliche Produktion setzte ihren Aufschwung bis 2008 fort. Die russische Wirtschaft machte auf dem Weg zu einer breiter diversifizierten Produktionsstruktur Fortschritte. Außenwirtschaftlich verstĂ€rkte sich die AbhĂ€ngigkeit der russischen Wirtschaft vom Energiesektor allerdings weiter. Trotz krĂ€ftig gestiegener Investitionen wurde in Russland im internationalen Vergleich zu wenig investiert. Investoren kritisierten fehlende Rechtssicherheit, weit verbreitete Korruption, eine ĂŒberbordende BĂŒrokratie und die geringe LeistungsfĂ€higkeit des russischen Bankensystems.

Wirtschaftliche Entwicklung II: Aktuelle Entwicklung

Das neue Russland: Moskau City, Bauphase Mai 2010Im Zuge der Internationalen Wirtschaftskrise wies die russische Wirtschaft seit Mitte 2008 deutlich negative Entwicklungen auf, was in hohem Maße auf ihre immer noch große AbhĂ€ngigkeit vom Rohstoffsektor zurĂŒckzufĂŒhren war. Aufgrund des drastischen Preisverfalls beim Erdöl und Erdgas sanken die Staatseinnahmen. Die weltweite Finanzkrise hatte Russland 2009 hart getroffen. Russland konnte durch seine Antikrisenpolitik grĂ¶ĂŸere BankenzusammenbrĂŒche verhindern, so dass das russische Finanzsystem wieder als stabil gilt. Die Pflichteinlagen bei der Zentralbank wurden hochgeschraubt, Banken bekamen staatliche Hilfen. Fast 300 Milliarden Dollar an Reserven verwendete die Russische Zentralbank, um als Folge des auslĂ€ndischen Kapitalzugs den unter Abwertungsdruck gekommenen Rubel zu stĂŒtzen. 2010 und 2011 setzte eine wirtschaftliche Erholung in Russland ein. Inzwischen betragen die Devisenreserven 2011 wieder 368 Mrd. Euro. Damit verfĂŒgt Russland weltweit ĂŒber die drittgrĂ¶ĂŸten Gold- und Devisenreserven. Der Grund sind AußenhandelsĂŒberschĂŒsse und ZuflĂŒsse an auslĂ€ndischen Investitionen.SpĂ€testens durch diese Krise erkannte die russische Regierung, dass die Fixierung auf den Rohstoffreichtum das Land in eine Sackgasse fĂŒhrt und die AbhĂ€ngigkeit von den Weltmarktpreisen fĂŒr Erdöl, Erdgas oder Metalle zu hoch ist. In seiner Wirtschaftspolitik will PrĂ€sident Wladimir Putin ab 2012 den Schwerpunkt auf die Stimulierung von Investitionen, Schaffung neuer ProduktionskapazitĂ€ten, umfassende Anwendung von Innovationen, Steigerung der EnergieeffektivitĂ€t und Entwicklung moderner Branchen legen. Bereits zu Beginn des 21. Jahrhunderts hatte in Russland eine intensive Diskussion ĂŒber Sonderwirtschaftszonen eingesetzt. Unter Wladimir Putin wurde 2005 ein entsprechendes Gesetz ĂŒber Sonderwirtschaftszonen in der Russischen Föderation verabschiedet. Bis Ende 2009 wurden 15 dieser Zonen konzipiert und bestĂ€tigt, darunter unter anderem zwei Industrie-Sonderwirtschaftszonen ( Jelabuga, Lipezk), vier technologieorientierte Sonderwirtschaftszonen (Moskau, St. Petersburg, Dubna, Tomsk) sowie sieben fĂŒr Tourismus und Erholung.Die Investitionen in die Produktion sollen durch eine Herabsetzung der ZinssĂ€tze gefördert werden. Die Inflation soll weiter eingedĂ€mmt und der nationale Finanzmarkt entwickelt werden. Die Inflationsrate erreichte 2011 ihren niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Die Regierung ist bemĂŒht, preistreibende Faktoren wie die Verteuerung von Treibstoffen und Elektroenergie ĂŒber Quartalsvereinbarungen mit den Anbietern unter Kontrolle zu halten. Der Staatshaushalt soll stabil und ausbilanziert bleiben, so soll eine Angebotsorientierte liberale Wirtschaftspolitik neue ProduktionskapazitĂ€ten schaffen. Dies will der Staat durch technologische NeuausrĂŒstungen (Techparks) und erleichterten Zugang der Wirtschaft zu modernen Technologien stimulieren.WĂ€hrend das Land 1999 noch auf Platz 22 der grĂ¶ĂŸten Wirtschaftsnationen lag, hat es 2012 Platz Neun in der Welt nach nominalen BIP inne. Russlands Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im Vergleich zu Deutschland. Lag der Wert des russischen BIP in Relation zum deutschen im Jahr 2004 bei 21,7 Prozent, waren es 2011 bereits 51,7 Prozent. Der Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) erfolgte 2012 nach 18 Verhandlungsjahren, wodurch die Importzölle sanken und der Modernisierungsdruck der heimischen Wirtschaft immer noch steigt.Neben den alten Industriegebieten Moskau, Nischni Nowgorod, Sankt Petersburg, Saratow, Rostow und Wolgograd sind seit dem Zweiten Weltkrieg weitere Industriestandorte vorzugsweise im asiatischen Teil des Landes entstanden. Die Schwerindustrie konzentriert sich im Ural um Jekaterinburg. Russland nimmt eine fĂŒhrende Rolle in der weltweiten Produktion von Stahl und Aluminium ein. In den letzten Jahren haben sich in Russland weltbekannte Stahlkonzerne mit hoher Finanzkraft gebildet. Dies sind zum Beispiel Evraz, Severstal, Magnitogorsk Iron and Steel Works und Novolipetsk Steel, die zu den weltweit 30 grĂ¶ĂŸten Stahlkonzernen gehören. Wichtige Zentren der Schwerindustrie sind Magnitogorsk, Tscheljabinsk, Nischni Tagil, Nowokusnezk, Tscherepowez und Lipetsk.An den alten Hauptindustriestandorten Moskau, dem Wolgagebiet, dem Nordwesten und dem Ural produzieren zahlreiche Maschinen- und Fahrzeugindustrien, aber auch GerĂ€te- und Anlagenbauherstellung ist hier angesiedelt. Mehrere Zweige des Verarbeitenden Gewerbes wie Maschinenbau, Autoindustrie und RĂŒstungsindustrie einschließlich Luftfahrtindustrie fielen nach dem Ende der Sowjetunion in eine tiefe Krise. Die Produktion ging stark zurĂŒck. In den 2000er Jahren ging es aber auch in der verarbeitenden Industrie wieder bergauf. Vor allem auf MĂ€rkten in der GUS konnten Marktanteile zurĂŒckgewonnen und neue MĂ€rkte in Asien gefunden werden, weil sich einige russische Erzeugnisse als einfacher und preiswerter als westliche Konkurrenzprodukte profilieren konnten. Die Inlandsproduktion von Maschinen und AusrĂŒstungen erreichte 2006 ein Volumen von rund 63 Milliarden Euro.
hik-Russland.de, abgerufen am 14. Januar 2012.
Um die notwendige Modernisierung im Maschinenbau zu forcieren, steuert der Staat die weitere Entwicklung des Maschinenbaus von oben. Dazu gehörte die GrĂŒndung der Staatsholding Rostechnologii, in die Staatsanteile von fast 500 Unternehmen (RĂŒstungsbetriebe, Fluggesellschaften, Lkw- und Waggonhersteller und Maschinenbauer) eingebracht wurden.Der Flugzeugbau war eine der wichtigsten und technisch am höchsten entwickelten Branchen der russischen Industrie. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Produktionsketten zwischen den ehemaligen Unionsrepubliken unterbrochen. Das hatte tiefgreifende negative Auswirkungen auf den russischen Flugzeugbau. Die wichtigsten Entwickler und Produzenten von Flugzeugen in Russland wurden 2006 in der OAK zusammengefasst. 2010 lieferte die OAK 75 Flugzeuge aus bei einem Erlös von vier Milliarden US-Dollar.
Russlands Flugzeugindustrie, Germany Trade and Invest – Gesellschaft fĂŒr Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH (PDF, S. 4; 12,9 MB).
Die bekanntesten russischen Autohersteller sind AwtoWAS, KamAS, Ischmasch oder die GAZ-Gruppe. Sehr oft sieht man noch die in Russland hergestellten Automarken Schiguli, Moskwitsch, Lada Niva und Oka sowie die LKW Kamaz, Ural und andere. Inzwischen kooperieren die russischen Autohersteller mit auslÀndischen Konzernen. Aktuell arbeiten die Volkswagen Group Rus mit der GAZ, Ford mit Sollers, Renault-Nissan und AwtoWAZ sowie General Motors (GM) mit Avtotor zusammen. Dadurch entstanden und entstehen derzeit neue Montagewerke in Kaluga, Nischni Nowgorod, Togliatti, St. Petersburg und Kaliningrad.Bernd Hones (gtai):
Andrang auf Russlands Auto-Markt, in: Moskauer Deutsche Zeitung, 2. Mai 2012, abgerufen am 29. Mai 2012.
Koordiniert wird Russlands RĂŒstungsindustrie vom staatlichen RĂŒstungsexporteuer Rosoboronexport. Rosoboronexport koordiniert die Arbeit der verschiedenen RĂŒstungsfirmen und schließt diese ĂŒber Beteiligungen zu einem gewaltigen RĂŒstungskonzern zusammen.Die chemische Industrie Russlands ist eine der Hauptbranchen der Volkswirtschaft Russlands, deren Anteil am Umfang der Warenproduktion sechs Prozent erreicht. Der chemische Komplex Russlands schließt 15 große Industriegruppen ein, die sich auf den Ausstoß einer vielfĂ€ltigen Produktion spezialisiert haben.
Chemieindustrie in der Russischen Föderation: Geschichte und Perspektive der Entwicklung, Hauptakteure und die Staatspolitik, Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V. (PDF; 206 kB), abgerufen am 1. Juni 2012.
Die fĂŒhrenden Unternehmen in diesem Bereich sind die hochrentablen, erdölverarbeitenden Unternehmen und Produzenten von chemischen DĂŒngemitteln. DarĂŒber hinaus sind in Russland die Herstellung von Chemiefasern, Kunststoffen und Autoreifen stark entwickelt. Die Wirtschaft Russlands wird auch durch die Herstellung von Baustoffen, die Leichtindustrie (hauptsĂ€chlich Textilindustrie) und die Nahrungsmittelindustrie geprĂ€gt.Mit Öl-, Erdgas- oder Kohle betriebene WĂ€rmekraftwerke erzeugten 2003 rund 63 Prozent der gesamten Stromproduktion von rund 851 Mrd. Kilowattstunden. Auf Wasserkraftwerke entfielen 21 Prozent, auf Kernkraftwerke 16 Prozent. Die russische Regierung plant, den Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung bis 2020 auf etwa ein Drittel zu verdoppeln, um noch mehr Erdöl und Erdgas exportieren zu können. Lediglich das Stromnetz und die großen Wasserkraftwerke sind nach wie vor unter staatlicher Kontrolle.Zu den fĂŒhrenden lokalen Einzelhandelsketten gehören mit großem Abstand die X5-Retail Group (zu dem u. a. die Ketten Pjatjorotschka und Perekrjostok gehören), Magnit, bei den internationalen Ketten fĂŒhren die Metro Group und Auchan. Den Bankenmarkt dominieren Staatsinstitute wie Sberbank, WTB, Rosselchosbank und Wneschekonombank. Allein die Sberbank, die frĂŒhere WerktĂ€tigensparkasse der Sowjetunion, hĂ€lt etwa die HĂ€lfte aller Spareinlagen. Über ein landesweites Filialnetz verfĂŒgt nur die Sberbank. Der Anteil der staatlich kontrollierten Banken am Gesamtmarkt betrĂ€gt im Schnitt etwa 50 Prozent. Die grĂ¶ĂŸten russischen Privatbanken ( Gazprombank, Alfa Group, MDM Bank, Rosbank) sind Teil von Industrieholdings und nehmen hauptsĂ€chlich Aufgaben im Rahmen der Holding wahr. Außenwirtschaft Österreich (Hrsg.):
Exportbericht Russland, ĂŒberarbeitet durch das Außenwirtschaftszentrum Bayern (AWZ), Stand: Februar 2011 (PDF, S. 25; 488 kB), abgerufen am 19. Mai 2012.
Von der Lieferstruktur her wichtigster Handelspartner Russlands ist Deutschland, das vor allem industrielle Fertigerzeugnisse wie Maschinen, Anlagen und Spitzentechnologie nach Russland liefert. Russland ist im Gegenzug Deutschlands grĂ¶ĂŸter Rohöllieferant und deckt rund ein Drittel des deutschen Erdgasbedarfs. Das russisch-deutsche Handelsvolumen betrug 2011 75 Mrd. Euro (vgl. 2005: 35 Mrd. Euro). Die VR China hat 2010 Deutschland als wichtigsten Außenhandelspartner abgelöst, ebenfalls von Bedeutung fĂŒr Russland sind die Niederlande, Ukraine, Italien, Weißrussland und die TĂŒrkei. Schon heute ist Russland weltweit zweitgrĂ¶ĂŸter Exporteur von Rohöl und weltweit grĂ¶ĂŸter Exporteur von Erdgas. Der Export von EnergietrĂ€gern und ElektrizitĂ€t hat einen Anteil von 62,8 Prozent an den Gesamtausfuhren (Metalle, Metallprodukte: 9,9 Prozent, Chemikalien: 4,1 Prozent). Russlands Anteil am weltweiten Warenhandel ist trotz seiner bedeutenden Stellung als Rohstofflieferant jedoch vergleichsweise gering. Er betrĂ€gt zwei Prozent, knapp ein Drittel des Anteils Deutschlands.

Tourismus

Das Land verfĂŒgt ĂŒber sehenswerte Naturlandschaften, darunter etliche von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklĂ€rt, sowie zahlreiche SehenswĂŒrdigkeiten von hohem kulturellen Wert. Dennoch liegt Russland bei der Entwicklung seines Tourismusangebots zurĂŒck. 2010 besuchten 2,4 Millionen auslĂ€ndische Touristen Russland, wohingegen 13,1 Mio. Russen zur Erholung ins Ausland reisten.
Russland „weißer Fleck auf der Tourismus-Weltkarte“, Russland-Aktuell, 5. Mai 2011, abgerufen am 9. Juli 2012.
Der Binnentourismus brachte es auf 29,1 Mio. Reisende. Obwohl der Touristenstrom aus Asien und SĂŒdamerika zunimmt, machen GĂ€ste aus Europa – mit Deutschland an der Spitze – den Großteil der Besucher in Russland aus. So sind auch die Einreisezahlen von Urlaubs- und GeschĂ€ftsreisenden in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Waren es 2002 rund 360.000 Deutsche, die das Land bereisten, so kamen 2008 558.000 deutsche Besucher. Allerdings waren davon nur 66.000 Urlaubsreisen Deutscher und der Rest GeschĂ€ftsreisen sowie Familien- und Freundschaftsbesuche.Vgl. KO-RUS-Kurier Nr. 4 (Deutsch-Russischer Austausch), AuswĂ€rtiges Amt, Juli 2010, S. 29 (
PDF).
Aufgrund der beidseitig wachsenden Besucherzahlen zwischen Russland und Deutschland kommt es zu immer mehr Kooperationen und Beteiligungen im Touristikmarkt zwischen beiden LĂ€ndern. Individualtouristen werden allgemein hĂ€ufig (noch) durch Visa-Beschaffung und sprachliche HĂŒrden abgeschreckt, hingegen ist das Land bei Reisegruppen beliebter. Visabeschaffung fĂŒr Touristen ist problemlos; hingegen ist ein GeschĂ€ftsvisum immer noch ein formal umstĂ€ndlicheres Vorhaben.Touristen werden unter anderem durch ein unattraktives und inzwischen ĂŒberholtes aus den Zeiten des Kalten Krieges abgeschreckt. So ist das Russlandbild vieler Menschen aus dem Westen noch von alten Stereotypen geprĂ€gt,
Forsa-Untersuchung zum Russlandbild der Deutschen, Presse-Information vom 7. Dezember 2007 (PDF; 139 kB).
wonach und , meint Alexander Radkow, Chef der staatlichen Tourismusagentur Rostourismus.Tatjana Marschanskich:
Russland ist mehr als Putin und Gazprom, Russland HEUTE, 17. April 2012. Abgerufen am 10. Juli 2012.
Trotz vermehrter AktivitĂ€ten durch die Föderale Tourismusagentur fehlt bislang eine wirksame PR- und Marketingstrategie, die das schlechte des Landes im Westen, insbesondere verursacht u. a. durch eine einseitig verzerrte mediale Berichterstattung,Vgl. Walter Freyer: Tourismus-Marketing: Marktorientiertes Management im Mikro- und Makrobereich der Tourismuswirtschaft, 5. Auflage, MĂŒnchen 2007, S. 152, 571 f., 700; Axel Dreyer, Daniela Dreyer, Diana Obieglo: Krisenmanagement im Tourismus: Grundlagen, Vorbeugung und kommunikative BewĂ€ltigung, Oldenbourg, MĂŒnchen 2001, S. 17. welche vor allem Nachrichten ĂŒber AnschlĂ€ge, Korruption und Unfreiheit enthĂ€lt, beeinflussen könnte.Vgl. Vereinigung fĂŒr deutsch-russisches Wirtschaftsrecht e.V., Mitteilungen Nr. 32 (Jg. 17/2006), Recht und Praxis der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen, Dezember 2006, S. 30–36.Der Tourismus in Russland konzentriert sich vor allem auf die beiden Metropolen Moskau und Sankt Petersburg, dem Venedig des Nordens mit seinem reichen kulturellen Angebot und seiner historischen Innenstadt, die vollstĂ€ndig UNESCO-Weltkulturerbe ist. Typisch fĂŒr St. Petersburg sind die Weißen NĂ€chte mit den hochgeklappten Newa-BrĂŒcken von Ende Mai bis Mitte Juli. DarĂŒber hinaus sind Schifffahrten auf der Wolga sowie Besichtigungen von altrussischen StĂ€dten nordöstlich von Moskau, dem sogenannten Goldenen Ring, gefragt. Der Goldene Ring besteht aus mehr als zwanzig StĂ€dten und stellt die beliebteste touristische Route durch die russische Provinz dar. Natururlaub ist vor allem in Karelien und dem Altai-Gebirge (Weltnaturerbe) möglich. Beliebt sind unter auslĂ€ndischen GĂ€sten die Reisen mit der Transsibirischen Eisenbahn. Rund 9.300 Kilometer legt die Bahn auf dem Weg von Moskau bis nach Wladiwostok zurĂŒck. Dazwischen passiert sie unter anderem Jekaterinburg, Nowosibirsk, die Hauptstadt Sibiriens, Irkutsk, das auch „Paris“ Sibiriens genannt wird, sowie die Region um den Baikalsee, auch dieser ist UNESCO-Weltnaturerbe. Aber auch Kaliningrad, das frĂŒhere Königsberg, zieht immer mehr deutsche Besucher an.Im innerrussischen Fremdenverkehr sind die Badeorte der SchwarzmeerkĂŒste sowie eine Reihe von nordkaukasischen Thermalquellen-Kurorten wie Kislowodsk oder Pjatigorsk von Bedeutung. 400 Kilometer liegen zwischen dem nördlichsten und dem sĂŒdlichsten Punkt der russischen SchwarzmeerkĂŒste. Auf diesem relativ kleinen KĂŒstenabschnitt, der auf dem gleichen Breitengrad gelegen ist wie die Badeorte der Adria und der italienischen und französischen MittelmeerkĂŒste, konzentriert sich innerhalb der von Mai bis Oktober dauernden Saison der Großteil des Seebadbetriebes Russlands.Zunehmender Beliebtheit erfreut sich der Skitourismus im Nordkaukasus. Vor allem im Zusammenhang mit den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi wird hierfĂŒr die Infrastruktur ausgebaut.

Verkehrsinfrastruktur

Mit einer GrĂ¶ĂŸe von 17.075.400 Quadratkilometern liegt das besondere Augenmerk des Landes auf einer möglichst breit gefĂ€cherten und funktionierenden Infrastruktur. Nach der politischen Wende Russlands hatte sich das Verkehrsaufkommen zunĂ€chst aufgrund der wirtschaftlichen AbwĂ€rtsbewegung ĂŒberwiegend nach unten entwickelt, erlebte dann aber ein starkes Wachstum. Die derzeitige Infrastruktur stammt noch zu einem grĂ¶ĂŸeren Teil aus den Zeiten der Sowjetunion und ist inzwischen modernisierungsbedĂŒrftig. Ein anderer Nachteil der russischen Verkehrsinfrastruktur liegt darin, dass die bestehenden Verkehrssysteme kaum Netzwerkeffekte erzeugen. Die Erweiterung und Modernisierung der Transport-Infrastruktur besitzt fĂŒr die russische Regierung daher hohe PrioritĂ€t. 2005 wurde von der Regierung eine Modernisierungsstrategie fĂŒr die Erneuerung der Verkehrswege beschlossen. Die darin genannten Schwerpunkte sind die Fortsetzung der Modernisierungen im Schienen- und Straßenverkehr, die Modernisierung des Luftfahrtsektors und die Verbesserung des Schiffsverkehrs samt der Sanierung der HĂ€fen des Landes. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Forcierung von Konzessionen und anderen Public-Private-Partnership-Modellen im Transportsektor, um auch in diesem Sektor Finanzierungsmittel privater Investoren zu mobilisieren.Trotz schwieriger Bedingungen will sich Russland programmatisch als ein wichtiges Drehkreuz im Asien-Europa-Verkehr und zum Teil auch auf der Nord-SĂŒd-Achse von Nordeuropa Richtung Indien etablieren. Die Logistikinfrastruktur soll dazu vor allem an den Knotenpunkten Moskau und Sankt Petersburg ausgebaut werden.

Eisenbahn
Hochgeschwindigkeitszug Sapsan (nahezu baugleich mit dem ICE 3) auf der [[Bahnstrecke Sankt Petersburg–Moskau]] Rossijskije schelesnyje dorogi, RĆœD)]]Als Massentransportmittel ĂŒber lange Distanzen nimmt die Eisenbahn in Russland einen wichtigen Teil des Verkehrsmarktes ein. Aufgrund der großen Entfernungen bildete im frĂŒhen 20. Jahrhundert die Anbindung des Fernen Ostens eine große Herausforderung, die das Land mit der berĂŒhmten Transsibirischen Eisenbahn herstellen konnte. Parallel dazu wurde Ende des 20. Jahrhunderts zur Erschließung des fernen Ostens Sibiriens die Baikal-Amur-Magistrale vom Baikalsee zum Fluss Amur gebaut. Durch diese beiden und die abzweigenden Strecken wird das Land in west-östlicher Richtung erschlossen. Durch sie kann beispielsweise die Beförderung von GĂŒtern zwischen Pusan und Helsinki von etwa 47 Tagen auf dem Seeweg auf ca. 16 Tage reduziert werden.Im Mai 2001 beschloss die russische Regierung die Umsetzung der Bahnreform. Die Hauptziele war die Liberalisierung des Eisenbahnmarktes und Freigabe der Tarife im Eisenbahnverkehr. Im Rahmen der Bahnreform wurde im Oktober 2003 das ehemalige Bahnministerium (MPS) aufgelöst und Russlands zweitgrĂ¶ĂŸtes staatliches Unternehmen, die Rossijskije schelesnyje dorogi (RZhD) gegrĂŒndet. In den letzten Jahren sind in Russland auch 85 Privatbahnunternehmen entstanden, die heute mehr als 25 Prozent der GĂŒter transportieren und rund 30 Prozent (etwa 200.000 GĂŒterwagen) des gesamten GĂŒterwagen-Bestands in Russland besitzen. Das Streckennetz in Russland wird von der RZhD betrieben. Insgesamt umfasst das gut entwickelte Eisenbahnnetz ( Breitspur mit 1520 Millimeter Spurweite) rund 87.000 Kilometer, davon ist knapp die HĂ€lfte (40.000 Kilometer) elektrifiziert. Auf der Insel Sachalin existieren fast 1000 Kilometer in 1067 Millimeter Breite. Daneben gibt es zusĂ€tzlich 30.000 Kilometer nicht öffentlicher Industriebahnen (alle Angaben 2004). WĂ€hrend in Westeuropa schon seit Jahrzehnten der StraßengĂŒterverkehr der dominierende VerkehrstrĂ€ger ist und die Bahn eine nachrangige Bedeutung hat, konnte der Lkw in Russland erst seit 2000 aufholen. Daher besitzt die Bahn in Russland mit 83 Prozent einen ĂŒberdurchschnittlich hohen Marktanteil am GĂŒterverkehr.

Straßenverkehr
Fernstraßennetz der Russischen Föderation (2007) Hafen von Murmansk LNG-Tanker der Sowkomflot in Juschno-Sachalinsk]]Seit 2000 ist in Russland der Trend zur Straße aber deutlich zu erkennen. Die Straßendichte ist mit 40 Meter Straße pro Quadratkilometer sehr gering. Dies ist unter anderem auf die in großen Teilen des Landes sehr geringe Bevölkerungsdichte zurĂŒckzufĂŒhren. Das Straßennetz in Russland ist von sehr unterschiedlicher QualitĂ€t, sein Ausbau kann mit dem immer stĂ€rker werdenden Straßenverkehr nicht Schritt halten. Die Dichte des Netzes nimmt von West nach Ost stark ab: Je weiter man sich von Moskau nach Osten entfernt, desto mehr verschlechtern sich die StraßenverhĂ€ltnisse. Trotzdem wird der Großteil des GĂŒterverkehrs zwischen Westeuropa und Russland ĂŒber die Straße abgewickelt – im Transit ĂŒber Polen und Weißrussland oder ĂŒber die Nordroute via Polen und die baltischen Republiken sowie ĂŒber Finnland. Dazu trĂ€gt auch der Spurweitenunterschied der Eisenbahnen bei.Das russische Autobahn- und Fernstraßennetz umfasst zusammen etwa 540.000 Kilometer (2001), davon sind zwei Drittel befestigt. Erst seit 2003 existiert eine rĂ€umlich und saisonal durchgehende Straßenverbindung von der Ostsee zum Pazifik. Die Fernstraßen sind außerhalb der Ballungsgebiete in der Regel nicht als Autobahnen oder Schnellstraßen ausgebaut und auch bei grĂ¶ĂŸeren breiten Straßen sind die Richtungsfahrbahnen nicht durch Leitplanken voneinander getrennt. Die wichtigste Fernstraße in Russland ist die Europastraße 30, die in Sibirien endet.

Schifffahrt
Russland verfĂŒgt auch ĂŒber eine betrĂ€chtliche Anzahl von HĂ€fen und befahrbaren Wasserstraßen. 72.000 Kilometer Binnenwasserwege verbinden im europĂ€ischen Teil Russlands die Ostsee, das Schwarze Meer, die Binnenseen und das Weiße Meer miteinander. Wichtige Wasserstraßen dabei sind die Wolga, die Kama, die Nischni Nowgoroder Oka, die Wjatka, der Don und die KanĂ€le, die diese FlĂŒsse miteinander verbinden.In Sibirien sind 24.000 Kilometer schiffbar. Durch die EntwĂ€sserung der großen FlĂŒsse Ob, Jenissei und Lena in das Polarmeer fehlt eine Ost-West Erschließung auf dem Wasserweg und durch Eisbildung ist die Polarroute nur wenige Monate im Sommer möglich. Die Schiffbarkeit der FlĂŒsse und KanĂ€le wird durch meteorologische EinflĂŒsse (Wasserstand) und mangelhaften Ausbau stark beeintrĂ€chtigt. Seit 1990 ist in Russland ein Abbau des Bestands der Binnenschiffsflotte zu beobachten. Die Zahl der Binnenschiffe betrug 2002 8800. Davon waren 8000 GĂŒterschiffe und 800 Passagierschiffe. Die wichtigsten russischen BinnenhĂ€fen sind Archangelsk, Perm, Jaroslaw, Saratow und Tscheboksary.Die Seeschifffahrt gehört zu den stark wachsenden Verkehrsbranchen in Russland. Wesentlicher Grund dafĂŒr ist das steigende Exportaufkommen an Rohöl und Mineralölerzeugnissen. Die wichtigsten SeehĂ€fen befinden sich in St. Petersburg und Kaliningrad an der Ostsee, Noworossijsk und Sotschi am Schwarzen Meer sowie Wladiwostok, Nachodka, Magadan und Petropawlowsk-Kamtschatski am Pazifischen Ozean; Murmansk ist der einzige ganzjĂ€hrig eisfrei gehaltene (Nord-) Atlantikhafen. Im Jahr 2003 betrug der GĂŒterumschlag in den russischen HĂ€fen 285,7 Millionen Tonnen. FĂŒr den GĂŒterverkehr zwischen dem russischen Kernland und der Exklave Kaliningrad ist der FĂ€hrverkehr von Bedeutung.

Luftfahrt
Sicht auf Scheremetjewo Terminal-DIn Russland und der Sowjetunion kam der Luftfahrt schon immer eine große Bedeutung zu, nicht nur dank der technischen Errungenschaften vieler russischer Flugzeugkonstrukteure, wie z. B. Andrei Tupolew. Besonders wichtig ist der nationale Flugverkehr in entlegenen Gebieten, deren Erschließung auf dem Landweg sehr beschwerlich wĂ€re und sich auch grĂ¶ĂŸtenteils nicht lohnen wĂŒrde.Mehrere internationale Fluggesellschaften fliegen außer Moskau auch andere russische StĂ€dte direkt an. Neben der Aeroflot fliegen als grĂ¶ĂŸere Gesellschaften Rossija, S7 Airlines und UTair. Die Zahl von FlughĂ€fen ist in Russland seit 1992 von 1302 auf 496 verringert worden, wobei die Zahl internationaler FlughĂ€fen von 19 auf 70 gestiegen ist. 55 FlugplĂ€tze haben eine befestigte Piste ĂŒber 3000 Meter LĂ€nge. Die grĂ¶ĂŸten und wichtigsten FlughĂ€fen sind Scheremetjewo-2 und Domodedowo in der NĂ€he von Moskau. Die Flugzeugflotte Russlands umfasst zurzeit rund 6000 Flugzeuge, davon knapp 2000 Frachtflugzeuge.

Öffentlicher Nahverkehr
Ein Zug der Baureihe 81-740/741 an der Station Meschdunarodnaja, Linie 4 der Moskauer MetroFast die HĂ€lfte der Passagierbeförderung findet im Nahverkehr statt, vorwiegend ĂŒber das Busnetz, das in 120 StĂ€dten existiert. DarĂŒber hinaus verfĂŒgen 90 russische StĂ€dte ĂŒber ein Obusnetz, in 66 StĂ€dten gibt es Straßenbahnen und VorortzĂŒge und in sieben StĂ€dten auch eine U-Bahn sowie in vier weiteren S-Bahnlinien.In den 1990er Jahren verfielen viele der guten Nahverkehrsnetze und wurden zunehmend durch private Bus- oder Linientaxibetriebe ergĂ€nzt oder ersetzt. Auch in jĂŒngster Zeit wurden in mehreren GroßstĂ€dten Straßenbahn- oder Obussysteme zugunsten von Bussen stillgelegt (so 2008 der Obus in Archangelsk und die Straßenbahn in Iwanowo, oder 2009 die Straßenbahn in Woronesch).

Kommunikationsinfrastruktur

Die Geschichte des Internets in Russland beginnt im September 1990, als die Top-Level-Domain „.su“ fĂŒr die damalige Sowjetunion angemeldet wurde. Diese Domain wird von russischen Websites teilweise bis heute benutzt. Im MĂ€rz 1994 wurde die offizielle Top-Level-Domain „.ru“ fĂŒr russische Internet-Adressen angemeldet. Websites unter dieser Domain machen heute einen betrĂ€chtlichen Teil des russischen Internets – oft kurz Runet genannt – aus. Inzwischen hat das Land auch eine kyrillische Top-Level-Domain. Das russische Internet-Segment rangiert derzeit mit insgesamt mehr als 3,6 Millionen Domainnamen auf Platz vier weltweit. Und es wĂ€chst weiter, denn immer mehr Russen in abgelegenen Orten bekommen Zugriff auf das Internet.In den 2000er Jahren stieg die Anzahl der Internetnutzer in ganz Russland kontinuierlich an: Gab es im Jahre 2000 nur 3,1 Millionen Nutzer (2,1 Prozent der Bevölkerung) landesweit, betrug ihre Anzahl 2007 bereits 28 Mio. (19,5 Prozent).
FOM.ru, abgerufen am 13. April 2008.
Mit mehr als 50 Millionen Internet-Usern wurde Russland 2011 zum europÀischen Spitzenreiter.
german.ruvr.ru, abgerufen am 7. April 2012.
Zu den bedeutendsten Internet-Projekten des Runet gehören die Suchmaschinen Rambler und Yandex, das Online-Netzwerk W Kontakte sowie die Informations- und Nachrichtenportale RBC Informations Systems, Lenta.ru und Gazeta.ru. Zu den bekanntesten Providern gehören grĂ¶ĂŸere Telekommunikationsunternehmen wie CenterTelekom, MGTS, North-West Telecom oder WolgaTelekom.Der Anteil der Internetnutzer an der erwachsenen Bevölkerung wird auf 21 Prozent geschĂ€tzt. Acht Prozent der Russen sollen das Internet tĂ€glich nutzen, wobei dieser Anteil in GroßstĂ€dten mit einer Bevölkerungszahl von ĂŒber 500.000 wesentlich höher sei als in kleineren Orten. MĂ€nner wie Frauen benutzen das Internet zu gleichen Anteilen, das Durchschnittsalter der Benutzer liegt bei 31 Jahre.
ROMIR, Umfrage zur Internetnutzung, zweites Quartal 2007, abgerufen am 13. April 2008.
Im Zuge der staatlichen Förderung des Internet-Ausbaus verzeichnen die Social-Media-AktivitĂ€ten in Russland einen außergewöhnlich starken Auftrieb, entsprechende Plattformen spielen in Russland eine bedeutende Rolle. Besonders populĂ€r sind die in Russland entstandenen Plattformen Vkontakte.ru und Odnoklassniki.ru, die höhere Wachstumsraten ausweisen als internationale, wie etwa Facebook. Auch LiveJournal wird in Russland im internationalen Vergleich ĂŒberdurchschnittlich genutzt. Die Bruttoreichweite der Social Networks betrĂ€gt 49,2 Millionen in Russland lebende Personen. PostbĂŒro auf dem Arbat in Moskau System der russischen Postleitzahlen ([[Postleitzahlenkarte)]]Der ĂŒberwiegende Teil des russischen Postwesens wird vom staatlichen Unternehmen Potschta Rossii abgewickelt. Dieses wurde 2002 aus dem zugleich aufgelösten föderalen Post- und Telekommunikationsministerium ausgegliedert, das auch zu Sowjetzeiten fĂŒr den Postverkehr zustĂ€ndig war. Heute bietet die Potschta Rossii ihre Dienstleistungen in insgesamt ĂŒber 42.000 PostĂ€mtern an, die flĂ€chendeckend ĂŒber ganz Russland verteilt sind. Die Zahl der BeschĂ€ftigten im Unternehmen belĂ€uft sich russlandweit auf rund 415.000.www.russianpost.ru/company/ru/home In vielen StĂ€dten bieten Postfilialen seit Anfang des 21. Jahrhunderts neben grundlegenden Postdienstleistungen – wie etwa dem Versenden und Empfangen von Briefen, Paketen und Telegrammen sowie dem Postgiro – auch ergĂ€nzende Dienste an, darunter öffentliche ComputerarbeitsplĂ€tze mit Internetzugang.Im Briefzustellungsbereich ist Potschta Rossii in Russland Monopolist. Im Bereich der Paketpost sind seit den 1990er Jahren auch international tĂ€tige Kurierunternehmen wie DHL oder TNT in Russland tĂ€tig.Das gesamtrussische Telekommunikationsunternehmen Rostelekom ist das grĂ¶ĂŸte Unternehmen dieser Branche in Russland. Seit dem 1. April 2011 gehören zu ihm die Regionalfilialen Dalny Wostok (Ferner Osten), Sibir, Ural, Wolga, Jug (SĂŒden), Sewero-Sapad (Nord-West) und Zentr (Zentrum). Den Mobilfunkmarkt teilen sich landesweit im Wesentlichen die drei grĂ¶ĂŸten Anbieter des Landes Mobile TeleSystems, Beeline und MegaFon, ferner einige kleinere regionale Anbieter. Diese Branche erlebte in Russland ab dem Jahr 2000 einen rasanten Wachstum: Besaß noch im Jahr 2000 weniger als ein Prozent der russischen Bevölkerung ein Mobiltelefon, ĂŒberschritt 2006 die landesweite Anzahl von Handys bereits die Bevölkerungszahl und betrug mit dem Stand vom 31. MĂ€rz 2007 gut 155 Millionen.

Gesundheit und Soziales



Gesundheitswesen

Im Artikel 41 der Verfassung Russlands ist fĂŒr alle BĂŒrger das Recht auf kostenlose medizinische Grundversorgung verankert. Dieser seit den Sowjetzeiten bestehende Grundsatz ist zum Teil die Ursache dafĂŒr, dass Russland im internationalen Vergleich eine vergleichsweise hohe Anzahl der Ärzte und der KrankenhĂ€user pro Kopf der Bevölkerung aufweist.
LĂ€ndervergleich Welt in Zahlen, abgerufen am 5. April 2008.

WHO-Report 1999 (PDF; 593 kB), abgerufen am 5. April 2008.
Dennoch ist der gesundheitliche Zustand der russischen Bevölkerung schlecht. Gerade beim wirtschaftlichen Niedergang der 1990er Jahre in Russland wurde das Gesundheitswesen stark getroffen.
William R. Leonard: Declining growth status of indigenous Siberian children in post-Soviet Russia. Abgerufen am 5. April 2008.
Das Ergebnis fĂŒhrte zu Ă€ußerst niedrigen Entlohnungen der Ärzte und Krankenschwestern und als Folge zu einer massiven Verschlechterung der QualitĂ€t der medizinischen Versorgung der breiten Öffentlichkeit. So ist inzwischen jede dritte Klinik der 7000 KrankenhĂ€user im Land dringend renovierungsbedĂŒrftig. Schrittweise werden in letzter Zeit die GehĂ€lter fĂŒr das medizinische Personal angehoben sowie staatliche Mittel in die Einrichtung neuer und Modernisierung bestehender Kliniken investiert. In den Jahren 1999 bis 2003 betrugen die durchschnittlichen Gesamtausgaben fĂŒr den Gesundheitssektor in Russland im VerhĂ€ltnis zum BIP 5,70 Prozent.In Russland ist der Gesundheitssektor dezentral organisiert. Das Gesundheitsministerium ist auf föderaler Ebene fĂŒr den gesamten Sektor zustĂ€ndig, die Erbringung der konkreten medizinischen Leistungen (inklusive die Bereitstellung von KrankenhĂ€usern) aber Aufgabe der Föderationssubjekte und Gemeinden. Der Bedeutung der Föderationssubjekte und Gemeinden im Gesundheitssektor gemĂ€ĂŸ werden rund zwei Drittel der gesamten Budgetausgaben von diesen bestritten. Das russische Gesundheitssystem wird durch einen Mix aus Budgetmitteln und Mitteln aus der Sozialversicherung finanziert.

Armut

Nach dem Zerfall der UdSSR ist die Armut bis 1999 mit ĂŒber 40 Prozent Bevölkerungsanteil gestiegen. Seitdem hat sich die Lage bis heute spĂŒrbar gebessert. Der Anteil der Bevölkerung, der unter der Armutsgrenze lebt, betrug 2002 19,6 Prozent, bis 2011 reduzierte sich dieser Wert noch weiter und liegt jetzt bei 12,8 Prozent der Bevölkerung oder 18 Millionen Russen. Offiziell liegt das Existenzminimum bei 170 Euro fĂŒr einen Menschen im arbeitsfĂ€higen Alter vor; bei Kindern liegt der Wert unwesentlich niedriger, bei Rentnern betrĂ€gt er 125 Euro.
Russland-Aktuell, abgerufen am 8. April 2012.
Allerdings verbesserte sich der Lebensstandard regional sehr unterschiedlich. WĂ€hrend besonders in Moskau und St. Petersburg heute einige Viertel in neuem Glanz erstrahlen, ist in anderen Regionen die Armut nach wie vor groß. In Tschetschenien und Dagestan lebten mehr als die HĂ€lfte der Menschen in Armut; weitere arme Regionen sind demnach Inguschetien, Tuwa und Kabardino-Balkarien, Mari El, KalmĂŒckien, Burjatien und Altai und Mordwinien. Dazu beigetragen hat das seit 2001 vervielfachte Pro-Kopf-Einkommen. FĂŒr 2011 betrĂ€gt der Durchschnittslohn 576 € pro Monat. Die großen Einkommensdifferenzen konnten seit 2005 verringert werden, insbesondere die mittlere Einkommensschicht nahm prozentual erheblich zu. Die Renten lagen 2010 das erste Mal seit vielen Jahren ĂŒber dem Existenzminimum. GemĂ€ĂŸ Prognosen steigen sie 2012 auf 238 Euro und bis 2014 auf 268 Euro. PrĂ€sident Putin versprach im Wahlkampf eine Anhebung der GehĂ€lter im öffentlichen Dienst sowie der Stipendien fĂŒr Studenten, da etwa die HĂ€lfte der Bevölkerung zwar nicht als offiziell arm zĂ€hlt, aber zu der einkommensschwachen Schicht zu gezĂ€hlt wird, die nicht in der Lage ist, zentrale soziale BedĂŒrfnisse wie Wohnraum oder zusĂ€tzliche Ausbildung zu finanzieren.
Russlandanalysen 222 (PDF; 883 kB), abgerufen am 8. April 2012.
Die zweistellig steigenden Verbraucherpreise bis 2009 erschwerten die Lebensbedingungen der Ă€rmeren Bevölkerungsschichten. Der jĂ€hrliche Preisanstieg verringerte sich aber in den letzten Jahren wieder. Mit Überwindung der Finanzkrise begann die Arbeitslosenrate zu sinken. In Wachstumsregionen wie Moskau, Kaluga und St. Petersburg tendiert die Erwerbslosigkeit gegen Null. Die Arbeitslosigkeit betrug nach Berechnung nach Standards der Internationalen Arbeitsorganisation 2005 7,1 Prozent und 2011 6,6 Prozent.

Menschenrechte

Unter PrĂ€sident Putin wurde Meinungs- und Pressefreiheit stark eingeschrĂ€nkt und die Macht zentralisiert. Von internationalen BĂŒrgerrechtsorganisationen werden immer wieder EinschrĂ€nkungen der Pressefreiheit seit dem Jahr 2001 kritisiert. Verwiesen wird in westlichen Medien z. B. auf mehrjĂ€hrige GefĂ€ngnisstrafen von Kritikern wie Grigori Pasko und Igor Sutjagin. Das AuswĂ€rtige Amt der Bundesrepublik Deutschland berichtet in seinen LĂ€nderinformationen zu Russland zu den EinschrĂ€nkungen der Pressefreiheit: So ist die staatliche Einflussnahme im Bereich des Fernsehens am deutlichsten. Alle drei landesweit sendenden TV-Stationen sind entweder direkt in staatlichem Besitz, oder unter staatlicher Kontrolle. Im Radiobereich ist die Situation Ă€hnlich. Allerdings bedarf es auch hier nicht einer offiziellen Zensur durch die Regierung. Ähnlich wie in anderen Redaktionen in Westeuropa gibt es auch hier verantwortliche Redaktoren, die alles tun, um BeitrĂ€ge zu vermeiden, die gegen die gewĂŒnschte Redaktionslinie verstoßen und Missfallen erregen könnten. Die Zensur ist in den Köpfen der Leute.Alfred Betschart:
Russland verstehen 
, Politik – Analysen & HintergrĂŒnde, russland.RU, 11. Mai 2007. Abgerufen am 10. Juli 2012.
Am brisantesten ist die Menschenrechtslage seit Jahren im Kaukasus, namentlich in Tschetschenien. Die ÜberprĂŒfung von BĂŒrgerrechten, z. B. bei VerstĂ¶ĂŸen gegen die EuropĂ€ische Menschenrechtskonvention, findet vor dem Obersten Gerichtshof Russlands statt.

Umweltschutz

Zur Zeit der Sowjetunion wurde die russische Natur schwer belastet: von FabrikabfĂ€llen vermĂŒllt, chemisch und atomar verunreinigt. Auch heute gibt es ernsthafte Umweltprobleme in Russland – aber auch ein wachsendes Umweltbewusstsein in der Bevölkerung. Das Recht des BĂŒrgers auf gesunde Umwelt und auf verlĂ€ssliche Informationen ĂŒber ihren Zustand ist im Artikel 42 der russischen Verfassung verankert. Allerdings hat der Umweltschutz in der russischen Politik eine vergleichsweise niedrige PrioritĂ€t, was von internationalen Umweltorganisationen wie WWF oder Greenpeace immer wieder kritisiert wird.
netzeitung.de, abgerufen am 3. April 2008.
So wurden in der Vergangenheit oft gĂ€ngige Umweltstandards bei der Erschließung neuer Erdöl- oder Erdgasvorkommen nur unzureichend eingehalten. Ein bekanntes Beispiel der jĂŒngsten Zeit ist die Erschließung der Fördergebiete Sachalin II, bei der in höherem Maße gegen Umweltauflagen verstoßen worden sein soll.
Sakhalin Environment Watch, abgerufen am 3. April 2008.
Hinzu kommt eine immer noch verbreitete Korruption innerhalb staatlicher Umweltbehörden, die mehrfache VerstĂ¶ĂŸe gegen Umweltauflagen beim Bau von HĂ€usern oder massenhaften illegalen Holzeinschlag ermöglicht. Auch eine Vielzahl von Altlasten aus den Sowjetzeiten, darunter marode Fabriken, die die heutigen Umweltstandards nicht einhalten können, belasten die Umwelt in Teilen des Landes erheblich. Einige StĂ€dte mit solchen Fabriken, wie Norilsk oder Dserschinsk, gelten als ökologisches Notstandsgebiet.
The Blacksmith Institute, abgerufen am 3. April 2008.
Umso stĂ€rker die LebensqualitĂ€t steigen wird, desto wichtiger und dringlicher werden in Zukunft Umweltfragen in Russlands Öffentlichkeit und Politik diskutiert. Seit 2004 werden vereinzelte BemĂŒhungen der russischen Staatsmacht zum Vorantreiben des Umwelt- und Klimaschutzes sichtbar. So wurde in Russland die Ratifizierung des Kyoto-Abkommens am 5. November 2004 mit der Zustimmung des PrĂ€sidenten zum Beschluss der Staatsduma abgeschlossen.
Ratifizierung des Kyoto-Protokolls in Russland abgeschlossen, russland.RU – russlandintern, 5. November 2004. Abgerufen am 10. Juli 2012.
Am 30. Januar 2008 Ă€ußerte sich der designierte PrĂ€sident Dmitri Medwedew fĂŒr eine schnelle Entwicklung des einheimischen Marktes fĂŒr Innovationstechnologien im Umweltschutz.
RIA Novosti, abgerufen am 3. April 2008.
Inzwischen gibt es PlĂ€ne der Regierung, die Energieeffizienz in Russland zu steigern, um den erheblichen Verlust an WĂ€rmeenergie fĂŒr den Wohnungssektor zu begrenzen, und die darin eine zentrale Entwicklungsaufgabe des Landes sieht.


Kultur und Sport

Die russische Kultur besteht aus einer europĂ€ischen Hochkultur und einer gewachsenen russischen Volkskultur. Zeitweise verstand sich Russland als das radikale Andere des Westens, auch weil die russische Kultur im Vergleich zu der westeuropĂ€ischen ĂŒber lange Zeit eine andere Entwicklung nahm. Diese Entwicklung wurde durch ihren Standort und Ausgangspunkt an der Peripherie der westlichen Kulturentwicklung verursacht. Weiterhin fĂŒhrte das Schisma von 1054 zu einem sich völlig anders entfaltenden orthodoxen Christentum mit einer wachsenden Ablehnung des Katholizismus. Die russische Staats- und Rechtsauffassung, die dem byzantinischen CĂ€saropapismus entstammt, im Unterschied zur römischen Rechtstradition im Westen, trug ebenso zu der Abgrenzung der russischen Kultur zu der westeuropĂ€ischen bei. Im Gegensatz zu der Entwicklung von Nationalstaaten in Westeuropa vollzog sich in Russland ab 1550 der Wandel zu einem Vielvölkerreich, der die kulturelle Entwicklung mitprĂ€gte. Die Ausstellung der FabergĂ©-Eier in der [[RĂŒstkammer des Moskauer Kremls]]Die russische Kultur ist weiterhin durch zeitlich verschiedene Entwicklungsphasen zur westeuropĂ€ischen Kultur geprĂ€gt. Dies lĂ€sst sich durch die geokulturelle Randlage und gleichzeitige Ausdehnung Russlands nach Osten erklĂ€ren, die ein unterschiedliches Evolutionstempo im Wechselspiel verlangsamter und beschleunigter Nachhol- und Entwicklungsphasen hervorrufen, wodurch es in der russischen Geschichte wiederholt zu gesellschaftlichen UmbrĂŒchen und politischen Radikalisierungen kam. Demnach kann Russland als eine Übersetzungskultur angesehen werden, allerdings nicht in passiver Nachahmung, sondern aus dem BedĂŒrfnis des Nachholens und Überbietens. Dies erzeugt produktive Wechselwirkungen, indem Eigenes nach dem imitierten Fremden modelliert wird und so Neues hervorbringt.Russlands Kulturgeschichte beginnt weitgehend mit seiner Christianisierung (988/989) am Ende des 10. Jahrhunderts, wobei auf Ersuchen des Kiewer FĂŒrsten Wladimir I. die byzantinische Kultur in ihren slawisierten Formen fĂŒr die nĂ€chsten sieben Jahrhunderte bei den Russen die Vorherrschaft gewann. Es folgte ein rasches AufblĂŒhen ihres Schrifttums, ihrer Kunst und Architektur nach der EinfĂŒhrung des Christentums.Gerade die Orthodoxie bedingte ein anderes, auf Beharrung und Traditionen basierendes KulturverstĂ€ndnis. Die religiöse Weltanschauung und kirchliche Textauffassung bestimmte und verlangsamte im Moskauer Reich die kulturelle Entwicklung. Eine Erstarrung der russisch-orthodoxen Kultur setzte ab 1500 ein, nachdem der Impulsgeber Byzanz durch den Fall Konstantinopels nicht mehr vorhanden war. Im 17. Jahrhundert begann der Russische Staat westliche EinflĂŒsse aufzunehmen, sowohl ĂŒber direkte Kontakte als auch ĂŒber weißrussische und ukrainische Vermittlung. Peter I. forcierte dann die SĂ€kularisierung und EuropĂ€isierung des gesellschaftlichen Lebens. Peter der Große wollte durch die Ă€ußere EuropĂ€isierung – z. B. Ablegung der BĂ€rte und Annahme der europĂ€ischen Kleiderordnung – eine Änderung der inneren Einstellung erreichen. Die EuropĂ€isierung Russlands erreichte aber nur eine kleine Oberschicht. Russland fand im 19. Jahrhundert den Anschluss an die europĂ€ische Kultur und gehörte um 1900 zu ihrer Avantgarde.Andreas Kappeler: Russische Geschichte, C.H. Beck, MĂŒnchen, S. 88. Neben einer verwestlichten Hochkultur der Oberschicht bestand die traditionelle russische Volkskultur im Volk fort, so dass bis 1914 immer noch zwei Kulturen nebeneinander bestanden. In der Sowjetunion wurde dann unter Stalin der Sozialistische Realismus zur einzigen verbindlichen Kulturnorm erklĂ€rt. Im Ergebnis nahmen die europĂ€isierte und die Volkskultur einen Niedergang. Im neuen russischen Staat erlebte die russische Kultur in den 1990ern eine erneute Krise. So mussten die russischen Kunstschaffenden mit den wegfallenden staatlichen Förderungen und der Konkurrenz in der kapitalistischen Massenkultur in den 1990er Jahren zuerst den daraus resultierenden Stillstand ĂŒberwinden.

Russische Literatur

BuchbeschlĂ€geIn Russland genießt die Literatur eine sehr große WertschĂ€tzung. Die in Westeuropa ĂŒblichen und gĂŒltigen Ordnungsmuster der Poetik und Gattungslehre, wie auch literarische Epochenbezeichnungen werden aber in Russland anders, weil zeitversetzt und in anderer Funktion, verwendet. Der Romanik entsprach in der Kiewer Rus die „Periode der stilistischen Einfachheit“ (11. Jh.), der Gotik das „Zeitalter des ornamentalen Stils“ (12. und 13. Jh.), fĂŒr die folgenden Jahrhunderte vom 14. bis zum 16. gibt es gebrĂ€uchliche ideologische und geopolitische Epochennamen („Periode der geistigen Auseinandersetzungen“ und „Moskauer Literatur“). Erst fĂŒr das 17. und 18. Jahrhundert gelang der Nachweis barocker Stilverfahren und der verspĂ€tete Gleichklang mit dem westeuropĂ€ischen Zeitstil.Der aus der byzantinischen Geschichtsschreibung ĂŒbernommene Grundbestand an geistlichen Texten und Gattungen legte die Grundlage der kirchenslawische Tradition fest, was im slawischen Mittelalter als Literatur und als literarischer Text galt. Es herrschte die Dominanz eines geistlich-kirchlichen Literaturbegriffs (d. h. Lesen und Schreiben – Ă€hnlich wie in der Ikonenmalerei – zum Nutzen der Seele). Andererseits fehlten die Ă€sthetische Funktion, Individualstil, FiktionalitĂ€t (Trennung von Wahrheit und Dichtung), literarische Gattungen im neuzeitlichem Sinn und ein moderner Autorenbegriff. Literatur mit nicht vorherrschend geistlicher Funktion im alten Russland (vor 1700) ist vergleichsweise wenig vertreten. Der literarische Übergang zur Neuzeit vollzog sich im Namen einer möglichst festen und unmittelbaren Anbindung der russischen Kultur an die westeuropĂ€ische Zivilisation unter Peter dem Großen.Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erfĂŒllte die Literatur vorrangig Erziehungs- und ReprĂ€sentationsfunktionen fĂŒr den Staat. Erst gegen 1800 emanzipierte sich die literarische Kommunikation von den AnsprĂŒchen des Hofes, der Bildungsinstitute sowie des MĂ€zenatentums. Russische Autoren erreichten erstmals eine gewisse EigenstĂ€ndigkeit, auch bedingt durch die AnfĂ€nge eines eigenen Buchmarkts. FĂŒr Jahrzehnte dominierte nun das Genre des realistischen Gesellschaftsromans, der die Leser in Europa nachhaltig beeindruckte. Der russische realistische Roman entwickelte seine eigenen Verfahren zur Abbildung der Wirklichkeit und bildete Metastandpunkte bezĂŒglich der destabilisierenden Wirkung westlicher Modernisierung auf traditionelle Lebensformen und gesellschaftliche Strukturen heraus.Zu den russischen Schriftstellern von Weltrang gehören: Fjodor Dostojewski, Nikolai Gogol, Maxim Gorki, Boris Pasternak, Alexander Puschkin, Alexander Solschenizyn, Lew Tolstoi, Anton Tschechow, Iwan Turgenew, der Exilant Vladimir Nabokov und Iwan Bunin, der erste russische Schriftsteller, der mit dem Nobelpreis fĂŒr Literatur ausgezeichnet wurde.1990 verzeichneten BĂŒcher in Russland eine AuflagenstĂ€rke von insgesamt 1,6 Milliarden BĂŒchern. 2004 waren es nur noch 562 Millionen. AuflagenstĂ€rkste Autorin war dabei Darja Donzowa mit 99 BĂ€nden und einer AuflagenstĂ€rke von 18,1 Mio. BĂŒchern.

Musik

Schwarze Augen, gesungen von Fjodor Iwanowitsch Schaljapin]]Die russische Musik reicht weit zurĂŒck. Ihre UrsprĂŒnge liegen im heidnischen Brauchtum der Ostslawen. Nach der Annahme des Christentums entwickelte sich zuerst die kirchliche Musik. UrsprĂŒnglich aus Byzanz gekommen, gewann sie schnell nationale russische Merkmale. Im 11. Jahrhundert bildete sich ein besonderer Typ des orthodoxen Kirchengesangs, der sogenannte Snamenny raspew heraus. Erst im 16. bis 17. Jahrhundert verbreitete sich das lyrische Volkslied. Einige Lieder sind weltberĂŒhmt, wie z. B. Lied der Wolgaschlepper, Kalinka, Katjuscha, Kosakenwiegenlied, Dubinuschka, Korobeiniki, Schwarze Augen.Die AnfĂ€nge der russischen Kunstmusik begannen sich im 18. Jahrhundert zu entwickeln und standen seit Peter dem Großen unter Beeinflussung westeuropĂ€ischer Musik. Der wichtigste Komponist dieser Zeit war Dmytro Bortnjanskyj, in dessen Schaffen sowohl Kunstmusik wie auch die typisch russisch anzusehenen A-cappella-GesĂ€nge der orthodoxen Kirchenmusik vertreten sind. Wendungen aus der russischen Volksmusik tauchen erstmals verstĂ€rkt in den Opern und OrchesterstĂŒcken Michail Glinkas und Alexander Dargomyschskis auf, wodurch sie den Weg zu einer nationalrussischen Komponistenschule ebneten. Im Anschluss daran formierte sich aus fĂŒnf jungen Komponisten die sogenannte Gruppe der FĂŒnf ( Alexander Borodin, CĂ©sar Cui, Mili Balakirew, Modest Mussorgski, Nikolai Rimski-Korsakow), welche es sich zur Aufgabe machte, gezielt die EigentĂŒmlichkeiten russischer Volksmusik fĂŒr Symphonien, Opern, Tondichtungen und Kammermusik nutzbar zu machen. Pjotr Iljitsch TschaikowskiIn Kontrast dazu entwickelte sich eine eher an westlicher Musik (besonders der deutschen Romantik) orientierte Gegenströmung, die durch Anton Rubinstein begrĂŒndet wurde. Ihr gehörte auch der bedeutendste russische Komponist des 19. Jahrhunderts, Pjotr Tschaikowski, an, dessen Werke (Symphonien, Opern, Ballette, Kammermusikwerke) der russischen Musik erstmals auch im Ausland zu grĂ¶ĂŸerem Ansehen verhalfen. Die nachfolgenden Komponisten wie Anatoli Ljadow, Sergei Tanejew, Anton Arenski, Alexander Gretschaninow, Alexander Glasunow und Wassili Kalinnikow setzten in ihren Kompositionen vor allem auf eine aussöhnende Vereinigung des westlich-internationalen und des russisch-nationalen Stiles. WĂ€hrend Sergei Rachmaninow in seinen Klavierkonzerten und Symphonien den Stil Tschaikowskis eigenstĂ€ndig weiterentwickelte, hielt mit Alexander Skrjabin, Schöpfer eines eigenwilligen harmonischen Systems, erstmals die musikalische Moderne in Russland Einzug.Der Expressionismus ist in der russischen Musik durch das FrĂŒhwerk Igor Strawinskis und Sergei Prokofjews reprĂ€sentiert. In den 1920er Jahren experimentierten viele Komponisten mit neuartigen musikalischen Gestaltungsmitteln, so auch der junge Dmitri Schostakowitsch, dessen frĂŒhe Werke sich besonders durch satirischen Tonfall auszeichnen. Die meisten Ă€lteren Komponisten hielten dagegen an der Romantik fest, wie Glasunow, Reinhold GliĂšre und Nikolai Mjaskowski, spĂ€ter dann auch Prokofjew. Ab Mitte der 1930er Jahre wurde fĂŒr russische Musiker auf Anordnung Stalins die Doktrin des Sozialistischen Realismus bindend, die avantgardistische Experimente verbot und eine „volksnahe“ Kunst forderte. Dieser Zwang lockerte sich erst nach Stalins Tod 1953 allmĂ€hlich. HauptreprĂ€sentanten einer sowjetischen Musikkultur wurden im Anschluss neben Schostakowitsch vor allem Dmitri Kabalewski und der Armenier Aram Chatschaturjan. Seit etwa 1980 machen sich auch wieder die einst verpönten avantgardistische Elemente in russischen Kompositionen bemerkbar, so bei Edisson Denissow, Sofia Gubaidulina und Alfred Schnittke. Dagegen hielten Komponisten wie der gebĂŒrtige Pole MieczysƂaw Weinberg oder Boris Tschaikowski die Tradition in der Nachfolge Schostakowitschs aufrecht.Die russische Popmusik ist recht vielfĂ€ltig. Neben der althergebrachten Unterhaltungsmusik aus der Zeit der Sowjetunion, der sogenannten Estrada, gibt es eine Reihe unterschiedlicher Genres. Zu Beginn der 1980er Jahre, und vor allem in der Zeit der Perestroika, hatte sich in Russland eine vitale, russischsprachige Rockmusikszene entwickelt. Als Galionsfigur dieser Jahre gilt gemeinhin der im Jahre 1990 verstorbene Frontmann von Kino, Wiktor Zoi, dessen Lieder und Texte eine große Anzahl Jugendlicher ansprachen und die fĂŒr viele Bands der nachfolgenden Jahre prĂ€gend waren. Neben originĂ€ren russischen Bands wie Kino, Ljube, Aquarium, DDT und Nautilus Pompilius, oder den Punkbands Graschdanskaja Oborona und Sektor Gasa wurde die Popkultur im Bereich der Musik stark vom internationalen Mainstream beeinflusst.In den 1990er Jahren etablierte sich in den kulturellen Zentren des Landes, aber insbesondere in St. Petersburg ein weitlĂ€ufiger Underground, der bis heute das gesamte Spektrum der Musik abdeckt. Gegen Ende des Jahrhunderts startete auch das russische MTV. WĂ€hrend dieser Zeit wurde eine Vielzahl von Rockbands gegrĂŒndet und aufgelöst, vor allem aber feierten die bereits in den 1980er Jahren gegrĂŒndeten Formationen große Erfolge. Auch die ersten Bands der Untergrundkultur konnten viele Zuhörer gewinnen, so z. B. Leningrad. Sehr bekannt wurde in dieser Zeit auch Semfira. SpĂ€testens seit Beginn dieses Jahrzehnts hat auch russische Popsa bedeutende Marktanteile inne. Dabei handelt es sich um tanzbare Musik mit einem hohen Elektroanteil, die besonders Teenager zur Zielgruppe hat und sich musikalisch vollstĂ€ndig an international erfolgreichen Projekten orientiert ( Walerija, VIA Gra). Das Duo t.A.T.u. ist die bislang einzige international erfolgreiche russische Popband. Ein weiteres, in der Zeit der Sowjetunion weitgehend an den Rand gedrĂ€ngte Genre erlebt die letzten Jahre ebenfalls eine Renaissance – das russische Chanson. Ein populĂ€rer Star dieser Richtung ist der SĂ€nger Michail Schufutinski.

Museen, Galerien, Ballett, Theater und Oper

Romeo und Julia“, mit Galina Ulanowa und Juri Schdanow]]Moskau und St. Petersburg sind die kulturellen Zentren Russlands mit einer großen Anzahl kultureller Einrichtungen. Allein Moskau weist mehr als 120 Theater, fĂŒnf OpernhĂ€user, sechs professionelle Symphonieorchester sowie zahlreiche Museen und Galerien auf. Das Moskauer Bolschoi-Theater genießt Weltruf, die Eremitage in St. Petersburg und die Staatliche Tretjakow-Galerie in Moskau beherbergen weltbedeutende Kunstsammlungen. In anderen regionalen Zentren haben sich auch kulturelle Szenen entwickelt, so etwa in Nowosibirsk (Theater, Oper), Jekaterinburg (Theater, zeitgenössischer Tanz) und Nischni Nowgorod (zeitgenössische Kunst).Das Ballett hat in Russland eine lange Tradition und ist eine sehr beliebte Form der Unterhaltung. Peter I. lernte Ballett auf einer seiner Reisen nach Westeuropa kennen und war begeistert. An seiner Residenz gab es zwar auch TanzvergnĂŒgungen, aber sie waren anders, folkloristischer, volksnaher. So wurden Ballettspezialisten aus Europa nach Russland engagiert. Damit begann die eindrucksvolle Entwicklung des russischen Balletts, deren TĂ€nzer und Choreographen bald durch das Patronat der russischen Monarchie fĂŒr das Bolschoi und Mariinski Ballett, zu den fĂŒhrenden Europas aufstiegen. In der choreographischen Arbeit Marius Petipas, zu denen insbesondere Pjotr Iljitsch Tschaikowski die Musik lieferte, entstanden mit Der Nussknacker, Schwanensee und Dornröschen die klassischen Meisterwerke im romantischen Ballett in Russland. Spartakus]] Zuschauerraum des Bolschoi-Theaters, erbaut 1776Auf Initiative des Impresarios Sergei Pawlowitsch Djagilew wurden 1909 die wegweisenden Ballets Russes gegrĂŒndet. Auf Tourneen in den KulturhauptstĂ€dten Europas in Paris und London wurde die Kompagnie zum Fixpunkt der europĂ€ischen Kunstavantgarde. Das europĂ€ische Publikum geriet angesichts der, teils dem zeitgenössischem Faible fĂŒr Folklore und Orientalismus, teils der revolutionĂ€ren Neuerungen von Musik, Choreographie und Interpretation, wie beispielhaft in der Inszenierung von Petruschka durch Igor Strawinsky, Michel Fokine und Vaslav Nijinsky, in BegeisterungsstĂŒrme. Das russische Ballett hatte damit in seiner allgemeinen Entwicklung Frankreich als fĂŒhrende Ballettnation entthront. Russische Technik und russisches Repertoire waren nun allgemeine Synonyme des klassischen Balletts. Der Einfluss ging so weit, dass auch bekannte westliche TĂ€nzerinnen (wie Alicia Markova) ihre Namen sogar russifizierten, um Chancen auf ein Engagement zu verbessern.Auch die weltweite Entwicklung des Balletts im 20. Jahrhundert wurde in der Emigration zahlreicher in Russland ausgebildeter TĂ€nzer und Choreographen entscheidend geprĂ€gt. George Balanchine hatte fundamentalen Einfluss auf den choreographischen Stil im zeitgenössischen Ballett und Rudolf Nurejew initiierte mit der Wiederaufnahme des klassischen Repertoires die anhaltende PopularitĂ€t der romantischen Ballette, die bis heute Standardwerke geblieben sind. Durch interpretatorischen Anspruch und technische Bravour setzen sie hier auch nach wie vor MaßstĂ€be.Zwar leitete die weitere politische Entwicklung in der Sowjetunion auch im Ballett eine kĂŒnstlerische Stagnation im Vergleich zu den Entwicklungen im modernen Tanz ein, jedoch blieb durch staatliche Ausbildung wie an der Waganowa-Ballettakademie und der finanziellen Förderung neuer Produktionen das hohe Niveau erhalten. Das sowjetische Repertoire wurde, wie in Sergei Prokofjews „ Romeo und Julia“ und „ Cinderella“ teilweise unmittelbar im Westen adaptiert. Die Entwicklung einer dramaturgischen Inszenierung eines sozialistischen Balletts wurde auf wirkungsvolle Weise in Juri Grigorowitschs Choreographie von „ Spartakus“ umgesetzt, die weiterhin Höhepunkt im Ballettschaffen geblieben ist.Russland brachte so große TĂ€nzerpersönlichkeiten wie Anna Pawlowa, Tamara Platonowna Karsawina, LĂ©onide Massine, Galina Ulanowa, Mikhail Baryshnikov, Natalja Romanowna Makarowa und Maja Plissezkaja hervor. Die heute wohl bekannteste Ballettgruppe ist das Russische Staatsballett mit bisher 20 Millionen Besuchern. Es wurde 1981 von Irina Tichimisowa gegrĂŒndet und ist seit 1984 unter der Leitung von Wjatscheslaw Gordejew, Ex-Bolschoi-Star.

Malerei und Film

Eremitage. Die Eremitage in St. Petersburg ist eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt; die GebĂ€ude selbst sind UNESCO-Weltkulturerbe. Hier findet man ĂŒber drei Millionen Exponate in ĂŒber 350 SĂ€len. Neben archĂ€ologischen Exponaten beherbergt die Eremitage hauptsĂ€chlich große Werke europĂ€ischer Maler. Bedeutende KĂŒnstler wie Rembrandt, Rubens und Gauguin sind ebenso vertreten wie da Vinci und Picasso.]]Auch auf dem Gebiet der Malerei leistete Russland einen großen Beitrag. Die PortrĂ€tmalerei war im 18. Jahrhundert sehr populĂ€r. Aber auch andere Stilrichtungen, wie Historienmalerei und religiöse Malerei wurden hĂ€ufig verwendet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam die europĂ€ische Moderne, wie Impressionismus und Jugendstil, in abgeleiteter Form nach Russland.Im Zusammenhang mit dem Impressionismus und der Russische Avantgarde sind Namen wie Wassily Kandinsky, Kasimir Malewitsch, Alexej von Jawlensky, Wladimir Tatlin, Michail Larionow und Natalja Gontscharowa zu erwĂ€hnen. Zu den großen russische Malern zĂ€hlen außerdem Andrei Rubljow, Ilja Repin, Marc Chagall, Michail Wrubel, Walentin Serow, Wassili Surikow, Iwan Aiwasowski, Isaak Lewitan, zu den bedeutenden Landschaftsmalern gehören Nikolai von Astudin und viele mehr. In neuerer Zeit machen vor allem provokative KĂŒnstler und KĂŒnstlergruppen wie „ Die blauen Nasen“ Furore, welche international ausgezeichnet, von der russisch-orthodoxen Kirche und den Behörden aber immer wieder in die Schranken verwiesen werden.Siehe auch: Liste russischer Maler, Peredwischniki, Mir Iskusstwa, Russische Avantgarde, Suprematismus, Kubofuturismus, Konstruktivismus (Kunst) Filmplakat von Panzerkreuzer Potemkin (1925)Die russische Filmgeschichte begann bereits in der Epoche des Russischen Kaiserreich mit Stummfilmpionieren wie Alexander Chanschonkow, Iwan Mosschuchin und Wera Cholodnaja. Zur Sowjetzeit brachte Russland auch einige der wichtigsten europĂ€ischen Filmregisseure hervor, beispielsweise Sergei Eisenstein und Andrei Tarkowski. Zahlreiche bemerkenswerte russische Filme und Regisseure blieben jedoch aufgrund des Ost-West-Konfliktes im Westen weitgehend unbekannt. WĂ€hrend der Sowjetzeit unterlag das Kino einer strengen ideologischen Zensur, innerhalb des erlaubten ideologischen Rahmens wurde jedoch eine beachtenswerte Talentförderung und staatliche UnterstĂŒtzung des Kinogewerbes betrieben. Auch heute noch betrachten viele Russen die Sowjetzeit, die viele beliebte Schauspieler und Filme hervorbrachte, als den Höhepunkt der russischen Filmkunst und der Schauspielschule.Trotz des postsowjetischen Krise der russischen Filmindustrie erreichten seit den 1990er Jahren russische Filme gelegentlich internationale Erfolge: Zu nennen ist beispielsweise der oscarprĂ€mierte Streifen Die Sonne, die uns tĂ€uscht (1994) von Regisseur Nikita Michalkow, das Jugenddrama The Return – Die RĂŒckkehr (2003) von Andrei Swjaginzew, der hierfĂŒr mit dem Goldenen Löwen bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnet wurde, sowie die Fantasy-Verfilmung WĂ€chter der Nacht – Nochnoi Dozor (2004), die zur kommerziell bislang erfolgreichsten russischen Filmproduktion wurde.Insgesamt lĂ€sst sich in den letzten Jahren ein enormer Anstieg der Kinobesuche in Russland nachvollziehen – wĂ€hrend im Großteil des ĂŒbrigen Europa die Kinobesuchszahlen in den letzten Jahren bestenfalls stagnierten. Ebenfalls außergewöhnlich ist hierbei, dass die russische Filmproduktion bei der beinahen Verdoppelung der Kinobesuche ihren – im Vergleich mit Europa ĂŒberdurchschnittlich hohen – Marktanteil, der seit 2005 stets ĂŒber einem Viertel an allen Kinobesuchen in Russland liegt, halten konnte. Der wichtigste Filmpreis in Russland ist der Nika, welcher von der Russischen Filmkunst Akademie verliehen wird. Zu den grĂ¶ĂŸten russischen Filmstudios gehören Goskino, Sowkino, Mosfilm, Lenfilm und Gorki Filmstudio (vormals Meschrabpom).

Feiertage

Roten Platz in Moskau am 9. Mai 2010]]Als Nationalfeiertage gelten in Russland der sogenannte Tag der Einheit des Volkes am 4. November, der an die Befreiung Moskaus im Jahre 1612 von polnisch-litauischen Fremdherrschern erinnert, sowie der Tag Russlands am 12. Juni anlĂ€sslich der ErklĂ€rung der StaatssouverĂ€nitĂ€t der Russischen SFSR an diesem Tag im Jahr 1990. Daneben gibt es jĂ€hrlich mehrere gesetzliche Feiertage, von denen vor allem das Neujahrsfest (durchgehend vom 1. bis 5. Januar) gefeiert wird. Das Neujahrsfest wurde 2005 verlĂ€ngert, dafĂŒr aber der fĂŒr die Kommunisten wichtigste Nationalfeiertag, der Tag der Oktoberrevolution am 7. November, abgeschafft. Die russisch-orthodoxen Christen feiern Weihnachten nicht wie bei den Christen anderer Konfessionen am 24. Dezember. Sie feiern nach dem Julianischen Kalender am 7. Januar das Fest der Erscheinung des Herrn. WĂ€hrend der Sowjetzeit waren religiöse Feste nicht erlaubt. Doch seitdem im Jahr 1991 der 7. Januar zu einem offiziellen Feiertag erklĂ€rt wurde, wird Weihnachten in Russland wieder richtig gefeiert. Den Heiligen Abend am 6. Januar nennt man in Russland Sotschelnik. Das Fest der Erscheinung des Herrn in der Region Primorje, nahe der Ortschaft PartisanJedes Jahr begeht die russisch-orthodoxe Kirche das Epiphaniasfest. Es ist einer der Ă€ltesten orthodoxen Feiertage und geht zurĂŒck auf die Taufe Jesus im Jordan-Fluss. Trotz Frost zieht es Jahr fĂŒr Jahr Millionen Russen in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar ans Eisloch. An diesem einen Tag im Jahr ist das Wasser aller FlĂŒsse und Seen Russlands heilig, besonders wenn es zuvor von einem orthodoxen Priester gesegnet wurden. Dreimal mĂŒssen Teilnehmende vollstĂ€ndig untertauchen. Vor jedem Eintauchen des Kopfes bekreuzigen sie sich. Die Prozedur soll die GlĂ€ubigen von SĂŒnden reinigen und ihnen neue Kraft verleihen.Der „ Tag des Sieges“ ĂŒber das nationalsozialistische Deutschland (am 9. Mai) besitzt nach wie vor einen hohen Stellenwert in der Bevölkerung. Anfang Mai kommen dazu ĂŒberall in Russland festlich gekleidete Kriegsveteranen zusammen und gedenken der gefallenen Kameraden. Oft fĂ€ngt so ein Treffen an einem Grab oder Grabmal des unbekannten Soldaten oder an einem Ewigen Feuer an. Danach wird die Gedenkfeier entweder bei einem offiziellen Empfang oder privat an einer Festtafel fortgesetzt. Zum Siegestag schenkt man Kriegsveteranen Nelken. Jedes Jahr finden am Siegestag in vielen StĂ€dten Russlands (2011: 23) MilitĂ€rparaden statt.FĂ€llt ein gesetzlicher Feiertag auf einen Dienstag oder einen Donnerstag, ist die Einrichtung eines arbeitsfreien BrĂŒckentags am Montag bzw. Freitag ĂŒblich, indem der vorhergehende Samstag bzw. der nachfolgende Sonntag im Gegenzug zu Arbeitstagen erklĂ€rt werden.

Architektur

alt= Die ZwiebeltĂŒrme russisch-orthodoxer Kirchen haben eine besondere Bedeutung: drei Kuppeln fĂŒr die Dreieinigkeit, fĂŒnf Kuppeln fĂŒr Christus und die vier Evangelisten. SĂ€ulen und Pfeiler stehen fĂŒr Engel und Heilige.
In Russland befinden sich 25 WelterbestĂ€tten, davon 14 als UNESCO-Weltkulturerbe (Stand 2013); darunter befinden sich die AltstĂ€dte und historische Zentren von Derbent, Jaroslawl, Sankt Petersburg, Weliki Nowgorod, Wladimir oder die Kreml von Kasan und Moskau sowie die Holzkirchen von Kischi Pogost.Die frĂŒhe Architektur Russlands orientiert sich an der des Byzantinischen Reichs: frĂŒhe Sakralbauten orientieren sich wie die byzantinischen am Griechischen Kreuz, das von fĂŒnf Kuppeln gekrönt wird. Beispiele hierfĂŒr sind die Sophienkathedrale in Nowgorod, oder die Kirche Sankt Demetrios in Wladimir. WesteuropĂ€ische EinflĂŒsse breiteten sich mit dem Barock aus. BarockeinflĂŒsse (Russischer Barock) begannen sich Ende des 17. Jahrhunderts in Russland zu zeigen (Kirche der Gottesmutter-Ikone von Wladimir zu Kurkino in Moskau). Bedeutendstes Beispiel fĂŒr die Holzbaukunst: Holzkirchen von Kischi Pogost im [[Onegasee. Sommerkirche Christi-VerklĂ€rungskirche (links) von 1714, Winterkirche Maria Schutz und FĂŒrbitte (rechts) von 1764]]Ein eigenstĂ€ndiger russischer Stil hatte sich wahrscheinlich ursprĂŒnglich nur im Bereich der Holzbauten entwickelt, von denen aufgrund des Baumaterials aber keine Bauten erhalten sind, die Ă€lter als das 17. Jahrhundert sind. Die Kirchen, die daraus entstanden, zeichnen sich durch eine einfachere zentrale Anlage und einen großen oktogonalen Mittelturm aus. Diese wurden im Laufe der Zeit immer dekorativer ausgestaltet. Ein berĂŒhmtes Beispiel ist die Basilius-Kathedrale auf dem Moskauer Roten Platz von 1555. Ihren Durchbruch erreichte sie jedoch im von Zar Peter I. gegrĂŒndeten Sankt Petersburg. EuropĂ€ische Architekten wie Andreas SchlĂŒter oder Domenico Trezzini kamen nach Russland, sie bauten GebĂ€ude wie das Menschikow-Palais oder die Peter-und-Paul-Festung.Architektur von Weltniveau erreichten die Baumeister unter Katharina II. ( Bartolomeo Francesco Rastrelli). Die PalĂ€ste wie der Winterpalast in St. Petersburg, das Schloss Peterhof oder der Katharinenpalast zeigen an den Fassaden einen großen und gewaltigen Rokoko-Stil und sind im Inneren exorbitant luxuriös ausgestattet. Katharinenpalast in PuschkinMit dem Klassizismus, der in Russland ungefĂ€hr zur selben Zeit einsetzte wie im restlichen Europa, begannen erstmals originĂ€r russische Baumeister wie Iwan Jegorowitsch Starow eine herausragende Stellung einzunehmen. Die meisten GebĂ€ude der Petersburger Innenstadt sind bis heute klassizistisch geprĂ€gt. Ein Paradebeispiel dafĂŒr ist die Rossistraße in Sankt Petersburg, benannt nach dem Architekten Carlo Rossi, deren Gesamtanlage einschließlich der HĂ€user einem streng geometrischen Gesamtmuster folgt. In den Sakralbauten wie der Isaakskathedrale allerdings mischen sich klassizistische und historistische Stilelemente.Anfang des 20. Jahrhunderts waren avantgardistische Strömungen in der gesamten russischen Kultur stark. Nach der Oktoberrevolution konnten ihre Verfechter diese einige Jahre lang umsetzen. Beispielgebend ist hier El Lissitzky oder neuartige Prototypen fĂŒr Wohnungsbau, Industriebau und fĂŒr die öffentliche Verwaltung. Internationale Architekten wie Le Corbusier, Walter Gropius, Peter Behrens und Ludwig Mies van der Rohe konnten in Moskau bauen. Unter Stalins Herrschaft erfolgte jedoch schnell ein RĂŒckschlag auf monumental gesteigerte klassische Muster. Der ZuckerbĂ€ckerstil begann vorherrschend zu werden, die ReprĂ€sentativitĂ€t stand gegenĂŒber kĂŒnstlerischen EntwĂŒrfen klar im Vordergrund. In der spĂ€t-sowjetischen Phase der 1970er Jahre bis zum Zusammenbruch des Sowjetreiches entstanden in allen Teilrepubliken einzigartige, teils futuristische Bauwerke,
Cosmic communist constructions photographed by Frederic Chaubin
deren radikale Ästhetik und eigenwillige Formensprache im Gegensatz zur konformistischen Staatsarchitektur stand. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion wird zunehmend ein historisierender Baustil modern, der AnknĂŒpfungspunkte in der traditionellen russischen Architektur sucht. Beispiele hierfĂŒr sind neben vielen anderen GebĂ€uden die wiederaufgebaute Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, oder die gleichnamige Kathedrale in Kaliningrad.

Russische Volkskultur

Isba in Kulaschino, Oblast Twer]]Die WohnhĂ€user in Russland wurden lange in Blockbauweise (Isba) errichtet. Diese BlockhĂ€user findet man heute noch auf den Dörfern. Sie sind meist in blauen oder grĂŒnen Farbtönen gestrichen und besitzen phantasievolle geschnitzte, meist weiße Fensterrahmen. Blau und GrĂŒn sollen als Farben der Orthodoxie böse Geister vertreiben.Veronika Wengert: Russland: EuropĂ€ischer Teil, S. 69.Russisches traditionelles Handwerk bildet einen wichtigen Aspekt der russischen Volkskultur. In der Waldzone der Nordost-Rus entwickelten sich das Drechslerhandwerk und die Holzschnitzerei. An Orten, an denen Lehm vorhanden war, entwickelte sich das Keramikhandwerk. In den nördlichen Regionen Russlands mit seinen ausgedehnten Flachsfeldern wurden Spitzen geklöppelt. Der Ural mit seinen reichen Vorkommen von Eisenerz sowie von Halbedel- und Schmucksteinen ist fĂŒr seine Gießkunst, den Waffenschmuck und Schmuckartikel berĂŒhmt. BerĂŒhmt ist das Dymkowo Keramik-Spielzeug, Chochloma, Keramik aus Gschel und Lackminiaturen aus Palech. Matroschka ist das beliebteste russische Souvenir. Schon ein paar Jahre nach ihrem Aufkommen wurde die Matrjoschka auf der Pariser Weltausstellung von 1900 demonstriert, wo sie eine Medaille verdiente und weltweiten Ruhm erlangte.Zur traditionellen russischen Kleidung gehörten Kaftan, Kossoworotka und Uschanka fĂŒr MĂ€nner, Sarafan und Kokoschnik fĂŒr Frauen, mit Lapti aus Bast und Walenki (Filzstiefel) als ĂŒbliches Schuhwerk. Zur traditionellen Kleidung der Kosaken aus dem sĂŒdlichen Russland gehören Burka und Papacha. Zubereitung von Pelmeni, die ursprĂŒnglich aus Tatarstan und Sibirien stammen, [[Chochloma-Handarbeit ist im Hintergrund abgebildet.]] FamilienportrĂ€t in Russland (1844) mit dem Samowar Russische TroikaDie russische KĂŒche, eine typische BauernkĂŒche, verwendet viele Zutaten aus Fisch, GeflĂŒgel, Pilzen, Beeren und Honig. Gegessen wird Brot, Pfannkuchen, getrunken wird Kwas, Bier und Wodka. In Russland ist Wodka ein Teil der russischen Kultur. Laut russischen Chroniken entstanden im Russland des 12. Jahrhunderts erste Brennereien. ZunĂ€chst wurde Wodka fĂŒr medizinische Zwecke verwendet. Russischer Wodka wird aus Getreide hergestellt. Traditionell bevorzugt man in Russland einen reinen, nicht aromatisierten Wodka, der bei Zimmertemperatur meist in Gesellschaft getrunken wird. In Russland wird zu Wodka oft etwas Salziges serviert. Schmackhafte Suppen und Eintöpfe wie Schtschi, Borschtsch, Ucha, Soljanka und Okroschka kennzeichnen die russische KĂŒche. BerĂŒhmt sind auch russische Teigspeisen wie Piroschki, Blini und Syrniki. Kiewer Kotelett, Pelmeni und Schaschlik sind beliebte Fleischgerichte, die letzten beiden sind tatarischen und kaukasischen Ursprungs. Weitere verbreitete Fleischgerichte sind Kohlrouladen (golubzy) in der Regel mit Fleisch gefĂŒllt. Typisch russisches Salate sind Vinaigrette (russ. ), Oliviersalat und Hering im Pelzmantel (russ. ). Tee wird in Russland bereits seit dem 17. Jahrhundert in jedem Haushalt getrunken, sodass sich in Russland eine richtige Teekultur entwickelte. Zur Zubereitung des Tees wird in Russland traditionell ein Samowar verwendet, er gilt in Russland als eine Art Nationalsymbol.Russlands große Anzahl von ethnischen Gruppen verfĂŒgt ĂŒber ausgeprĂ€gte Traditionen der Volksmusik. Typische russische Musikinstrumente sind Gusli, Balalaika, Schaleika und Garmon. Das russische Volk besitzt eine reiche Tanzfolklore. Berichte ĂŒber russische TĂ€nze finden sich seit dem 11. Jahrhundert. TĂ€nze spielen fĂŒr das russische Volkes eine große Rolle. In vielen TĂ€nzen kommen die nationalen ZĂŒge des russischen Charakters sehr klar zum Ausdruck. Die Ă€lteste Art des russischen Tanzes ist der so genannte Chorowod, ein Reigentanz einer Gruppe von Teilnehmern, die sich an den HĂ€nden halten. Die zweite Art von TĂ€nzen, die fĂŒr die russische Tanzkunst charakteristisch ist, sind die ImprovisationstĂ€nze. Sie werden als SolotĂ€nze (Mann oder Frau), in Paaren oder von mehreren Tanzenden aufgefĂŒhrt. In diesen TĂ€nzen kommt die IndividualitĂ€t des Tanzenden besonders stark zum Ausdruck. Der Perepljas ist eine Art Tanz um die Wette, wobei jeder der Reihe nach auftretende TĂ€nzer bestrebt ist, den anderen durch seine Tanzmeisterschaft, Phantasie und bessere AusfĂŒhrung der Bewegungen zu ĂŒbertrumpfen.Russland besitzt eine ausgeprĂ€gte Dampfbadkultur, die Banja. Der Besuch der Banja ist ein Ritual. Dort finden bis heute wichtige GesprĂ€che, GeschĂ€ftsverhandlungen und politische Besprechungen statt. Sogar im Kreml gibt es eine Banja. Nach alter russischer Tradition klopft man sich vorsichtig mit Weniks ab – in warmes Wasser getauchte, getrocknete BirkenzweigbĂŒndel. Zur Erholung und zum entspannen verbringen russische Stadtbewohner die Wochenenden oder ihren Urlaub gerne in einer Datscha, einem Land- bzw. Ferienhaus mit Garten. Seit drei Jahrhunderten gehören die Datschen zur russischen Geschichte und Kultur. Auch in vielen russischen Balladen und in der russischen Literatur findet die Datscha oftmals ErwĂ€hnung. Ab Mitte Mai beginnt die Datscha-Saison. Rund um St. Petersburg und Moskau gibt es sehr viele Datschen-Vororte, die sich im Laufe ihrer Geschichte immer weiter von der Stadt entfernt haben. Bekannt sind auch die russischen MĂ€rchen, die ihre UrsprĂŒnge in der heidnischen Zeit der Rus haben. Sie bildeten die Grundlage fĂŒr die berĂŒhmten sowjetischen MĂ€rchenfilme. Sie haben MĂ€rchengestalten wie „ VĂ€terchen Frost“, das „ Schneeflöckchen“ oder die „ Hexe Baba Jaga“ auch nach Mitteleuropa gebracht.Die russische Gastfreundschaft selbst in wirtschaftlich schwierigsten Zeiten ist sprichwörtlich. Bei einer Einladung versucht der Gastgeber bewusst, so viele verschiedene Gerichte wie möglich zuzubereiten. Das zeigt, dass fĂŒr die GĂ€ste an nichts gespart wird. Bis heute lebt der Brauch, bei offiziellen AnlĂ€ssen ein rundes Brot mit einem SalzgefĂ€ĂŸ in der Mitte an den wichtigsten Gast auszuhĂ€ndigen. Brot war lange Zeit das Hauptnahrungsmittel in Russland. Salz war rar und deswegen sehr teuer.Vgl. Bernhard Schleißheimer: Rußland in meinem Leben. Aus den Erinnerungen eines alten Mannes (Teil I), in: Nikolaus Lobkowicz u. a. (Hrsg.): Russische Deutschlandbilder und deutsche Russlandbilder (= FORUM fĂŒr osteuropĂ€ische Ideen- und Zeitgeschichte, 12. Jg. 2008, Heft 2), Zentralinstitut fĂŒr Mittel- und Osteuropastudien (ZIMOS), Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2008, ISBN 978-3-412-20277-4, S. 143–178, hier
S. 170.
Ein im 19. Jahrhundert sehr verbreitetes Straßenbild im Winter war die Troika, das typisch russische Dreigespann. Dazu werden drei Pferde vor einer Kutsche oder einem Schlitten nebeneinander angeschirrt. Am Bogen hĂ€ngt ein Glöckchen, das wĂ€hrend der Fahrt stĂ€ndig bimmelt und die Pferde in Trab hĂ€lt. Die Troika stammt von den Waldai-Höhen, einer HĂŒgellandschaft zwischen Moskau und St. Petersburg, und wird heute als Folklore gepflegt.

Sport

Medwedew feiert im Moskauer Kreml mit der Nationalmannschaft den Triumpf bei der Eishockey-Weltmeisterschaft 2008.In Russland hat Sport einen relativ hohen Stellenwert, was man auf die umfassende sportliche Förderung in der UdSSR zurĂŒckfĂŒhren kann (vgl. Sport in der Sowjetunion). 2008 besaß Russland 2687 Stadien ab 1500 SitzplĂ€tze und mehr als 3762 SchwimmbĂ€der und 123.200 Sportanlagen. Der Breitensport ist bedeutend, so liegt die Zahl der Mitglieder in den Sportvereinen bei 22,6 Millionen Menschen, darunter 8,1 Millionen Frauen.
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Die beliebteste Mannschaftsportart der Russen ist Fußball (vgl. Fußball in Russland), das einen Boom erlebt – begĂŒnstigt durch starke finanzielle Sponsorenförderung aus der Wirtschaft. Eishockey (vgl. Eishockey in Russland) ist die zweitbeliebteste Mannschaftssportart. Basketball ist die drittbeliebteste Mannschaftssportart, aber auch Schach und neuerdings Tennis erfreuen sich großer Beliebtheit. Russland hat bereits zahlreiche Weltklassesportler hervorgebracht. Besonders in den Sportarten Leichtathletik, Wintersport, Turnen/Gymnastik und Gewichtheben dominieren russische Sportlerinnen und Sportler. Aus keiner Nation stammen mehr aktuelle und ehemalige Schachweltmeister und Großmeister als aus Russland.Russland nahm bisher 17-mal an Olympischen Sommerspielen und 15-mal an Olympischen Winterspielen teil. Bislang konnten Sportler aus Russland 1738 olympische Medaillen bei den Sportwettbewerben erringen und belegt damit Platz zwei des ewigen Medaillenspiegels.1980 war die damals sowjetische Hauptstadt Moskau zum ersten Mal Ausrichter der Olympischen Sommerspiele. Der Schwarzmeer-Kurort Sotschi wird 2014 zum ersten Mal die Olympischen Winterspiele in Russland ausrichten. DarĂŒber hinaus ist Russland hĂ€ufig Austragungsort von internationalen Wettbewerben wie Welt- und Europameisterschaften. So trĂ€gt Russland zum ersten Mal die Fußball-Weltmeisterschaft aus, die 2018 unter anderem in Moskau, Sankt Petersburg, aber auch in der Exklave Kaliningrad entschieden wird.Im Motorsport stellt Russland mit Vitali Petrov einen Formel-1-Piloten und plant einen Russland-Grand-Prix in der NĂ€he von Moskau. Auch die DTM und die Superbike-WM waren schon in Moskau zu Gast.Eine DomĂ€ne stellt Russland im Eisspeedwaysport dar: die russischen Eisspeedway-Piloten stellten Eisspeedway-Weltmeister in Serie, zum Beispiel Nikolai Krasnikow, Gabtraham Kadyrow und auch Anatoli Bondarenko.Mit Emil Sayfutdinow stellt Russland einen Speedway-Weltklassefahrer erster Garnitur.

Medien

Seit dem Zusammenbruch des Sowjetsystems gab es viele Umstrukturierungsphasen im russischen Mediensektor. Staatliche Reformen haben den Medienmarkt zu Beginn der 1990er Jahre privatisiert. Viele Zeitungen, Verlage und Fernsehsender gingen seitdem Allianzen mit Oligarchen ein, um ihr Überleben zu sichern. Dabei gerieten sie aber unter deren Kontrolle, die durch Manipulationen politischen Einfluss ĂŒber die Medien ausĂŒben.Simone Schlindwein:
Zwischen Propaganda und Kommerz – Medien(un)freiheit in SĂŒdost-, Mittelost- und Osteuropa (PDF; 2,8 MB), S. 23, abgerufen am 29. April 2012.
Die Medienimperien von Boris Beresowski und Wladimir Gussinski () wurden sodann unter Putin wieder aufgelöst. Die grĂ¶ĂŸten russischen Medienholdings sind die Gazprom-Media und die WGTRK, die Allrussische Staatsgesellschaft fĂŒr Fernsehen und Radio. Heute wird Medienzensur in Russland offiziell nicht mehr praktiziert. GemĂ€ĂŸ der russischen Verfassung, Kapitel 2, Artikel 29 ist die Freiheit der Meinung und des Wortes garantiert, so auch die Medienfreiheit. Propaganda und Agitation, die soziale, rassische, nationale und religiöse Feindschaft schĂŒrt, ist verboten. In vielen FĂ€llen berĂŒcksichtigen aber russische Medien staatliche Interessen in ihrer Arbeit. Die meisten Russen bevorzugen das Fernsehen als Informationsquelle Nummer eins, gefolgt von Zeitungen. Nach Angaben von Roskomnadsor (Aufsichtsbehörde fĂŒr Massenmedien, Kommunikation und den Schutz des kulturellen Erbes) sind in Russland derzeit 66.032 Medien gelistet. Darunter finden sich 5.254 TV-Sender, 3.769 Radiosender, 28.449 Zeitungen und 21.572 Zeitschriften.
Die Medienlandschaft in Russland, Webseite der bpb, abgerufen am 29. April 2012.
Newsroom der Redaktion RIA Novosti in MoskauDie tagesaktuelle Presse der UdSSR wurde jahrzehntelang vor allem durch die halbamtliche Presseagentur TASS mit Informationen versorgt. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR entwickelte sich in Russland eine freie Presse, die sich jedoch heute wieder zunehmender Repressalien durch die Regierung ausgesetzt sieht. Unter den Printmedien gilt die Boulevardzeitung Moskowski Komsomolez als die beliebteste im Land. Nach eigenen Angaben erreicht die Boulevardzeitung etwa 1,3 Millionen Leser. Sie ist auch die gĂŒnstigste. Wichtigste Tageszeitung ist die Komsomolskaja Prawda, mit einer Auflage von heute 830.000 Exemplaren. Die Tageszeitung Rossijskaja Gaseta (Auflage: 430.000 Exemplare) ist ein Verlautbarungsblatt der russischen Regierung mit Sitz in Moskau. Russische Gesetze und Erlasse treten erst mit der Veröffentlichung in der Rossijskaja Gaseta in Kraft. Eine staatliche Informations- und Analyseagentur ist seit 1993 die RIA Novosti mit eigenen Korrespondenten in mehr als 40 LĂ€ndern. Der Journalist Wladimir Wladimirowitsch Posner im Interview mit US-Außenministerin [[Hillary Clinton im MĂ€rz 2010 in Moskau.]]In den meisten Teilen Russlands können drei landesweite und ein bis zwei regionale Fernsehsender empfangen werden. In Moskau sind je nach Lage mehr als ein Dutzend Fernsehanbieter terrestrisch empfangbar. Der Perwy kanal, dt.: Erster Kanal, ist landesweit der Sender mit der grĂ¶ĂŸten Reichweite und kann von 99,8 Prozent der russischen Bevölkerung empfangen werden, die wöchentliche Zuschauerschaft beim Sender erreicht ĂŒber 80 Prozent der Bevölkerung. Ein Teil der russischen Fernsehsender wird vom staatlichen Medienkonzern WGTRK betrieben. Zu dessen Angebot gehört der Kanal Rossija 1, der laut eigenen Angaben von ca. 98,8 Prozent der russischen Bevölkerung empfangen wird. Auch ein Sportsender namens Sport ( russisch: ĐĄĐżĐŸŃ€Ń‚) und ein Kultursender namens Rossija K werden von WGTRK betrieben. Daneben gibt es seit 2005 den international ausgerichten, englischsprachigen Sender Russia Today mit Sitz in Moskau, dessen erklĂ€rte Ziele sind, alte Vorurteile und Klischees ĂŒber Russland abzubauen und dem Publikum die russische Sichtweise auf das internationale Geschehen vorzustellen. Auch Entwicklungen innerhalb Russlands sollen hier aus russischer Perspektive beleuchtet werden. Vesti ist einer der wichtigsten NachrichtenkanĂ€le Russlands. Er ist ein Teil von Telekanal Rossija und RTR. Der TV-Sender Russian TV international wird speziell fĂŒr die im Ausland lebenden Russen produziert. RT ist die russische Antwort auf CNN. So hat RT auf YouTube bereits nahezu 300 Millionen Aufrufe, wĂ€hrend [[CNN kaum 3 Millionen erreicht.
RT: Clinton asks for cash as US „losing world info war“, abgerufen am 12. MĂ€rz 2011.
]]In den 1990er Jahren entwickelten sich in Russland mehrere teils landesweite private Fernsehsender, die auch unabhĂ€ngige und auch regierungskritische Informationssendungen im Programm hatten. Zu Beginn der 2000er Jahre gerieten jedoch die landesweit empfangbaren Sender unter die indirekte Kontrolle des Staates oder wurden geschlossen und durch staatliche Sender ersetzt. So sendet Sport heute auf der Frequenz von TW-6. Russland sendet mit der Fernsehnorm SECAM (Variante Osteuropa). Russland plant langfristig (in den 2010er Jahren) DVB-T einzufĂŒhren. Angeblich sollen derartige GerĂ€te subventioniert werden, damit sich die Bevölkerung das verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig teure GerĂ€t anschaffen kann.Neben dem staatlichen Radio Rossii gibt es zahlreiche private Hörfunksender – meist Lokalsender. Einige Moskauer Stationen haben auch Lizenzen in den Regionen. Der Sender Echo Moskwy gilt als einziger verbliebener Vertreter regierungskritischer Medien. Russische Radiosender nutzen heutzutage die auch in Deutschland ĂŒblichen UKW-Frequenzen (87,5 MHz bis 108,0 MHz) unter der englischen Bezeichnung „FM“. Zu Sowjetzeiten wurde das so genannte OIRT-Band (65,9 bis 73,1 MHz) genutzt, wo heute unter dem Namen UKW noch einzelne Sender laufen. Viele russische Wohnungen haben einen Radiostecker, mit dem man in der Art des Drahtfunks ein bis drei Sender empfangen kann. Die simplen GerĂ€te benötigen keine weitere Stromversorgung und haben oftmals als einziges Bedienelement einen LautstĂ€rkeregler. Unter der Bezeichnung „ Stimme Russlands“ wird der umfangreiche Rundfunk-Auslandsdienst betrieben.

Bildung und Wissenschaft

Labortechniker bei der DurchfĂŒhrung von Experimenten im Labor des ChemRar High-Tech-Centers, [[Oblast Moskau]] Herstellung von Membran-Filter fĂŒr Blutplasma mit neuen Nanontechnologien in der technologischen Sonderwirtschaftszone DubnaErste AnfĂ€nge der wissenschaftlichen TĂ€tigkeiten gab es in Russland bereits zu Zeiten der Kiewer Rus. So stammen die ersten ĂŒberlieferten Chroniken, die Nestorchroniken, aus dem Jahr 1070. Dort wurden vor allem historische Ereignisse und auch meteorologische Beobachtungen festgehalten.Wissenschaft als soziale Einrichtung entstand in Russland aber erst Anfang des 18. Jahrhunderts unter der Herrschaft Peter des Großen. Zu dieser Zeit wurden die ersten wissenschaftlichen Einrichtungen des Russischen Reichs gegrĂŒndet, vor allem 1724 die Akademie der Wissenschaften. 1755 wurde in Moskau mit der heutigen Lomonossow-UniversitĂ€t die erste UniversitĂ€t Russlands gegrĂŒndet. Im Jahre 1916 gab es in ganz Russland rund 100 Hochschulen, davon 10 UniversitĂ€ten, sowie einige Dutzend Forschungseinrichtungen. Damit befand sich die Wissenschaft des Russischen Reichs im Vergleich zu vielen anderen europĂ€ischen LĂ€ndern auf einem niedrigen Entwicklungsniveau. Dennoch genossen schon damals bestimmte Bereiche der russischen Wissenschaft internationales Ansehen. So waren unter den ersten NobelpreistrĂ€gern zwei russische Akademiker, Iwan Pawlow (1904) und Ilja Metschnikow (1908).Einen erheblichen Entwicklungsschub bekam die russische Wissenschaft zu Sowjetzeiten. Die Sowjetunion besaß insgesamt ein gut ausgebautes Forschungs- und Entwicklungssystem. Charakteristisch fĂŒr diese Zeit war der hohe Zentralisierungsgrad der Forschung. So waren die meisten Wissenschaftler bei der Akademie der Wissenschaften oder in ihren regionalen Abteilungen angestellt. Zentrale Merkmale waren die Trennung von Forschung und Produktion, die Dominanz der Akademie der Wissenschaften der UdSSR in der Grundlagenforschung und in der anwendungsbezogenen Forschung und die geringe Bedeutung des Hochschulbereichs in der Forschung. Alle Unternehmen im Wirtschaftsbereich waren in Staatsbesitz und fĂŒhrten selbst wenig Forschung durch. Ein Großteil der Forschung wurde durch spezialisierte Forschungsinstitute vorgenommen, die im Allgemeinen organisatorisch von den staatlichen Unternehmen getrennt waren. Da der Sowjetstaat der Industrialisierung und militĂ€rischer Überlegenheit eine sehr hohe PrioritĂ€t einrĂ€umte, förderte er die Forschung und Entwicklung auf diesen Gebieten besonders großzĂŒgig. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs förderte der Staat die Entwicklung der sowjetischen Raumfahrt sehr intensiv. Dies alles fĂŒhrte dazu, dass die Sowjetunion in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts zu einem Industrieland aufgestiegen war. Die Forschung und Entwicklung galt auf bestimmten Gebieten, wie der RĂŒstungsindustrie und der Raumfahrt, als weltweit fĂŒhrend.

Bildungssystem

Das Bildungssystem in RusslandDas Bildungssystem in Russland gliedert sich in vier Abschnitte: allgemeine Schulausbildung, Berufsausbildung, Hochschulausbildung und die Postgraduierten-Ausbildung.Die Allgemeine Schulausbildung untergliedert sich wiederum in die Abschnitte Grundstufe, Hauptstufe und Oberstufe.
* Grundstufe: Der Schuleintritt erfolgt im Alter von sieben Jahren. Sowohl das Studienjahr als auch das Schuljahr beginnen in ganz Russland einheitlich am 1. September jedes Jahres. Das vorgezogene Schuleintrittsalter von sechs Jahren wird durchschnittlich etwa 35 Prozent der Kinder nach einem psychologischen Gutachten empfohlen. Die vierjĂ€hrige Primarstufe der Grund- oder Anfangsschule absolvieren die mit sieben Jahren eingeschulten Kinder binnen drei Jahren. Sie gelangen auf diese Weise aus dem dritten sofort in das fĂŒnfte Schuljahr.
* Hauptstufe: Danach folgt eine obligatorische sechsjĂ€hrige Hauptschulstufe. Sie fĂŒhrt zum Erwerb der „grundlegenden allgemeinen Bildung“ – in der Regel am Ende der neunten Klasse und nach dem Erreichen des Pflichtschulalters von 15 Jahren. Dieser Abschluss berechtigt zum Besuch der oberen Sekundarstufe (zweijĂ€hrig). Nach der neunjĂ€hrigen Pflichtschulbildung kann statt der Oberschulstufe auch eine Berufsausbildung an der mittleren Fachschule (Berufsschule) beziehungsweise dem Technikum absolviert werden. Diese Einrichtungen stehen im vertikal durchlĂ€ssigen gesamten beruflichen Bildungswesen weiterhin fĂŒr den Erwerb der vollstĂ€ndigen mittleren Bildung zur VerfĂŒgung (dualer Ausbildungsgang). Denn zusĂ€tzlich zu den berufsspezifischen FĂ€chern werden auch die allgemeinbildenden FĂ€cher unterrichtet, inhaltlich allerdings an der beruflichen Ausrichtung orientiert.
* Oberstufe: Der Abschluss der Oberstufe erfolgt durch das „Zeugnis ĂŒber die vollstĂ€ndige mittlere Bildung“ (das traditionell so genannte „Reifezeugnis“) – zu Deutsch Abitur, das aber noch nicht den UniversitĂ€tseintritt garantiert. Dazu ist eine anspruchsvolle AufnahmeprĂŒfung erforderlich. Wer mit sehr guten Ergebnissen das Abitur abgelegt hat, hat nur eine oder zwei AufnahmeprĂŒfungen zu bestehen. Bei schlechteren Abiturnoten werden mehrere FĂ€cher geprĂŒft. Seminarraum der Juristischen FakultĂ€t der Staatlichen UniversitĂ€t Sankt PetersburgFĂŒr die Hochschulausbildung steht den Studenten in Russland ein vielfĂ€ltiges Hochschulwesen zur VerfĂŒgung. Außer der klassischen UniversitĂ€t mit einem breiten FĂ€cherangebot gibt es verschiedene Hochschulen und Akademien mit einer speziellen technischen, pĂ€dagogischen oder ökonomischen Ausrichtung. Das Abitur ist zwar Voraussetzung fĂŒr den Hochschulbesuch, es muss jedoch zusĂ€tzlich eine AufnahmeprĂŒfung bestanden werden. Die Studienfinanzierung gibt es fĂŒr leistungsstarke SchĂŒler kostenfrei, fĂŒr einen immer grĂ¶ĂŸer werdenden Teil der Bevölkerung aber nur gebĂŒhrenfinanziert. Die Hochschulen haben nach 1992 grĂ¶ĂŸere Rechte zur Selbstverwaltung erhalten. Hochschulen werden neu aufgestellt; altehrwĂŒrdige Einrichtungen erhalten neue Namen und moderne Strukturen.Die Dauer der meisten Studienprogramme betrĂ€gt fĂŒnf Jahre, wobei die ersten zwei Jahre wie in Deutschland auch, einem allgemeinen Grundstudium dienen, dem dann die fachliche Spezialisierung im Hauptstudium folgt. Bis 1991 gab es als einzigen Abschluss nur das Diplom. Mit der schrittweisen EinfĂŒhrung neuer StudiengĂ€nge sind neben dem Diplom auch der Bachelor und Master als AbschlĂŒsse möglich, den die meisten Studenten auch anstreben.Insgesamt lassen sich vier Kategorien von Hochschuleinrichtungen in folgender Hierarchie aufstellen:
* UniversitÀten
* Akademien
* Institute (= Hochschulen)
* CollegesZu den bekanntesten russischen UniversitĂ€ten gehören die Staatliche Moskauer Lomonossow-UniversitĂ€t, die Staatliche UniversitĂ€t Sankt Petersburg, die Staatliche UniversitĂ€t Kasan und die Staatliche Technische UniversitĂ€t Nowosibirsk. Inzwischen ist in Russland die GrĂŒndung von privaten Schulen und Hochschulen erlaubt. Ihr Besuch ist nicht kostenlos und meist nur fĂŒr eine kleine Schicht erschwinglich. In Russland gab es 2005 1061 UniversitĂ€ten und Hochschulen, wovon 413 private Hochschulen waren.

Wissenschaft

Proton-K-Rakete]] Vereinigten Institut fĂŒr Kernforschung in Dubna]]Die Wissenschaft erlebte in der Russischen Föderation in den 1990er Jahren eine schwere Krise, da es permanent an finanziellen Mitteln fehlte, um das System an Forschungseinrichtungen weiter ausreichend zu unterstĂŒtzen. Das fĂŒhrte zu Entwicklungsstopps auf vielen Gebieten und zur Abwanderung qualifizierter Forschungs- und LehrkrĂ€fte ins europĂ€ische Ausland oder in die USA. Die Institutionen und Arbeitsweisen in der russischen Forschung und Entwicklung haben viele Merkmale des ehemaligen sowjetischen Systems beibehalten. Die Mehrheit der Forschungsorganisationen sind vom Wirtschaftssektor getrennt. Forschungseinrichtungen in Unternehmen sind in der Regel gering ausgebildet. Die Russische Akademie der Wissenschaften hat weiterhin eine dominierende Stellung inne. Fast zwei Drittel aller Forschungseinrichtungen sind in Staatsbesitz und beschĂ€ftigen 78 Prozent des Forschungspersonals. Dagegen sind 14 Prozent der Einrichtungen privatwirtschaftlich organisiert. Aufgrund dieser Übermacht des Staates wird die russische Forschung vorrangig durch große Forschungsinstitute angefĂŒhrt, kleine Organisationen haben nur eine geringe Bedeutung. Dementsprechend beschĂ€ftigten 2008 die grĂ¶ĂŸten aller russischen Forschungseinrichtungen insgesamt 53 Prozent des Forschungspersonals und waren fĂŒr 44 Prozent der gesamten Forschungsausgaben verantwortlich. Bei der Finanzierung von Forschung und Entwicklung ĂŒberwiegt die Förderung durch den Staatshaushalt. Der Privatsektor trĂ€gt einen geringen Teil zur Finanzierung bei. In jĂŒngster Zeit versucht die Regierung aktiv, den Forschungsbeitrag der UniversitĂ€ten zu erhöhen. Am gesamten Finanzierungsumfang der Forschung macht der Hochschulsektor gerade sechs bis sieben Prozent aus. Zwölf Prozent des Lehrpersonals werden als Forscher eingestuft. Fast die HĂ€lfte aller UniversitĂ€ten und anderen Hochschuleinrichtungen beteiligt sich ĂŒberhaupt nicht an ForschungsaktivitĂ€ten.Trotz Krisen der 1990er nehmen einige Bereiche der Wissenschaft Russlands nach wie vor im internationalen Vergleich obere Positionen ein. So wurden fĂŒnf russische Physiker in jĂŒngster Zeit mit dem Nobelpreis ausgezeichnet: Schores Alfjorow im Jahr 2000, Alexei Abrikossow und Witali Ginsburg im Jahr 2003 sowie Andrei Geim und Konstantin Nowosjolow im Jahr 2010.Erst seit Anfang 2000 werden seitens der Regierung wieder Anstrengungen unternommen, die einheimische Forschung und Entwicklung zu fördern. Hierzu wurden spezielle nationale Zielprogramme entworfen, die unter anderem eine Erhöhung der GehĂ€lter fĂŒr Angestellte in der Wissenschaft, die Förderung von Nachwuchsakademikern und die landesweite Einrichtung von Technologieparks vorsehen. Dabei wird besonders auf die Weiterentwicklung in den Bereichen Wert gelegt, in denen Russland frĂŒher Spitzenergebnisse erzielte, also vor allem in Naturwissenschaften und der RĂŒstungsindustrie. PrĂ€sident Medwedew startete eine Modernisierungsoffensive durch Förderung zahlreicher SchlĂŒsselprojekte. Eines davon ist die Errichtung eines modernen Wissenschaftskomplexes bei Moskau, als Stadt der Innovationen ( Innograd), in Skolkowo. Dort sollen kĂŒnftig neue Technologien erforscht und bis zur Marktreife entwickelt werden. Innograd ist damit als russisches Äquivalent zu Silicon Valley angelegt. Der neue Forschungs- und Entwicklungskomplex wird vorrangig in fĂŒnf Bereichen arbeiten: Energie, Informationstechnologie, Telekommunikation, Biomedizin und Kerntechnik. Die russische Regierung plant weiterhin den Einstieg in die Produktion von Mikroelektronik. Auch bei der Satellitennavigation will Russland seinen Markt stĂ€rker auf die Nutzung des einheimischen Systems GLONASS trimmen.

Russische Raumfahrt

Mir]]In den 1990er Jahren litt die russische Raumfahrt unter großen Finanzierungsproblemen, so dass viele Programme stillstanden. Durch die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation konnte sich die russische Raumfahrt aber wieder erholen. Roskosmos ist die Raumfahrtbehörde und fĂŒr das zivile Raumfahrtprogramm des Landes zustĂ€ndig und hat ihren Sitz im SternenstĂ€dtchen nahe Moskau. Sie wurde 1992 gegrĂŒndet und hat die wesentlichen Ressourcen der sowjetischen Raumfahrt ĂŒbernommen. Roskosmos benutzt aktuell zwei Raumfahrtbahnhöfe: Plessezk bei Archangelsk, das langfristig zur Hauptbasis ausgebaut werden soll, sowie Baikonur in Kasachstan, die Hauptbasis der sowjetischen Raumfahrt. Am 14. Juli 2005 wurde das neue Raumfahrtprogramm fĂŒr die Jahre 2005 bis 2015 von der russischen Regierung genehmigt. Ziel ist es, das Weltniveau der russischen Raumfahrt zu sichern und die Position Russlands unter den drei weltweit fĂŒhrenden RaumfahrtmĂ€chten zu festigen. PrioritĂ€t hĂ€tten dabei die Entwicklung und Nutzung der Raumfahrttechnik, -technologie und -dienstleistungen sowie der Bau von Raumschiffen fĂŒr bemannte FlĂŒge, Transport- und interplanetare Missionen, darunter auch ein wiederverwendbares Raumfahrtsystem. Russland beteiligt sich jetzt maßgeblich an der ISS, zu deren Versorgung, seit der Einstellung des Space-Shuttle-Programms, die Sojus-Rakete mit dem Sojus-Raumschiff und dem Progress-Raumtransporter eingesetzt werden.Weiterhin sollen die wissenschaftlich-technischen Grundlagen fĂŒr einen bemannten Flug zum Mars und eine Raumstation der neuen Generation geschaffen werden. In einem ersten Schritt will Russland dazu bis 2015 seine Satellitenflotte vorrangig mithilfe westlicher Elemente an den Weltstandard heranfĂŒhren. Zudem sollen zu diesem Zeitpunkt vom neuen Kosmodrom Wostotschny im Amur-Gebiet die ersten unbemannten Starts mit modernisierten Versionen der bisherigen TrĂ€gerraketen erfolgen. FĂŒr 2020 sind hier die ersten bemannten Starts von Raumschiffen mit den neuen Angara-TrĂ€gerraketen geplant. Zugleich sind Missionen zur vertieften Erforschung des Mondes sowie der Planeten Venus und Jupiter vorgesehen. Dabei sollen ferngesteuerte Mondmobile, sogenannte Lunochods, Bodenproben vom Mond zur Erde bringen. In Kooperation mit auslĂ€ndischen Partnern will Roskosmos außerdem auf dem Mars ein Netz von Forschungsstationen errichten.

Literatur

; Allgemeines
* Volker Ullrich (Hrsg.): Russland und der Kaukasus. Fischer Weltalmanach aktuell (mit Analysen und Reportagen aus der ZEIT und Zahlen, Daten und Fakten aus dem Fischer Weltalmanach). Fischer TaschenbĂŒcher. Bd. 72303. Fischer, Frankfurt a.M. 2005, ISBN 3-596-72303-5.; Aktuelle Politik
* Margareta Mommsen: Wer herrscht in Russland? Der Kreml und die Schatten der Macht. 2. durchgesehene und erweiterte Auflage, C.H. Beck, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-406-51118-X.
* Heiko Pleines, Hans-Henning Schröder (Hrsg.):
LĂ€nderbericht Russland, Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, Schriftenreihe (Bd. 1066), Bonn 2010, 581 S.
* D. Stachow, L. Shevtsova, Roland Götz, J. Scherrer, E.-M. Auch:
Aus Politik und Zeitgeschichte. Russland, Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, Bonn 2006 (13. MĂ€rz 2006;
PDF).; Geschichte
* Christoph Schmidt: Russische Geschichte 1547–1917. 2. Auflage, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, MĂŒnchen 2009, ISBN 3-486-56704-7.
* Carsten Goehrke: Russland. Eine Strukturgeschichte. Schöningh Verlag, Paderborn 2000, ISBN 978-3-506-76763-9 (
Rezension).
* Richard Pipes: Russland vor der Revolution. Staat und Gesellschaft im Zarenreich. MĂŒnchen 1977.
* Abraham Ascher: Geschichte Russlands. Magnus-Verlag, Essen 2005, ISBN 3-88400-432-8.
* Tim Guldimann: Moral und Herrschaft in der Sowjetunion. Erlebnis und Theorie. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1984, ISBN 3-518-11240-6.
* Andreas Kappeler: Russland als Vielvölkerreich. Entstehung, Geschichte, Zerfall. 2. durchgesehene Auflage, C.H. Beck, MĂŒnchen 2003, ISBN 3-406-36472-1.
* Andreas Kappeler: Russische Geschichte, 4. aktualisierte Auflage, C.H. Beck, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-406-47076-9.
* Tanja Wagensohn: Russland nach dem Ende der Sowjetunion. Pustet, Regensburg 2001, ISBN 3-7917-1751-0.; Soziologie und Kultur
* Norbert Franz (Hrsg.): Lexikon der russischen Kultur. Primus, Darmstadt 2002, ISBN 3-89678-413-7.
* Carsten Goehrke: Russischer Alltag. Chronos, ZĂŒrich 2003, ISBN 3-0340-0583-0.
* Orlando Figes: Nataschas Tanz. Eine Kulturgeschichte Russlands. Berlin Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-8270-0487-X.
* Dorothea Redepenning: Geschichte der russischen und sowjetischen Musik. Das 19. und 20. Jahrhundert in 2 BĂ€nden. Laaber-Verlag, Laaber 1994, ISBN 978-3-89007-206-7.

Weblinks


*
Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung: Dossier Russland
*
LÀnderinformationen zu Russland (AuswÀrtiges Amt, Berlin)
*
LĂ€nderinformationen, Exportbericht und Statistiken zu Russland
*
LĂ€nderprofil des Statistischen Bundesamtes
*
Russland HEUTE
*
„Stimme Russlands“ – staatliche Rundfunkgesellschaft (ĂŒbertrĂ€gt seit dem 29. Oktober 1929 Sendungen ins Ausland)

Einzelnachweise


Kategorie: Staat in Europa
Kategorie: Staat in Asien
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Kategorie: Mitglied des Europarats
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